Das Zentrum Forschung Bildung Beratung
         
  Wordgasse 4    
     


Hölle11
Stolberg/Harz
Wipertikirche
Wordgasse 4
Jerichow
Lübeck
Gotha



Goldstrasse 25
Klopstock-Gartenhaus
Das Gelbe Haus in Wörlitz
Schlossberg 11



Lange Gasse7
St.Stephanskirche
Bauschadensprojekt
 

Baugeschichte des Westflügels auf dem Hof Wordgasse 4 (Fleischhof) in Quedlinburg

Der Westflügel des Fleischhofs ist betreffend seiner Kubatur Im Wesentlichen ein Gebäude aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Dies betrifft den südlichen, gratgewölbten Keller, die Umfassungsmauern und das Dachwerk. Die beiden Inschriften, im Eingangsportal „1567“, sowie am überbauten Giebelfeld des südöstlichen Zwerchhauses „1566, ermöglichen eine Datierung der Fertigstellung des Kernbaus in das Jahr 1567. In den folgenden Zeiten fanden jedoch eine Reihe z. T. erheblicher Umbauten statt, die eine fast vollständige Veränderung der Binnenstruktur zur Folge hatten. An der Westgiebelseite des Gebäudes wurde die im Kern mittelalterliche Stadtmauer überbaut.

Raumaufteilung und Ausstattung im Jahr 1566/67

Im Jahr 1566/67 wird den Wappen und Inschriften des Portals zu Folge H. V. W. [Hans von Wulfen] und M – E. v. P. [Elisabeth von Plotho] ein repräsentativer Wohnbau errichtet. Dieses Gebäude entspricht dem noch erhaltenen rechteckigen, zweistöckigen Bau, der allerdings nur im südlichen Bereich unterkellert war. Kennzeichen dieses ursprünglichen Baus war eine dreizonige Untergliederung im Erd- und Obergeschoss. Im Erdgeschoss befand sich in der Mitte, wie auch heute noch, eine weit angelegte Flurzone zur Erschließung der seitlichen Räumlichkeiten. Südlich der Flurzone befand sich eine geräumige, gebäudetiefe Küche mit einem weiten Rauchfang. Dieser hatte seinen Abzug als weiten Schornstein, der durch den darüber liegenden großen Saal bis über den Dachfirst des südöstlichen Zwerchhauses führte. Die Küche selbst hatte drei große Fensteröffnungen mit noch erhaltenen profilierten Blockrahmen und geschmiedeten Fensterkörben. Rechtsseitig der Flurzone gibt es kaum Befunde, die eine Rekonstruktion zulassen. Es ist jedoch homolog zum Südflügel zu vermuten, dass sich in diesem Gebäudeabschnitt mehrere gewölbte Räume befanden. Von dem mittigen Flur gelangte man auch über eine abgewinkelte Treppe, deren Lage heute noch belegt wird, in das Dachgeschoss. Dieses wurde räumlich durch das Dachwerk mit einem liegenden Stuhl und drei Zwerchhäusern gebildet. Es besaß zwei Ebenen. Den eigentlichen Dachboden und den auf der Kehlbalkenlage angeordneten Spitzboden.


Decken

Wesentlich schwieriger lässt sich die Frage nach der Gestaltung der Decken zum Zeitpunkt der Errichtung beantworten. Sämtliche Decken wurden in einer barocken Umbauphase vollständig neu umgestaltet. Fassungsreste konnten an den zahlreichen Fehlstellen an den Deckenbalken nicht gefunden werden. Sämtliche Füllungen wurden ausgetauscht. Indizien für die ursprüngliche Gestalt finden sich nur sehr wenige. So wurde im Raum 1.15 am westlichen Längsunterzug ein mit Fassungsresten versehenes Brett zum Aufdoppeln wieder verwendet. Weitere Indizien, wie die im oberen Balkendrittel angeordneten Keilnuten lassen vermuten, dass die Balken bretterverkleidet waren und die Balkenzwischenräume mit einem flächigen, gefassten Lehmputz abschlossen.


1. Umbauphase gegen Ende des 16. Jahrhunderts

Die erste große Welle an Umbauten wurde durch den Anbau des Südflügels Ende des 16. Jahrhunderts ausgelöst. Der Anbau fand im Zeitraum von 1580 bis 1595 statt. Dadurch wurden im Binnenraum des Westflügels eine Reihe räumlicher Veränderungen vorgenommen. Der ursprüngliche Kellerzugang wurde aufgegeben. Ein Zugang in den neuen, angebauten Kellerraum unter dem Südflügel bestand jedoch weiterhin. Im Obergeschoss können aufgrund späterer Umbauten keine Umbauten aus dieser Bauphase nachgewiesen werden. Der schräge Übergang in den Südflügel ist eine spätere Ergänzung. Im Unterschied dazu wurden im Dachgeschoss mit hoher Sicherheit die beiden Zugänge in die Giebelwand des südöstlichen Zwerchhauses eingebrochen.


Umbauphase 17. Jahrhunderts (um 1662/63 d)

Eine in diese Zeit zu datierende sehr umfassende Umbauphase wurde durch eine Gebäudeinstabilität unbekannter Ursache ausgelöst. So wurde das damals noch vorhandene mittige Zwerchhaus entfernt, die Dachbalken in diesem Bereich ausgetauscht und die Fassaden sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite erneuert. Die Umbauten werden durch Dendroproben datiert. Aus dieser Zeit stammen auch die vor der Innenseite der Ost- und Westwand und mit Eckständer abgestützte Streichbalken. Hier erhoffte man sich eine Stabilisierung des Anschlusspunktes von Dachbalkenlage auf die Außenwandständer, die den Abbruch des mittigen Zwerchhauses notwendig gemacht hatten. Auch der im Treppenraum des Obergeschosses unter den Mittellängsunterzug gestellte Ständer mit profilierten Kopfbändern (unterseitiger Eselsrücken) und mit Pyramidenköpfen versehenem Sattelholz kann stilistisch in diese Zeit eingeordnet werden.


Umbauphase um 1728 i

Zu diesem Zeitpunkt kommt es zum Einbau des mittigen Ständers mit Beschlagwerk im Erdgeschossflur sowie der elfteiligen Textiltapete im Raum 1.15. Während der Ständer mit der Inschrift „1728“ am Fußpunkt versehen ist, kann die Textiltapete, die heute fast vollständig in der Burg Falkenstein ausgestellt ist, aufgrund ähnlicher Motive und der dargestellten Mode in diese Zeit zugeordnet werden. So finden sich sowohl auf dem Ständer als auch auf der Tapete Papageien wieder. Typisch für die Herrenmode der Zeit sind Kniehose (Culotte) mit Strümpfen, der Rock und der Dreispitz.


Umbauten im 18. / 19. Jahrhundert

Im Obergeschoss wurde eine neue Längswand seitlich des Ständers mit Pyramidenköpfen in der Diele und Querwände gestellt.Durch weitere neue Wände östlich dieser Wand teilte man neue Räume ab. Darüber hinaus erneuerte man die außenseitige Gefachfüllungen. Typisch war eine massive Füllung aus einsteinstarkem Ziegelmauerwerk. Dabei versetzte man die Riegel nach oben um neue Rahmen einzupassen. Neu eingebaut wurde auch die schon an alter Lage vorhandene Treppe in das Dachgeschoss mit bauzeitlicher Tür. Die Treppe hauste man mit breiten Brettern ein. Selbige Bretter verwendete man auch für die gespundete Dielung im Dachraum.


Umbauten aus der Jahrhundertwende um 1900

Einige bauliche Veränderungen lassen sich etwas genauer dem späten 19. Jahrhunderts zuweisen. Wichtigste Umbauten sind das Einziehen neuer Trennwände. Neben den Umbauten im Obergeschoss wurde auch die Treppe im Erdgeschoss erneuert.


Bauliche Veränderungen in der Nachkriegszeit

Ein sehr umfassender Umbau fand in der Zeit nach dem 1. WK und vor 1938 statt. Dieser könnte von dem Samenhändler Carl Sperling nach der Übernahme des Hofs von seinem Vater Walter Sperling zwischen den Jahren 1925 und vor 1935 veranlasst worden sein. Bei diesem Umbau wurde im Erdgeschoss der gesamte nördliche Gebäudeteil abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde durch massive Querwände in etwa gleich große Räume unterteilt. Den Kelleraum überbaute man dabei mit einer Stahlkonstruktion. Der Keller selbst wurde um 30 cm eingetieft. Auch mauerte man die beiden Schildwände vollständig neu auf. Spätestens in dieser Bauphase dürften die beiden noch vorhandenen Schornsteinzüge aus dem 16. Jh. abgebrochen worden sein.