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Schlossberg 11 |
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Die Bauforschung und das Aufmaß am Schlossberg 11 erfolgte im Auftrag der Stiftung Moritzburg in Halle und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Das Objekt Schlossberg 11 besteht aus einem Vorderhaus, welches traufständig zum Platz orientiert ist, und aus einem quer dazu verlaufendem Seitenflügel. Die Tordurchfahrt dient als Hauptzugang zu der auf dem Hof untergebrachten Feininger-Galerie .
Der Gebäudekomplex befindet sich am Fuße des Schlossberges im so genannten Westendorf. Dessen frühe Besiedlung ist mindestens vom Neolithikum bis in die späte römische Kaiserzeit belegt1. Das Westendorf entwickelte sich um den Schlossberg aus Wirtschaftsgebäuden und Ansiedlungen von Bediensteten des Königshofes bzw. Stiftes sowie Handwerkern und Kaufleuten, die den Hof belieferten. Archäologische Grabungen erbrachten den Beleg einer eigenständigen mittelalterlichen Umwehrung des Westendorfs.
Konstruktives System
Beim Vorderhaus handelt es sich um ein Fachwerkgebäude in Stockwerksbauweise und Ständer-Riegel-Konstruktion mit einem in Teilbereichen massivem Unterstock. Bauzeitlich waren die 21 Gebinde in jedem 5. Gebinde im Oberstock wie im Unterstock durch eine Querwand unterstützt. An den Stellen, wo diese Wände heute nicht mehr vorhanden sind, ließ sich deren Existenz durch Zapfenlöcher von Riegeln und Streben in den Außenwandständern sowie durch Zapfenlöcher und Blattsassen in den Deckenbalken nachweisen. An den Kreuzungspunkten der Querwände mit den beiden in Längsrichtung verlaufenden Unterzügen waren die Ständer mit je vier Kopfbändern an Unterzug und Deckenbalken angeblattet. Sowohl das Vorderhaus als auch der Seitenflügel sind zweistöckige Gebäude mit Satteldach. Im Osten grenzt das 21 Gebinde umfassende Vorderhaus mit seinem parallelogrammförmigen Grundriss an das Klopstock-Museum (Haus Nr. 12). Den westlichen Abschluss bildet ein freistehender Giebel mit Krüppelwalm im Dachbereich.
Ausgefacht wurde mit Lehmstakung. Erneuerte Gefache sind mit Ziegeln ausgemauert. Von den ursprünglichen Streben sind nur einige auf der Hofseite und im östlichsten Gefach der Südfassade erhalten. Die bauzeitliche Ständerreihung wurde an der zum Platz ausgerichteten Fassade zugunsten breiterer Fenster aufgelöst. Die westliche Hälfte der Platzfassade wird durch das Haus Nr. 10 verstellt, das nur durch einen schmalen Durchgang abgetrennt ist. Dahinter liegen aus massivem Sandsteinmauerwerk errichtete Außenwände des unteren Stockwerks im südwestlichen Bereich. Im östlichen Teil des Unterstocks befindet sich die Tordurchfahrt, deren westliche Trennwand im Verlauf um ein Gefach verspringt. Der Oberstock ragt nur leicht über den Unterstock vor. Sowohl hier als auch unter dem Dach sind die Deckenbalken an der Fassade mit Pyramidenköpfen verziert und mit profilierten Knaggen versehen. Beim Dach handelt es sich um ein Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl.
Keller
Eine Besonderheit weist die Kellertonne aus Ziegelsteinen unter dem Vorderhaus auf. Deren Verlauf ist segmentbogenförmig. Errichtet wurde sie wohl noch in der Barockzeit nachträglich unter dem bereits bestehenden Gebäude. Darauf deuten mehrere Befunde hin. Wichtigstes Indiz ist die ehemals im 11. Gebinde verlaufende bauzeitliche Querwand, deren Existenz durch Zapfenlöcher im Außenwandständer gesichert ist. Zwar findet sich dieser Ständer heute nicht mehr in situ, kann aber durch das Abbundzeichen „VIIII“ eindeutig seiner ursprünglichen Lage zugeordnet werden. Diese Querwand hätte mit geringem Abstand den jetzigen Kellerzugang verstellt. Weitere Indizien sind eine bauzeitliche Tür in der Außenwand im Bereich des heutigen Kellerabgangs sowie das Höherlegen des Schwells der Nordfassade über der Kellertonne, u.a. erkennbar durch eine geringere Gefachhöhe der unteren Gefache. Zudem ist der Kellerhals über dem Fußboden des Erdgeschosses teilweise sichtbar.
Nutzungsgeschichte
Das Objekt gehörte ursprünglich zum so genannten Vorburggut, einem der vier „Tafelgüter“, die der Verpflegung des Stifts dienten2. Über die 31. Äbtissin Anna Sophia, die von 1645 bis 1680 regierte, heißt es bei Fritsch: „Sie ließ (…) das Vorwerk im Westendorfe, die Vorburg genannt, neu ausbauen…“3 Diese Datierung deckt sich mit dem Ergebnis der dendrochronologischen Untersuchung der Fachwerkhölzer, die eine Bauzeit um die Mitte des 17. Jahrhunderts ergab.
Im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts wurden große Teile dieses Guts an bis zu 100 einzelne Käufer veräußert. Letztlich blieb nur das links des Klopstockhauses gelegene Gehöft übrig. Bis 1894 war dort ein Schwadron Kürassiere untergebracht5. Anschließend wurde die Kaserne, die sich in einem Nebengebäude befand, zu Wohnungen für „kleine Leute“ ausgebaut6. Auf einem Lageplan aus dem Jahr 1890 sind neben dem als Wohnhaus bezeichneten Hauptgebäude auch der als Stall- und Wirtschaftsgebäude benannte Seitenflügel und daran anschließend die Kaserne dargestellt. Auf einer Postkarte um 1906 verweist eine Werbeschrift über der Tordurchfahrt auf die Samengroßhandlung „Carl Beck & Co., Inh. Carl Beck“. Nach dem 1. Weltkrieg gelangte das Grundstück in den Besitz des Saatzuchtunternehmens Heinrich Mette und diente u.a. der Unterbringung einfacher Mitarbeiter der Firma, wie aus mehreren Beschwerden an das Bauamt ersichtlich ist9. Nach 1945 wird der Besitz schließlich an das Volksgut „August Bebel“ übertragen Aus den Archivalien ließ sich bislang die bauzeitliche Nutzung des Vorderhauses nicht eindeutig belegen. Anhand der Baubefunde, u.a. dem Fehlen eines repräsentativen bauzeitlichen Treppenhauses im Gebäudeinneren und der ursprünglichen Grundrissgestaltung, scheint eine Wohnnutzung unwahrscheinlich. Vielmehr könnte das Gebäude wirtschaftlichen Zwecken gedient haben, was auch die Bezeichnung „Vorwerk“ nahe legt.
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