|
|
|
Grundsätzlich ist eine nachträgliche
Innendämmung sowohl unter bautechnischen
als auch unter bauphysikalischen
Aspekten problematischer
als eine Außendämmung.
Einbindende Innenwände, Balkendecken
und Fensterleibungen fungieren
als Wärmebrücke und erfordern
in der Ausführung der
Dämmsystemanbindung somit ein
hohes Maß an Genauigkeit und
Ausführungsqualität. Zusätzlich bedürfen
die für Rohrdurchführungen
und Steckdoseneinsätze notwendigen
Öffnungen im Systemaufbau
besonderer Aufmerksamkeit beim
winddichten Anschluss.
Bei der energetischen Sanierung
und Modernisierung von Fachwerkbauten
mit Sichtfachwerk ist jedoch
nur eine - möglichst winddicht auszuführende
- Innendämmung möglich,
welche besonderen bauphysikalischen
Anforderungen unterliegt.
Die Auswahl eines geeigneten Innendämmsystems
hängt maßgeblich
von der örtlichen Schlagregenbeanspruchung
ab. Da z.B. bei
besonders hoher Regenbelastung
die Feuchtigkeit bis an die Wandinnenseite
durchschlagen kann, sollten
in diesen Fällen nur durchgehend
kapillar leitfähige Systeme in
möglichst geringer Schichtdicke
ausgeführt werden.
Erwähnenswert an dieser Stelle ist
die Tatsache, dass nicht nur der
Temperaturgradient der Außenwand,
sondern auch die Dämmwirkung
mit zunehmender Schichtdicke
abnimmt (Grafik 1), die
Baukosten aber meist ansteigen.
Der Taupunkt verschiebt sich also
an die Innenseite der Fachwerkkonstruktion,
das Trocknungsvermögen
wird mit abnehmender Bauteiltemperatur
ebenfalls herabgesetzt.
Bei der Bewertung des wärme- und
feuchtetechnischen Verhaltens ist
stets der gesamte Wandaufbau zu
betrachten. Bei der Begrenzung des
Wärmedurchlasswiderstandes der
Innendämmung auf ?Ri = 0,8
m2K/W (s = 0,8*l) ist nach WTA-Merkblatt
8-5 (05.2008/D) kein weiterer
Nachweis erforderlich. Innenseitig
dürfen keine dampfsperrenden und
somit trocknungsblockierenden
Schichten angeordnet werden! 1
Historische Fachwerkbauten mit ihrer
fugenreichen Kombination aus
hölzernem Tragwerk und verschiedenartigen
Ausfachungsmaterialien
reagieren auf jegliche Veränderung
empfindlich. Wird der
Feuchtehaushalt des Gesamtgefüges
z.B. durch die Auswahl unpassender
Dämmsysteme in Kombination
mit ungeeigneten Farbsystemen
aus dem Gleichgewicht gebracht,
kann es zu Schadensbildern
wie Schimmelbefall in Wand- und
Fußbodenebenen bis hin zu akutem
Pilzbefall an der Tragkonstruktion
kommen (Abb. 1 und 2).
Dabei spielt schon die Berechnung
der erforderlichen Dämmschichtdicken
und der Feuchtenachweis
eine entscheidende Rolle.
Das (nach dem Entwickler benannte)
Glaser-Verfahren 2 zum Beispiel
ist ein Verfahren der Bauphysik,
mit dem man nach DIN 4108-3 ermittelt,
ob und wo in einer Baukonstruktion
Tauwasser anfällt. Als tabellarisch-
grafisches Verfahren
liefert es rasch und mit einfachen
Rechenoperationen Ergebnisse.
Das Verfahren dient der näherungsweisen
Ermittlung von Feuchtigkeitsanreicherung
durch Diffusion
in Gebäudebauteilen. Es werden
standardisierte Klimabedingungen
zugrundegelegt. Ist die errechnete
Tauwassermenge kleiner als 1 kg/m²
und die Verdunstungsmenge im
Sommer größer als die Tauwassermenge
im Winter, dann kann im
Wesentlichen von einer bauschadensfreien
Konstruktion ausgegangen
werden.
Diese vereinfachten Annahmen berücksichtigen
allerdings nicht die
Feuchtespeicherung und die Wassertransportvorgänge
in Materialien
sowie den Wasserdampf, welcher
aufgrund von schadhaften Dichtungsebenen
durch Luftströmung
(Konvektion) in die Konstruktion eindringen
und dort als zusätzliches
Tauwasser kondensieren kann. Unabhängig
von der tatsächlich anfallenden
Kondensatmenge bleiben
die Dampfströme und der
Kondensationsbereich konstant, da
eine Ausbreitung des Kondensats
nicht berücksichtigt wird.
Diese Einschränkungen des klassischen
Tauwassernachweises nach
dem Glaser-Verfahren führte zur Entwicklung 4 computergestützter Simulationen,
die auch realitätsnahen
Bedingungen Rechnung tragen.
Für detailliertere Betrachtungen von
kritischen Konstruktionen können Simulationsprogramme,
wie etwa
WUFI („Wärme und Feuchte instationär“) 5 oder DELPHIN 6 verwendet
werden, welche Wärme- und
Feuchtigkeitstransportvorgänge in
Bauteilen durch Diffusion und kapillare
Leitfähigkeit unter Berücksichtigung
klimatischer Randbedingungen
simulieren und bei Verwendung
entsprechender Materialkennwerte
realitätsnahe Ergebnisse
liefern.
Die nach wie vor beliebteste, weil
preiswerteste Konstruktion ist das
leichte Innendämmsystem: Ständerwand
aus Holz- oder Metallprofilen
mit dazwischen liegenden Mineralwollematten
(meist mit
Dampfbremsfolie) und eine in der
Regel einlagige Gipskartonbeplankung (Abb. 3).
Die DIN 4108-3 2001-07 „Klimabedingter
Feuchteschutz“ sagt aus,
dass „… konvektionsbedingte Tauwasserbildung
durch luftdichte Konstruktionen
nach DIN 4108-2 und DIN
V 4108-7 zu vermeiden ist.“ Dabei
geht die DIN von dem Fakt aus, dass
bei Einbau einer Dampfbremsschicht,
die gleichfalls die Luftdichtigkeit
gewährleistet, kein schädliches
Tauwasser innerhalb der
Konstruktionsebene auftreten kann.
Somit wäre dieser Aufbau erlaubt.
In der Praxis allerdings wird eine
dauerhaft luftdichte Ausführung in
der Regel nicht erreicht. Ein weitaus
unterschätzter, weil erst einmal nicht
erkennbarer Feuchtezutritt, wird
durch Konvektionsvorgänge ausgelöst.
Durch Fugen und Risse an den
Wandanschlusspunkten, durch
Steckdosenöffnungen, Rohrdurchbrüche,
Dübel aber auch in Bereichen
einer undichten Überlappung
der einzelnen Folienbahnen kann
feucht-warme Raumluft in die Konstruktion
einströmen, die sich an der
kalten Innenseite der Außenwand
als Kondensat niederschlägt.
Bei der Wohnraumnutzung ist die
Produktion von Wasserdampf durch
den Menschen selbst (beim Schlafen,
bei körperlicher Arbeit) bzw.
durch seine Tätigkeiten (Kochen,
Duschen, Wäsche trocknen) wesentlich
höher als bei zeitlich und
tätigkeitsspezifisch eingegrenzter
gewerblicher oder öffentlicher Nutzung
(siehe Abschnitt „Einflüsse aus
dem Nutzerverhalten“).
Die so „produzierte“ feucht-warme
Raumluft kann bei undichten Anschlüssen
der inneren Dämmschale
verstärkt durch Fugen und Ritzen an
die kalte Innenseite der Außenwandfläche
gelangen und dort abkondensieren.
Der zunehmende
Dampfdruck bei abnehmender Öffnungsbreite
sowie Hohlräume zwischen
der Außenwand und der
Dämmebene erhöhen die Gefahr
der unkontrollierbaren Auffeuchtung
durch Konvektionsvorgänge.
Eine kapillare Abtrocknung ist aufgrund
der Materialeigenschaften
von Mineral- und Glasfaserwolle
nicht möglich.
Mit den vorgenannten Simulationsprogrammen
kann eine solche Situation
über einen beliebig langen
Zeitraum nachgestellt werden. Mit
der Eingabe realitätsnaher Klimabedingungen
für außen und innen
lässt sich für Wohnungen ohne
Zwangslüftung alarmierend schnell
nachweisen, dass die Außenwand
als einzig verbliebenes, feuchteregulierendes
Bauteil der Feuchteüberlastung
nur über wenige Monate
standhält. 7
Im Ergebnis der Untersuchungen an
ca. 30 sanierten Fachwerkbauten,
die zum Teil nach wenigen Jahren
die ersten Schäden aufwiesen,
konnte das Deutsche Fachwerkzentrum
anhand der Verteilung ableiten,
dass gravierende Schäden an
den Außenwänden sich auch an
deren Innenseiten widerspiegeln
(siehe Grafik 3).
Mehr als die Hälfte dieser Schäden
waren feuchtebedingt und konnten
an Innenputzen, in der Dämmebene
und an Fensterflügeln lokalisiert
werden. Annähernd 10% der
Innenbekleidung waren durch Risse
gestört - hauptsächlich verursacht
durch fehlerhafte Ausführung. Die
Auswirkungen einer zu hohen
Feuchtekonzentration im Wandquerschnitt
verdeutlichten sich zu
50% im Befall mit Schimmelpilzen
sowohl an Innenputzen, als auch
am Matten- oder Verbunddämmstoff
und der Gipskartonbeplankung.
Fallbeispiel 1:
Ein nur etwa 3 qm großes Bad verfügte
über zwei kleine, einfachverglaste
Kippfenster, die vermutlich
eher selten geöffnet wurden. Diese
Vermutung basiert auf dem Zustand
der Fenster: der Öffnungsmechanismus
war schwergängig, die Dichtungen
sind klebrig und verschlissen,
die Rahmenverbindungen
scherten z.T. ab, die Kunststoffrahmen
und -flügel waren insgesamt
in einem äußerst ungepflegten Zustand.
Die für das Außenmauerwerk
verwendeten Hochlochziegel waren
innenseitig weder von austretendem
Fugenmörtel noch von anderweitigen
Schmutzanhaftungen
gereinigt worden.
Bei der Modernisierung 1996 wurde
als nachträgliches Innendämmsystem
eine Vorsatzschale bestehend
aus einer Verbundplatte aus 1,25
cm Gipsfaser und 1,5 cm Styropor
auf ca. 2,5 cm starken Holzlatten angebracht.
Zwischen der Holzlattung
befindet sich kein Dämmstoff, sondern
nur ein Luftzwischenraum. Die
Vorsatzschale wurde an zwei Wänden
mit einer folienkaschierten Fliesentapete
und an zwei Wänden mit
Raufasertapete tapeziert.
Die hohe Feuchtebelastung durch
das Benutzen der Dusche, verbunden
mit der vermutlich ungenügenden
Lüftung und Heizung des Raumes,
verursachte eine enorme
Durchfeuchtung der raumseitig angeordneten
Gipsfaserplatten. Bei
den mit der dichten Fliesentapete
tapezierten Platten kam es zu Durchdringungen
im Bereich der Sanitäranschlüsse und der undichten Tapetenstöße.
Aufgrund der Ausführung
der Vorsatzschale als Verbundplatte
wird die Abtrocknung
der Gipsfaserplatte durch die Styroporplatte
verhindert, da diese weder
kapillar leitfähig noch diffusionsoffen
ist.
Die Rücktrocknung in den Innenraum
ist nur in den mit Raufasertapete
bekleideten Wänden und der
Decke gewährleistet, die Fliesentapete
mit ihrer Folienbeschichtung
verhindert dies. Somit sind optimale
Voraussetzungen für das Schimmelpilzwachstum
gegeben, erkennbar
an den dunklen Flecken an der Fliesentapete.
Voraussetzungen für Schimmelpilzwachstum:
- Poröse, Feuchte aufnehmende Oberflächen,
- hohe Materialfeuchte, z.B. durch Kondensatbildung, mangelhafte Abdichtungen, Wärmebrücken, Spritzwasser, geringe Raumluftzirkulation,
- Wachstumsoptimum bei 90% relativer Feuchte, teilweise schon bei 70% relativer Feuchte,
- Nährstoffangebot: Staub, Tapeten/ Papier, Klebstoffe, Dämmstoffe, Holz, Textilien, Putze, Montageschaum,
- Temperatur: Anpassungsfähig an 0°C bis 45°C, optimal 20°C bis 30°C,
- pH-Wert: Optimum zwischen 4,5 und 6,5 (leicht sauer), aber auch bis pH-Wert um 2 bzw. um 8,
- geringere Ansprüche an den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre als beim Menschen 8
Auch ein möglicher Tauwasserausfall
an der Innenseite der Außenmauern
ist problematisch, da die
kapillare Abtrocknung zurück nach
außen aufgrund der Hohlräume in
den Steinen (Hochlochziegel) sowie
nach innen durch die ungedämmten
Zwischenräume blockiert ist
(feucht-modriger Geruch während
der Öffnung der Vorsatzschale).
Fallbeispiel 2:
Bei einem weiteren leichten Innendämm-
Systemaufbau, bestehend
aus Holzständerwerk mit dazwischen
liegender Mineralwolle und
einer Bekleidung aus tapezierten
Hartfaserplatten, waren gleichfalls
dunkle Schimmelpilzflecken an der
Tapete und nach dem Entfernen
der Papiertapete ebenso an der
raumzugewandten Seite der Hartfaserplatte
sichtbar. Bei der Öffnung
der Vorsatzschale fühlte sich die innenliegende
Mineralwolle feucht
an, offenbarte aber keinen akuten
Befall. Am inneren Gefacheverputz
aus Lehm wie auch an den Staken
der wenigen historischen Lehmausfachungen
waren Schimmelpilze
nachweisbar (Abb. 13 und 14).
Hauptursache für die Schimmelbildung
war auch in diesem Fall eine
hohe Konzentration an feucht-warmer
Raumluft, die durch Konvektionsund
Diffusionsvorgänge bis an die
kühle Fachwerkinnenseite vordrang
und sich dort als Kondensat niederschlug.
Aufgrund der nach innen behinderten
kapillaren Abtrocknung
verblieb eine hohe Feuchtebelastung
besonders im gut aufnahmefähigen
Lehm. Somit waren wiederum
ideale Voraussetzungen für das
Schimmelpilzwachstum vorhanden.
Ungeachtet dessen kann sich eine
zu starke Ausbildung der Innendämmung
gleichfalls schädlich auswirken.
Beim Eindringen von z.B. Niederschlagswasser
über die Fuge
zwischen Gefach und Holz bis tief in
die Bauteilkonstruktion muss dieses
auch über die äußeren und inneren
Bauteiloberflächen wieder abtrocknen
können.
Es sollten keine trocknungsblockierenden
Schichten, die zwar durchaus
diffusionsoffen sein können, im
Normalfall aber flüssiges Wasser
nicht kapillar ableiten können, in einen
Wandaufbau ein- oder auf dieses
aufgebracht werden. Entgegen
dieser wissenschaftlich bereits belegten
Erfahrung zeigen die Untersuchungsergebnisse
des Deutschen
Fachwerkzentrums, dass es bis
heute gängige Praxis ist, vermeintlich
wasserabweisende oder abdichtende
Baustoffe oder Bausysteme
einzusetzen, welche regelmäßig
versagen.
De facto ist der Aspekt der kapillaren
Leitfähigkeit der auszuwählenden
Dämmsysteme vorrangig zu betrachten,
denn sollte es zu einem
Tauwasserausfall innerhalb des
Wandaufbaus kommen und Feuchtigkeit
somit in flüssiger Form vorliegen,
ist das Abdiffundieren nicht
mehr möglich. In diesem Fall muss
die Abtrocknung durch kapillare
Leitvorgänge nach innen wie nach
außen gewährleistet sein. Deshalb
sind möglichst homogene, kapillaraktive
Dämmsysteme aus bauklimatischer
Sicht als wesentlich günstiger
einzuschätzen als z.B. Faserdämmstoffe.
Das Thema „Innendämmung im
Fachwerk“ stellt daher zunehmend
Eigentümer und Planer vor die
Frage nach der richtigen Baustoffauswahl.
Mit dem „Ökologischen Pilotprojekt
unter wissenschaftlicher
Begleitung“ wurde vom Deutschen
Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.
in Zusammenarbeit mit der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt, dem
Bauministerium des Landes Sachsen-
Anhalt, der Stadt Quedlinburg
vertreten durch die BauBeCon Sanierungsträger
GmbH und weiteren
Partnern ein Modell entwickelt, welches
für alle Interessenten zumindest
einen Teil der Fragestellungen
bezüglich der Umwelt- und Substanzverträglichkeit
von Baustoffen,
Baukosten und dem Einfluss des Nutzerverhaltens
beantwortet. Das Modellobjekt
Lange Gasse 7 in Quedlinburg
bot mit 5 Wohnungen auf drei
Geschossen die Chance - unter dem
Aspekt der vorrangigen Verwendung
ökologischer Baustoffe – verschiedene
Dämm-, Schallschutz– und Heizvarianten
zu realisieren und die langfristigen
Auswirkungen auf Bausubstanz,
Energieverbrauch sowie
das subjektive Nutzerbefinden zu beurteilen.
Folgende Innendämmsysteme sind
unter fachlicher Anleitung der Produktpartner
und im Rahmen von
Weiterbildungsmaßnahmen für die
ausführenden Handwerksfirmen verwirklicht
worden: Holzleichtlehmstein-
Hintermauerung, Wärmedämmlehm
mit Kork, Innendämmung
mit Kalziumsilikat- Klimaplatten
und Unger-DiffuthermHolzweichfaserplatten.
Da nach nunmehr
fünfjähriger wissenschaftlicher
Begleitung aussagefähige Ergebnisse
vorliegen, werden die Systeme
im Folgenden näher beschrieben..
Bei allen Systemen müssen insbesondere
die kritischen Anschlüsse
an den Fenstern und an den einbindenden
Wänden kontrolliert sowie
auf das Vermeiden von Hohlräumen
zwischen Fachwerkwand
und Dämmung geachtet werden.
Ziel sollte immer die Herstellung eines
homogenen Wandaufbaus
sein, der durch seine kapillare Leitfähigkeit
Auffeuchtungen sowohl
nach innen als auch nach außen
schnell wieder abgeben kann. Hohlräume
erhöhen die Gefahr von Tauwasserbildung
im Bauteilinneren
und sind deshalb mit kapillar leitfähigen
Materialien, wie z.B. Mörteln
oder Lehmmischungen zu verfüllen.
Innendämmung mit Holzleichtlehmsteinen
Mit geringem Energieaufwand und
ohne chemische Umwandlungsprozesse
wird aus dem natürlichen
Rohstoff Lehm (Mischung aus Ton,
Schluff und Sand) ein hochwertiger
Baustoff gewonnen. Lehm hat sich
als Baustoff durch besondere Haltbarkeit
und der Schaffung eines angenehmen,
gesunden Raumklimas
über Jahrtausende bewährt. Durch
seine Gleichgewichtsfeuchte von
4,5 % wird pflanzlichen und tierischen
Schädlingen, die einen Wassergehalt
von 8–16 % benötigen, die
Lebensgrundlage entzogen.
Die Holzleichtlehmsteine erhalten
durch die Zugabe einer Hackschnitzel-Spänemischung aus Nadelholz
und Zellulosen sowie durch
spezielle Verarbeitungsmethoden
eine erhöhte Dämmwirkung. Die
wärmespeichernden und schallschützenden
Eigenschaften von
Holzleichtlehm sorgen für eine ausgeglichene
und angenehme
Wohnatmosphäre. Als plastisches
Material eignet er sich ideal zum
Ausgleichen von Unebenheiten.
Seine Festigkeit erhält Lehm allein
durch Trocknen. Derart ausgeführte
Maßnahmen greifen nicht in die Originalsubstanz
ein. Der Schichtenaufbau
wird in konventioneller
Handwerkstechnik hergestellt. Die
schnelle Trocknung des Mauerwerks
ermöglicht eine zügige Weiterbearbeitung.
Alte und neue Wand bilden
ein homogenes, kapillar leitfähiges
Ganzes. Nach der Reinigung
von Fremdstoffen sind die Abbruchmaterialien
wieder verwendbar. 9
Die wichtigsten bauphysikalischen Kenngrößen der Holzleichtlehmsteine sind:
- Wärmeleitfähigkeit: 0,17 W/(mK)
- Dampfdiffusionswiderstandszahl µ: 5 … 10
- Trockengewicht (Rohdichte): 600 kg/cbm
- Baustoffklasse Leichtlehm: B1
Vor Ausführung der inneren Dämmschale
aus Holzleichtlehmsteinen
sollten alle Arbeiten an der Außenwand
abgeschlossen sein. Bei Ziegel–
oder Natursteinwänden muss
im Fall aufsteigender Feuchte oder
hoher Salzbelastung eine vorherige
diesbezügliche Sanierung geprüft
werden.
Sperrende Schichten und Altanstriche,
welche die Wasserdampfdiffusion
hemmen oder die kapillare
Leitfähigkeit unterbrechen könnten,
müssen entfernt werden. Der Fußpunkt
der Innenschale muss z.B.
durch den Einbau einer bituminierten
Pappe gegen Feuchtigkeit ziehende
Untergründe geschützt werden.
Die Last der neuen Mauerwerksschale
muss abgefangen und bis
ins Fundament abgetragen werden.
Bei fehlender Bodenplatte kann ein
Streifenfundament angeordnet werden,
in den Obergeschossen wird
eine starke Bohle auf die Deckenbalken
verlegt – ein statischer Nachweis
der Lastabtragung ist unbedingt
erforderlich!
Nach der Befestigung eines Lastholzes
auf dem Boden und dessen
Hinterfüllung mit Leichtlehm kann
mit dem Aufmauern der Holzleichtlehmsteine
mit Lehmmörtel begonnen
werden. Dabei müssen die
Leichtlehmsteine nicht angenässt
werden. Die Stoß– und Lagerfugen
sollten nicht stärker als 1,0 bis 1,5 cm
ausgeführt werden.
Im Verlauf der Mauerarbeiten wird
die Schalenfuge abschnittsweise
mit Strohlehmmörtel oder Holzleichtlehmbruch
satt und hohlraumfrei
verfüllt und verdichtet. Die
Stärke der Hinterfüllung darf aus
Trocknungsgründen 8 cm nicht
überschreiten, sollte die Fachwerkhölzer
allerdings mindestens 1,5 cm
überdecken.
Die Sicherung der Wandschale erfolgt
mit verzinkten Drahtankern
oder der regelmäßigen Einlage von
Ausgleichshölzern (Lasthölzern).
Auch Fenster– und Türstürze werden
aus Kanthölzern ausgeführt, die am
Tragwerk befestigt werden und in
der Länge mindestens eine Steinbreite
links und rechts die Öffnungsbreite
überschreiten sollten.
Der zweilagige Lehminnenputz
kann ausgeführt werden, wenn das
Mauerwerk augenscheinlich trocken
ist. Hierbei ist das Einputzen eines
Armierungsgewebes aus Jute
empfehlenswert. Dabei sollte insbesondere
auf eine zusätzliche
schräge Gewebeschicht an den
Fensterecken und das Herumführen
in die Leibungsbereiche geachtet
werden. Lehmverputzte Wände werden
in der Regel nicht tapeziert, sondern
erhalten vorzugsweise einen
Kalk-Kasein-Anstrich.
Innendämmung mit Wärmedämmlehm
Werkseitig hergestellte Wärmedämmlehme
werden seit ca. 1988 als
zusätzliche Innendämmung für Fachwerkaußenwände
eingesetzt. Sie können
mit verschiedenen wärmedämmenden
Leichtzuschlägen, wie etwa
Blähglas oder Kork aufgewertet sein.
Der CELLCO®-Wärmedämmlehm
zum Beispiel ist mit Kork versetzt und
ein amtlich zugelassenes Markenerzeugnis
für die innere Wärmedämmung
von Fachwerkaußenwänden.
Das Material besteht aus einem Gemisch
der natürlichen Baustoffe
Kork, Lehm, Stroh und Kieselgur, welches
als plastisch knetbare Masse
gebrauchsfertig angeliefert wird.
Der Wärmedämmlehm ist kapillarleitend
und bildet mit der vorhandenen
Ausfachung sowie dem Holztragwerk
einen hohlraumfreien
Verbund. Derart ausgeführte Maßnahmen
greifen nicht in die Originalsubstanz
ein. Der Schichtenaufbau
wird in konventioneller
Handwerkstechnik hergestellt. Nach
entsprechender Aufarbeitung sind
die Abbruchmaterialien wieder verwendbar. 10 Als negativ ist die sehr
lange Austrocknungszeit des Wandaufbaus
zu bewerten.
Die wichtigsten Bauphysikalischen Kenngrößen von Cellco®-Wärmedämmlehm sind:
- Wärmeleitfähigkeit: 0,08 W/(mK)
- Dampfdiffusionswiderstandszahl µ: 5 … 20
- Nass-/Trockengewicht (Rohdichte): 600/300 kg/cbm
- Wasseraufnahme w: 3 … 8 kg/(m2h0,5)
- Baustoffklasse: B1
Die an der Fachwerkwand vorhandenen
Innenputzschichten aus reinem
Lehm– oder Kalkputz können
dort verbleiben. Anstriche, deren Zusammensetzung
nicht bekannt sind,
Tapeten oder Pappen, die als
Feuchtesperre wirken können, müssen
allerdings entfernt werden. Das
gilt ebenso für lose Materialien und
Staub.
Auf die vorhandene Wand werden
im Abstand von ca. 60 cm senkrechte,
trockene, nicht imprägnierte
Latten in der Stärke der gewählten
Dämmschicht angebracht. Die Lattung
kann alternativ in die Riegel
der Hölzer eingelassen werden, dabei
ist aber auf eine Mindestüberdeckung
von 20 mm zu achten. Abschnittsweise
werden jeweils 2 bis 3
horizontale Lagen sägeraue Sparschalung
von etwa 20 mm Dicke
unter Einfügen einer losen Dachlattenzwischenlage
auf die Grundlattung
geschraubt.
Nach dem Vornässen trockener
Wandbereiche wird der Wärmedämmlehm
eingeschüttet und mit
Hilfe eines Stampfholzes verdichtet,
wobei besonders auf die Eckbereiche
zu achten ist. Es dürfen keine
Hohlräume entstehen. Schwer zugängliche
Stellen und Fehlbereiche
können von Hand ausgeknetet werden.
Zum Abtrocknen der Masse nimmt
man die lose eingelegten Dachlatten
wieder heraus und verwendet
sie im weiteren Baufortschritt jeweils
als Abstandshalter.
Fertig vorgemischter und als knetbare
Masse gelieferter Wärmedämmlehm
hat eine sehr lange
Austrocknungszeit. Die Abtrocknung
wird zusätzlich durch die im Wandaufbau
verbleibenden Schalbretter
verzögert. Deshalb sollten die
Räume während der Trocknungsphase
möglichst mehrere Stunden
täglich gut durchlüftet werden!
Nach einer Trocknungszeit von ca. 5
Wochen können die Schilfrohrmatten
als Putzträger aufgebracht werden.
Doch erst wenn das Material eine
hellgraue Farbe annimmt und auf
Druck nicht mehr federnd nachgibt,
können die Innenputzarbeiten erfolgen.
Am Modellobjekt Lange
Gasse 7 war dieser Zustand nach 9
Wochen Austrocknungszeit erreicht.
Erst nach über einem Jahr war die
Wärmedämmschicht vollständig
durchgetrocknet. 11
Der Lehminnenputz wird zweilagig
mit einer Dicke von 20 mm aufgebracht.
Ein weiteres gutes Durchlüften
der Räume ist dringend erforderlich.
Als Beschichtung für den
Lehminnenputz eignet sich ein Kalk-
Kasein-Anstrich.
Wegen der sehr langen Trocknungszeiten
bietet sich für den Beginn
der Dämmarbeiten ein Termin
ab Ende April an. Vorteilhaft ist auch
der Einsatz zusätzlicher Trocknungsbzw.
Entfeuchtungsgeräte während
der Bauzeit.
Die im Rahmen des Ökologischen
Pilotprojektes in der Vorabberechnung
ermittelten Wärmedurchgangskoeffizienten
(U-Werte) für
den Gefachbereich werden sowohl
bei der nachträglichen Innendämmung
mit Holzleichtlehmsteinen als
auch bei der Verwendung von
CELLCO®-Wärmedämmlehm in der
realen Einbausituation deutlich unterboten.
Das ist unter anderem auf
die Speichereffekte von inneren
und äußeren Wärmegewinnen in
der Massivschale zurückzuführen.
Allerdings benötigen beide Systeme
aufgrund ihrer Schichtdicke von bis
zu 20 cm einen erhöhten Platzbedarf,
was sich im Umkehrschluss in
einer geringeren Nutzfläche widerspiegelt. 12
Da die Wände von historischen
Fachwerkbauten in der Regel nicht
planeben sondern schief sind und
meist durch die unterschiedlichen
Schichtdicken der Fachwerkhölzer
und der Ausfachung Rücksprünge
in der Wandfläche aufweisen, ergibt
sich im Gegensatz zu den
Dämmsystemen auf Lehmbasis bei
den Innendämmungen auf der Basis
von Plattensystemen die Notwendigkeit
der intensiven Wandvorbereitung.
Vor dem Aufbringen
der Dämmplatten ist es notwendig,
die Wandoberflächen der Fachwerkwände
lot– und fluchtrecht auszuführen.
Dazu müssen die Gefachfelder
mit Putz aufgefüllt, die
Fachwerkhölzer mit einem Vlies und
Schilfrohrmatten als Putzträger überspannt
und nochmals eine Lage
Ausgleichsputz aufgetragen werden.
Aufgrund des dadurch erhöhten
Feuchteeintrags in die Fachwerkkonstruktion,
sollten vor Beginn
der weiteren Dämm-Maßnahmen
die Putzflächen durchgetrocknet
sein.
Innendämmung mit Kalziumsilikat-Klimaplatten
Kalziumsilikatplatten bestehen aus
Sand und Kalk, welches während
des Herstellungsprozesses zu Kalziumsilikat
reagiert, einem Werkstoff
auf mineralischer Basis. Der Werkstoff
ist diffusionsoffen, kapillaraktiv,
wärmedämmend, umweltverträglich,
nicht brennbar und schimmelhemmend.
Alte und neue Wand sollen bei
fachgerechter Ausführung ein homogenes
Ganzes ergeben. Die Platten
sind stabil und selbsttragend. Sie
lassen sich mit Fuchsschwanz, Handkreissäge,
etc. leicht zuschneiden. 13 Die wichtigsten bauphysikalischen
Kenngrößen von Kalziumsilikatplatten
sind:
- Wärmeleitfähigkeit: 0,065 W/(mK)
- Dampfdiffusionswiderstandszahl µ: 4 … 8
- Trockenrohdichte: 200 - 290 kg/cbm
- Baustoffklasse: A1
- Wasseraufnahme w: 45 … 48 kg/(m2h0,5)
Loser Putz, Wandüberbauungen,
feuchtesperrende Schichten und
Altanstriche, welche die Wasserdampfdiffusion
hemmen oder die
kapillare Leitfähigkeit unterbrechen
könnten, sind vor Beginn der Dämmarbeiten
sorgfältig zu entfernen.
Zur Herstellung einer planebenen
Untergrundfläche ist ein Putzausgleich
sowohl in den Gefachen als
auch über die gesamte Wandfläche
hinweg notwendig.
Nach dem vollflächigen Aufspachteln
des systemkonformen Kontaktklebers
mit einem Zahnspachtel auf
die Wand und die Stoßkanten der
Platten werden diese fest an den
Untergrund und aneinander gedrückt.
Beim Aufkleben der Dämmplatten
sind Kreuzfugen zu vermeiden, austretender Kleber muss sofort entfernt
werden.
In jedem Fall vor dem Aufbringen
der Endbeschichtung, aber nach
mindestens 24 Stunden Standzeit
wird ein Tiefengrund durch Aufsprühen
aufgetragen. Die Beschichtung
mit Glättspachtel ergibt eine helle,
glatte Oberfläche, die tapeziert
oder gestrichen werden kann. Es ist
ein auf Kalkbasis aufgebauter, diffusionsoffener
Oberflächenfeinspachtel,
der im Bedarfsfall zur zusätzlichen
Oberflächenverhärtung
angewendet wird und der Herstellung
streiflichtfreier Oberflächen
dient.
Kalkinnenputze auf der Basis von
Weißkalkhydrat und Kalkstein als diffusionsoffene
Innenbeschichtungen
ergeben eine optisch leicht raue,
helle und hochfeste Oberfläche
und sind für die Anwendung in
Feuchträumen geeignet.
Innendämmung mit Holzweichfaserplatten
Dieses Dämmsystem wird unter dem
Aspekt vorgestellt, dass zwar insgesamt
noch zu wenige, wissenschaftlich
bestätigte Langzeiterfahrungen
bezüglich der Feuchtebeständigkeit
vorliegen, unsere Erfahrungen
aus nunmehr 5-jähriger
messtechnischer Begleitung im Rahmen
des Ökologischen Pilotprojektes
aber durchaus eine Praxistauglichkeit
für die dort eingesetzte
Original Unger-Diffutherm- Holzweichfaserplatte
erwarten lässt.
Im Vorfeld der Entscheidung über
den Einbau der Holzweichfaserplatte
als Innendämmsystem bei
dem Modellobjekt in Quedlinburg
leistete das Institut für Bauklimatik
der TU Dresden wertvolle Unterstützung
bei der feuchteschutztechnischen
Bewertung. Bei diesem
Wandaufbau war die Unsicherheit
über die Praxistauglichkeit sehr groß,
da sich bei der Berechnung nach
DIN 4108 die ausfallende Kondensatmenge
in einem kritischen Bereich
befand. Auf die Fragestellung,
ob auch unter instationären Bedingungen
problematische Feuchtebelastungen
zu erwarten sind, erhielten
wir entsprechend der Ergebnisse
aus der hygrothermischen
Simulation mit dem Programm DELPHIN
diesbezüglich eine entlastende
Stellungnahme. Die Gefahr
einer Schimmelpilzbildung bei realen
Außenklimabedingungen
konnte als sehr gering eingeschätzt
werden.
Vom Hersteller ist eine spezielle
Spachtelmasse, ein so genannter
„Multigrund“ entwickelt worden, welcher
als dampfregulierende Schicht
zwischen Holzweichfaserplatte und
Innenputz reagiert. Durch eine relativ
hohe Wasserdampfdiffusionswidestandszahl
µ von 80 wird allerdings
auch die kapillare Leitfähigkeit
stark herabgesetzt. Aus diesem
Grund wurde vorsichtshalber
eine raumhohe Wandheizung an
den mit Unger-Diffutherm-Holzweichfaserplatten
gedämmten Außenwänden
angeordnet.
Die Holzweichfaserplatte ist ein wärmetechnisch
optimiertes, putzfähiges
Dämmelement auf der Basis einer
speziellen Holzfaser. Die
Holzweichfaserplatten sollten ausschließlich
aus Sägewerkrestholz
von einheimischem Nadelholz in
Form von Schwarten, Spreißeln und
Hackschnitzeln ohne Zusatz fremder
Bindemittel hergestellt werden. Das
Dämmelement besteht in der Regel
aus drei Schichten unterschiedlicher
Dichte, die mit PVAC-Weißleim miteinander
verklebt sind. Die Platten
sind diffusionsoffen, kapillaraktiv,
schalldämmend und flexibel innen
und außen einsetzbar. 14
Allerdings weichen die Qualitäten
der auf dem Markt angebotenen
Produkte voneinander ab, so dass
sich nicht jede beliebige Platte zur
Innendämmung eignet.
Die wichtigsten bauphysikalischen
Kenngrößen der Unger-Diffutherm-
Holzweichfaserplatte sind:
- Wärmeleitfähigkeit: 0,045 W/(mK)
- Dampfdiffusionswiderstandszahl µ: 5
- Trockenrohdichte: 120 - 200 kg/ cbm
- Baustoffklasse: B1
Die Vorbereitung des Untergrundes
erfolgt analog der Erläuterungen für
die Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten.
Die Holzweichfaserplatten werden
vollflächig mit Lehm oder einem systemkonformen
Trockenmörtel eingeschlämmt,
wobei Lufteinschlüsse
zu vermeiden sind. Die Elemente
werden im Nut- und Federsystem
verlegt und zusätzlich mit Tellerdübeln,
ca. 5 bis 6 Stk/qm befestigt.
Dabei sollten Kreuzfugen vermieden
werden. Zur Ausbildung der Fensterleibung
verwendet man eine
selbstklebende Putzanschlussleiste
mit Dichtband, Gewebe und Abrisskante.
Auf die Dämmschicht wird
anschließend der Multigrund als
dampfdif fusionsstabilisierende
Schicht vollflächig und mit Gewebeeinbettung
aufgebracht.
Beim Einsatz von Wandheizsystemen
werden diese mit ca. 40 mm
langen Holzschrauben auf den mit
Multigrund behandelten Dämmplatten
befestigt. Abschließend erfolgen
der zweilagige Lehmverputz
sowie der Farbanstrich.
Innendämmung mit Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL-Platte)
Bei der Herstellung wird lange,
gleichmäßige und gesunde Fichtenholzwolle
mit einer Suspension
aus Magnesiumsulfat und Magnesit
oder Portlandzement und Kalziumchlorid
überzogen und zu Platten
gepresst. Sie besitzen ein hohes
Schallabsorptionsvermögen und
eine erhöhte Stabilität ab einer Dicke
von 35 mm. Zugleich sind sie
elastisch. Weiterhin verfügen die
Platten über eine hohe Zerreißbeständigkeit.
Sie sind alterungs-, temperatur-,
UV-beständig und bieten
aufgrund des Herstellungsverfahrens
einen soliden Schutz gegen
Pilze und tierische Schädlinge. Wegen
der natürlichen Ausgangsstoffe
gelten sie als ökologisch unbedenklich. 15
Obwohl die Dämmwirkung bei vergleichbarer
Schichtdicke von meist
6 cm nicht so hoch ist wie bei Mineralwolle,
Kalziumsilikat- oder Holzweichfaserplatten,
werden für die
Innendämmung HWL-Platten, bekannt
unter dem Namen „Heraklith“
verwendet. Das beruht vermutlich
auf dem guten Wärmespeichervermögen,
der Beständigkeit gegenüber
Ungeziefer und der sehr guten
Eignung als Putzträger.
Nachteilig ist – wie bei der Holzweichfaserplatte
– der geringe Diffusionswiderstand,
bei der HWL-Platte
allerdings verbunden mit einer (aufgrund
der offenen Struktur) weitaus
niedrigeren kapillaren Leitfähigkeit.
Die wichtigsten bauphysikalischen Kenngrößen der HWL-Platte sind:
- Wärmeleitfähigkeit: 0,075 bis 1,15 W/(mK)
- Dampfdiffusionswiderstandszahl µ: 2 … 6
- Trockenrohdichte: 260-480 kg/cbm
- Baustoffklasse: B1
Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass
die Platte an sich nicht winddicht
ist. Das bedeutet, nicht nur Diffusionsströme
gelangen relativ mühelos
an die kühle Innenseite der Außenwand,
sondern vornehmlich feuchtwarme
Raumluft, welche durch Konvektion
in die Dämmebene gelangt,
kann sich dort ungehindert ausbreiten.
Die HWL-Platte eignet sich deshalb
ohne besondere Vorarbeiten nicht
zum Begradigen von unebenen Bestandswänden.
Um die Konvektionsgefahr
in Hohlräumen zu verhindern,
muss eine gründliche Vorbereitung
des Untergrundes erfolgen.
Die Wandinnenseiten sind durch kapillar
leitfähige Mörtel zu begradigen,
d.h. planeben herzustellen. Vorteilhaft
ist es, wenn die HWL-Platten
entweder in einem mindestens 1 cm
dicken Mörtelbett verlegt und zusätzlich
mechanisch an der Außenwand
befestigt oder auf ein Holzständerwerk,
welches hohlraumfrei
z.B. mit Leichtlehm verfüllt wurde, geschraubt
werden. Dabei müssen die
Platten vollflächig an den Untergrund
angekoppelt werden. In den
zweilagigen Kalk- oder Lehminnenputz
ist eine Gewebelage als Armierung
einzubringen, die um alle
Ecken herumgeführt wird.
1 WTA-Merkblatt 8-1 und 8-5, Referat 8, Fachwerk, Fraunhofer IRB Verlag 2003-2008
2 Glaser H.: Vereinfachte Berechnung der Dampfdiffusion durch geschichtete Wände bei Ausscheidung von Wasser und Eis. Kältetechnik 10 (1958), H. 11, 358-364 (Teil 1), H. 12, 386-390 (Teil 2).
3 Die kapillare Ausbreitung des Kondensats führt zu einer hygrischen Entspannung der Konstruktion.
4 u.a. von den Wissenschaftlern des Institutes für Bauklimatik der TU Dresden und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen
5 entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Holzkirchen
6 entwickelt vom Institut für Bauklimatik der TU Dresden
7 Eine solche Simulation wurde von Herrn Dipl.-Ing. Frank
Eßmann (staatl. anerkannter Sachverständiger für
Wärme- und Schallschutz und seit 1994 im WTA-Referat
Fachwerk aktiv tätig) auf der vom Niedersächsischen
Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit
der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte
e.V. organisierten Fachveranstaltung „Innendämmung
im Fachwerkbau und in historischer Bausubstanz …“
am 10.06.2009 eindrucksvoll demonstriert.
8 Verband der Bausachverständigen Norddeutschlands e.V., VBN-Info Sonderheft: „Topthema Schimmelpilz“, Verlag: VBN Seminare GmbH, Bremerhaven, April 2001)
9 Zwiener, G.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; Daten, Sachzusammenhänge, Regelwerke, 1. Auflage, C.F. Müller Verlag GmbH Heidelberg 1994, S. 190 ff. und Informationsblätter EIWA, Claytec
10 Zusammenfassung aus der Broschüre „Wärmeschutz aus natürlichen Baustoffen für Fachwerkbauten“ der Fa. HAACKE CELLCO GmbH, Celle
11 Belegt durch die Feuchtemessungen im Wandinneren am Modellobjekt Lange Gasse 7 in Quedlinburg.
12 Zusammenfassung aus dem Abschlussbericht zum „Ökologischen Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung“ Lange Gasse 7 in Quedlinburg, DFWZ QLB, B. Stöckicht, W. Eckermann, Az.DBU 21529, S. 98-105
13 Zusammenfassung aus der Architektenmappe der Fa. Calsitherm Silikatbaustoffe GmbH, Bad Lippspringe
14 Zusammenfassung aus „Informationen und Verarbeitungsdetails der Fa. Unger-Diffutherm GmbH, Chemnitz
15 Zwiener, G.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; Daten, Sachzusammenhänge, Regelwerke, 1. Auflage, C.F. Müller Verlag GmbH Heidelberg 1994, S. 154; Produktinformationsblätterder Fa. Heraklith GmbH
|
|
Grafik 1 Entwicklung des U-Wertes bezogen auf die Dämmstoffdicke von Holzleichtlehmstein-Hintermauerung (blau), Cellco-Wärmedämmlehm (rot), Kalziumsilikatplatten (weiß), Holzweichfaserplatten (gelb) (aus: Ergebnisse zum DBU-Projekt: „Ökologisches Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung – Lange Gasse 7 in Quedlinburg)
Abb. 1 Pilz- und Fäulebefall der Fachwerkhölzer, begünstigt durch ein kunststoffhaltiges Farbsystem alsAußenanstrich und eine Innendämmung in leichter Ständerbauweise (Foto: U. Ellenberg)
Abb. 2 Die dunklen Flecken auf der Dämmwolle belegen eine längere Durchfeuchtung des Materials (Foto: U. Ellenberg)
Grafik 2 Während die Tauwasserberechnung nach DIN 4108 (blau) kritische Werte von 0,9 und 1,2 kg/m2 für die Kalziumsilikat- und Holzweichfaserdämmplatten ausweist, sind nach der COND-Bewertung (gelb) beide Plattensysteme zulässig.(aus: Ökol. Pilotpr.) Das Programm COND, welches die Speicherung und kapillare Ausbreitung des Kondensats3 aufgrund von Erfahrungswerten berücksichtigt weist im Ergebnis meist geringere Kondensatmengen im Vergleich zum Glaserschema aus.
Abb. 3 Reste einer typischen Innendämmung in leichter Ständerbauweise (Holzständer, Glasfasermatten, Baufolie, Gipskartonbeplankung) (DFWZ QLB)
Grafik 3 Prozentuale Verteilung der Schäden im Gebäudeinneren (DFWZ QLB)
Abb. 5 Bad mit zwei kleinen Kippfenstern, nachträglicher Innendämmung aus Styropor-Verbundplatte auf Holzlattung mit Luftzwischenraum und folienbespannter Fliesentapete (DFWZ QLB)
Abb. 7 Wandaufbau in der Untersicht des Fenstersturzes: 1Styropor-Verbundplatte aus 1,25 cm Gipsfaser und 1,5 cm Styropor auf 2Holzleisten, Luftzwischenraum, 3Hochlochziegel, 4innen folienbespannte Fliesentapete (DFWZ QLB)
Abb. 9 Schimmelpilzbefall der Gipskartonlage nach Abnahme der Fliesentapete in und um die Bereiche der Fensterleibungen (DFWZ QLB)
Abb. 11 Ausgeprägtes Pilzmyzel auf der Rückseite der Gipskartonlage (DFWZ QLB)
Abb. 12 dunkle Flecken an der Papiertapete signalisieren auch hier einen Schimmelpilzbefall (DFWZ QLB)
Abb. 13 Schwarzer Schimmelpilz am innenseitigen Lehmverputz der Gefache (DFWZ QLB)
Abb. 14 Schimmelpilzbefall an den Staken der historischen Lehmausfachung (DFWZ QLB)
Abb. 16 Aufbau einer inneren Dämmschale aus Holzleichtlehmsteinen am Modell (DFWZ QLB)
Abb. 17 Das Lastholz zur Aufnahme der Lehmschale ist auf dem Fußboden befestigt und der Hohlraum zur Fachwerkwand mit Strohlehmmörtel hinterfüllt. (DFWZ QLB)
Abb. 18 Die erste Lehmsteinschicht ist aufgemauert, aber noch nicht hinterfüllt. (DFWZ QLB)
Abb. 19 Zur Sicherung der Lehmschale werden die Steine in regelmäßigen Abständen mit verzinkten Drahtankern am Fachwerk befestigt. (DFWZ QLB)
Abb. 21 Innenschschale aus Holzleichtlehmsteinen mit vliesbespanntem Kantholz als Sturzriegel. Nach dem Abtrocknen des Innenputzes wird ein Kalk-Kasein-Anstrich aufgetragen. (DFWZ QLB)
Abb. 25 Nach dem Einfüllen der gebrauchsfertigen Lehmmischung muss diese mit dem Stampfholz verdichtet werden. (DFWZ QLB)
Abb. 23 Aufbau einer inneren Dämmschale mit Wärmedämmlehm am Modell (DFWZ QLB)
Abb. 26 Der hinter der Sparschalung vollständig verfüllte und verdichtete Wärmedämmlehm muss über mehrere Wochen abtrocknen. (DFWZ QLB)
Abb. 27 Bei unzureichender Lüftung und verzögerter Abtrocknung werden aufgrund der feuchten Lehmschüttung die an den Strohanteilen haftenden Pilzsporen mit Nahrung versorgt, so dass es zum Wachstum von (lt. Herstellerangaben ungiftigen) Schirmpilzen kommen kann. (DFWZ QLB)
Grafik 4 Darstellung der vorab berechneten U-Werte mit den tatsächlich ermittelten U-Effektivwerten für die Holzleichtlehmstein-Hintermauerung und den Wärmedämmlehm im Vergleich zu einer ungedämmten Fachwerkwand. Die Kosten (Nettowerte) beziehen sich auf einen Quadratmeter Wandaufbau der Dämmschalen. (aus den Ergebnissen des Ökol. Pilotpr., B. Stöckicht, W. Eckermann)
Abb. 30 Aufbau einer inneren Dämmschale mit Kalziumsilikatplatten am Modell (DFWZ QLB)
Abb. 35 Aufbau einer inneren Dämmschale mit Holzweichfaserplatten und Wandheizung am Modell (DFWZ QLB)
Abb. 36 Die selbstklebende Putzanschlussleiste mit Dichtband, Gewebe und Abrisskante dient der Ausbildung der Fensterleibung. (DFWZ QLB)
Abb. 38 Beim Modellobjekt in Quedlinburg wurde unter dem Lehmverputz eine raumhohe Wandheizung verlegt. (DFWZ QLB)
Abb. 40 Aufbau einer inneren Dämmschale mit Holzwolleleichtbauplatten am Modell (DFWZ QLB)
|