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  "Leitfaden zur Fachwerksanierung für Bauherren und am Fachwerk Interessierte"    
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13. Fensterrestaurierung

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Kleine Geschichtskunde 

Die Anfänge des Fensters reichen bis in die Anfänge des Bauens von menschlichen Behausungen zurück. Diese frühen Formen waren meist nur einfache Schlitze oder Löcher, die mit unserer heutigen Vorstellung vom Fenster nicht viel gemein haben, außer dem Grund ihrer Erstellung: zur Belichtung und Belüftung der Behausungen. Die Römer verwendeten erstmals Fenster mit blinden Glasscheiben in kleinen Abmessungen. 1
Die Fenster blieben in ihrer Gestalt lange Zeit sehr einfach. Erst im Zeitalter der Renaissance ab 1420 waren die handwerklichen Fertigkeiten soweit fortgeschritten, dass - als für diese Zeit typische Fenster - meist symmetrische Kreuzstockfenster mit Butzenscheiben in Bleiruten und zwei kleinen Lüftungsflügeln hergestellt werden konnten.
Die barocken Fenster um 1600 brachten mit ihrer Größe und Gestaltung den damaligen prächtigen Zeitgeist zum Ausdruck. Geschwungene Formen und ein sich mitöffnender Mittelpfosten (Stulp) waren kennzeichnend. Dies ermöglichte die Weiterentwicklung der Beschläge, die Basküle- und die Espagnoletteverriegelung. Sehr deutlich und am auffälligsten trat jedoch die wachsende Größe der Scheiben hervor. Infolge der verbesserten Glasbläserkunst waren größere Scheiben in durchsichtigem Glas in Verbindung mit Holzsprossen und der Entwicklung des Leinölkittes möglich. 2
Die Fenster des 19. Jahrhunderts werden durch eine zunehmende Sachlichkeit und Funktionalität geprägt. Eine Ausnahme in der Gestaltung bildet jedoch das Jugendstilfenster. Aufgrund der Entwicklung von Verfahren zur industriellen Glasherstellung erhöhten sich die möglichen Glasformate. Die Bleiverglasung kam lediglich noch als Schmuckelement zum Einsatz. Auch die Beschläge erfuhren eine exaktere Fertigung, die Auswahl vervielfachte sich und ab dem 2. Drittel des 19. Jahrhunderts bestand die Möglichkeit, Beschläge als Katalogware zu bestellen. 3

Funktionen eines Fensters
Die an ein Fenster gestellten Anforderungen sind vielseitig und anspruchsvoll. So spielen Lichteinlass und Lüftungsfunktion die wichtigste Rolle. Weitere Funktionen sind der Schutz vor Witterungseinflüssen wie Wind, Regen, kalten und warmen Temperaturen, der Diebstahl- bzw. Einbruchschutz, der Schallschutz sowie der Sonnenschutz durch Beschichtungen und innen liegende Jalousien. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Gliederung der Fassade als gestaltendes und gestaltetes Element.
Die Anforderungen an ein Fenster liegen im Widerstreit miteinander. Lichteinlass und Sonnenschutz können gar nicht gegensätzlicher sein. Wo liegt der goldene Mittelweg oder gibt es nur eine Kompromisslösung?

Fensterarten allgemein und im Altbau 

Einfachfenster
Ein Einfachfenster ist ein Fenster zum Einbau von Einscheibenglas oder Mehrscheiben-Isolierverglasung. Beispielsweise ist das heute weit verbreitete IV 68 ein Einfachfenster mit Mehrscheiben-Isolierglas 4, welches jedoch durch seine Dichtheit, seine großen Rahmenquerschnitte und seine Konstruktionsweise im denkmalgeschützten Fachwerkbau nur begrenzt einsetzbar ist.
Die konstruktionsbedingten kleinen Fensteröffnungen und die großen Rahmenquerschnitte moderner Isolierverglasungen führen zu einer Verkleinerung der tatsächlichen Fensterfläche und somit zu einem verminderten Lichteintrag. Zusätzlich ergibt sich aufgrund der unpassenden Gliederung eine Störung des optischen Gesamteindrucks der Fassade. Dies sollte durch die Restaurierung der historisch vorhandenen Fenster mit ihren kleineren Rahmenquerschnitten und ihrer Sprossenteilung vermieden werden. Historische Fenster sind in Bestandsgebäuden häufig aufzufinden, wenn regelmäßige Instandhaltungs- und Wartungsmaßnahmen erfolgten.

Mit dem Einbau moderner Fenster in historisches Baugefüge können sich konstruktive und gesundheitliche Probleme ergeben, die der hohen Fugendichtheit und einem nicht entsprechend angepassten Lüftungsverhalten der Nutzer geschuldet sind. Historische Fenster weisen auf Grund ihrer geringen Fugendichtung eine natürliche Fugenlüftung, die zum Ausgleich des Raumklimas beiträgt, auf. Um der Gefahr der Schimmelbildung an kalten Wandflächen vorzubeugen, ist grundsätzlich darauf zu achten, dass der UWert der Wandkonstruktion niedriger (also besser) ist als der des Fensters. Im umgekehrten Fall würde warm-feuchte Raumluft zuerst an den kalten Wandflächen kondensieren und somit zu einer ungewollten Auffeuchtung der Wand führen. Obwohl sie als zu restaurierende Bauteile nur eine untergeordnete Rolle spielen, gibt es natürlich auch Fenster aus Kunststoff, Aluminium, Stahl, Holz-Aluminium mit Isolierverglasung und modernen Beschlägen.

Kastenfenster
Ein Kastenfenster ist ein Fenster mit Innen- und Außenflügeln, welche jeweils eine eigene Drehachse haben 5. Dabei haben die beiden Fensterebenen einen Abstand von mindestens der Länge der Fensterolive und sind durch einen Rahmen aus Brettern – dem so genannten Kasten – verbunden. Diese Art des historischen Fensters erfüllt die heutigen Anforderungen an Wärmeund Schallschutz sehr gut. Das wird durch die stehende Luftschicht im Raum zwischen den Fenstern erreicht, welche als schlecht wärmeleitende Schicht funktioniert. Schallwellen werden beim Übergang von Luft zu Glas mehrfach gebrochen. Im Rahmen einer Verbesserung des Gesamtwärmeschutzes ist es sinnvoll, die vorhandenen Einfachfenster auf der Innenseite durch das Vorsetzen von Einscheibenisolierglasfenstern zu Kastenfenstern umzubauen.

Verbundfenster
Eine Übergangsform zur modernen Isolierverglasung bildet das seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts eingebaute Verbundfenster. Dabei liegen zwei miteinander verbundene Fensterflügel mit Glasebenen in einer gemeinsamen Drehachse 6 und in einem gemeinsamen Rahmen. Der Luftzwischenraum ist wesentlich geringer als bei einem Kastenfenster. Das Verbundfenster erfüllt zwar nicht die heutigen Forderungen für Wärme- und Schallschutz, bietet aber doch, vor allem durch den Luftzwischenraum, akzeptable technische Werte beim Wärme- und Schallschutz sowie eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. So ist ein Austausch dieser Fenster aus wärmetechnischer Sicht nicht immer gerechtfertigt.

Typische altersbedingte Schäden an historischen Fenstern 

An einem Fenster, unabhängig des Materials, treten mit der Zeit Schäden durch Witterungseinflüsse und Nutzung auf. Besonders betroffen sind die waagrechten Rahmenteile auf der der Sonne und dem Wetter zugewandten Seite. Insbesondere der UV- Anteil des Lichtes und die Wärmestrahlung der Sonne führen bei modernen, chemisch veredelten Farbsystemen zu einer zunehmenden Polymerisation und in der Folge zur Versprödung der Beschichtung. Infolge der Rissbildung kann Niederschlagswasser und Luftfeuchtigkeit eindringen und das Holz zum Quellen bringen. Aufgrund des Dampfdrucks, welcher bei der Erwärmung des Holzes durch Sonneneinstrahlung entsteht, wird die Farbe weiter abgehoben, es kommt zur Blasenbildung und zu Abplatzungen. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung wird die obere Schicht der Holzinhaltsstoffe zersetzt und das Holz vergraut. Prinzipiell ist das vergraute Holz ein natürlicher Holzschutz. Jedoch ist das bei Bauteilen, deren Maßhaltigkeit wichtig ist, nicht erwünscht, da mit dem Zersetzen auch eine Konturänderung einhergeht. Abgerundete Kanten der Fälze, aufgeraute Oberflächen und Risse ermöglichen ein verstärktes Eindringen von Wasser und Wind, wodurch sich bei wachstumsförderlichen Temperaturen und lang anhaltender Holzfeuchte holzzersetzende Fäulnisbakterien und Pilze entwickeln können. „Der Wachstumsbereich der holzbewohnenden Pilze liegt zwischen 3°C und 40°C, wobei Schwankungen nach oben und unten möglich sind.“ 7 Oft sind davon auch die Eckverbindungen betroffen. Die Folge ist eine akute Schwächung der Statik des Fensters.
Weitere Schäden treten in den Bereichen der Verriegelungen und der Bänder auf, wie zum Beispiel die Abnutzung des Holzes unter den Vorreibern aufgrund fehlender Streichdrähte. „Um zu verhindern, dass beim Verriegeln eines Fensters mit einem Vorreiber Holz abgerieben wird, ist dort, wo der Vorreiber vor den Fensterflügel (…) streicht, ein kurzes Stück Draht längs in das Holz geschlagen. Der Vorreiber reibt somit beim Verriegeln nicht auf dem Holz, sondern streicht auf dem Draht. Eine kleine Schlaufe am Ende des Drahtes verhindert zudem, dass der Vorreiber überdreht.“ 8

Schäden durch fehlerhafte Instandsetzungsmaßnamen
Neben diesen normalen Verschleißerscheinungen entstehen zudem Schäden durch fehlerhafte Instandsetzungsmaßnahmen oder Restaurierungen. Viele dieser Instandsetzungsmaßnahmen bedürfen einer gesamtheitlichen Beachtung der einwirkenden Faktoren und einer genaueren Prüfung der Verträglichkeit der Bauteile untereinander (funktional und optisch). Ein weiterer Aspekt sind provisorisch reparierte Schadstellen, welche das Bauteil vorläufig sichern, auf lange Sicht aber zu weiteren Schäden führen können.
Ein Beispiel hierfür ist das Aufbringen von Farbsystemen, die sich nicht mit dem Untergrund vertragen und infolge dessen wieder abblättern.
Weitere Schadensursachen sind in der Schichtdicke der Anstriche bzw. einer zu hohen Anzahl von Schichten begründet, da einerseits die Diffusionsfähigkeit stark beeinträchtigt wird und andererseits ein Klemmen der Fenster herbeigeführt werden kann. Diesen mechanischen Belastungen sind die Holzverbindungen oft nicht gewachsen, so dass sie aufbrechen.

Ferner führt eigentragene Feuchtigkeit aufgrund konstruktiver Mängel meist im unteren Querstück und in den Eckverbindungen von Flügel und Rahmen zur Fäulnisbildung und zum Pilzwachstum.
Wenn die eigentliche Ursache von Rissen im Holz nicht behoben wird, sondern durch das Anbringen von Schrauben oder Metallen gelockerte Verbindungen nur provisorisch stabilisiert werden, entstehen durch eine erneute Lösung der Verbindung und durch eventuell zusätzlich ausgerissene Schrauben noch weitaus größere Schäden. Zudem sind Metallteile an Fenstern die kältesten Stellen am Holz, an denen sich Tauwasser bildet. Der daraus resultierende Feuchteeintrag in das Holz führt wiederum zur Zerstörung der Holzsubstanz in einem Bereich, der eigentlich gefestigt werden sollte.

Bei Holzschäden an der Bauteiloberfläche werden vielfach Verkittungen von zum Teil beträchtlicher Größe vorgenommen. Diese Kittstellen verschließen eine Fehlstelle nur für kurze Zeit. Der ausgehärtete Kitt kann die Schwund- und Quellbewegungen des Holzes nicht aufnehmen. Die Verbindung zwischen Kitt und Holz reißt auf, der Kitt lockert sich, fällt heraus und in die Fehlstelle kann Wasser eindringen. Darüber hinaus können Spannungen, die am Rahmenholz oder an den Verbindungen auftreten, von Kitt- oder Spachtelmassen nicht kompensiert werden.

Eine aus denkmalpflegerischer Sicht ungeeignete Reparatur ist das Entfernen einer Nutwange, mit dem Ziel, eine eingenutete, zerbrochene Scheibe zu wechseln und die neue Scheibe anschließend in einen Kittfalz zu verlegen. Ein unprofessioneller Rückschnitt führt oftmals zum Verlust der ganzen Sprosse.

Einen optischen Mangel stellt der Ersatz (zerbrochener) historischer Scheiben durch moderne Scheiben dar. Die planparallelen Scheiben heben sich in der Regel deutlich von den historischen Gläsern mit ihren bewegten Oberflächen ab. Der Gesamteindruck der Fassade denkmalgeschützter Häuser wird deutlich gestört.

Warum sollte man Restaurieren? 

„Hau den alten Plunder doch weg und bau das ganze einfach neu.“ Jede Generation von Handwerkern und Bauherren hinterlässt Veränderungen bei der Reparatur von Fenstern. Folgen können sowohl die Vernichtung der historischen Bauteile, eine unästhetische Gesamtansicht des Gebäudes als auch der Verlust des Wissens um das ursprüngliche Erscheinungsbild und die Konstruktion sein.
Anhand von Granatsplittern, welche unter Umständen noch im Holz stecken, können etliche Fenster beispielsweise noch heute Zeugnis der letzten Kriege abgeben. Von Interesse sind gleichwohl Zeugnisse berühmter Persönlichkeiten, welche infolge ihrer Anwesenheit die historischen Gebäude oder Bauteile besonders geprägt haben. Auch diese Aspekte können ausschlaggebend sein für eine Restaurierung des Bauwerks oder einzelner Bauteile. Darüber hinaus sind die historischen Fenster ein Beleg der Handwerkskunst unserer Vorfahren, die im heutigen Industriezeitalter besonders wertvoll und erhaltenswert ist.

Vorgehensweise bei der Restaurierung
Bei der Restaurierung alter Fenster können nicht alle Funktionen, die heute an einem modernen Fenster theoretisch möglich sind, nachgerüstet werden. Jedoch sind durch ein Kastenfenster mit außen angebrachten Fensterläden sehr gute technische Werte zu erreichen.
Nach einer Kartierung in Grundrissoder Ansichtsplänen werden die Fenster entweder vollständig ausgebaut oder nur die Flügel in der Werkstatt restauriert.
Den Restaurierungsarbeiten sollte immer eine Bestandsaufnahme mit Bildern oder Handskizzen sowie Maßen zugrunde liegen. Dies ist der Garant für eine originalgetreue Restaurierung und ermöglicht eine Aussage zum Umfang des Restaurierungsaufwandes. Begleitend zu den Arbeiten sollte eine Dokumentation erfolgen, deren Umfang von den Forderungen der Denkmalbehörden oder den eigenen Ansprüchen abhängt.
Ein umfassendes Schadensbild ist erst nach dem Entfernen der alten Farbschichten zu erkennen, einschließlich der Angaben zu fehlenden oder unpassenden Beschlägen.
Es gibt mehrere Gründe, die für oder gegen das Ausbauen der Rahmen sprechen.
Argumente für den Ausbau von Flügel und Rahmen sind:

  • Flügel und Rahmen können unter Idealbedingungen gleichzeitig bearbeitet, fertig gestellt und als funktionierende Einheit wieder eingebaut werden.
  • Das Fenster wird durch Bauarbeiten, die möglicherweise im Umfeld stattfinden, nicht in Mitleidenschaft gezogen.
  • Ein möglicher Umbau zum Kastenfenster gestaltet sich wesentlich einfacher.
  • Eine Optimierung der Dichtungsebene zwischen Wand und Rahmen ist beim Wiedereinbau möglich.

Argumente gegen den Ausbau des Rahmens sind:
  • Der Rahmen bleibt in seiner ursprünglichen Einbausituation erhalten.
  • Nachfolgearbeiten, wie das Einputzen und der Anstrich, fallen nicht an.
  • Schäden, die durch den Ausbau entstehen, können vermieden werden.

Wenn Rahmen und Flügel ausgebaut werden, ist es wichtig, dass beide mit einer eindeutigen und für die Zeit der Bearbeitung dauerhaften Nummerierung versehen werden. Dies können kleine Schildchen sein, die im Idealfall an Beschlägen, welche am Fenster verbleiben, mit einem Draht angebunden oder im Falz mit kleinen Schrauben angeschraubt werden. Schlagzahlen sind eine dauerhafte aber endgültige Markierung. Eine einmal eingeschlagene Markierung ist nur durch einen Materialabtrag zu entfernen. Sie sollten deshalb an unsichtbaren Stellen eingeschlagen werden, wie z.B. am Falz. Auch die Verglasungen sollten beschriftet werden, gut geeignet hierfür ist Klebeband, auf welchem Nummer und Position der Scheibe notiert wird.
Sofern es notwendig ist, kann nach dem Markieren mit der Demontage der abnehmbaren Beschläge, z.B. den Oliven (Fenstergriffe) und den aufgenagelten oder geschraubten Bändern begonnen werden. Das Abnehmen der Beschläge mit fest gerosteten Verbindungsmitteln führt allerdings nicht selten zu Schäden an den Beschlägen. In diesen Fällen ist es sinnvoll, ältere Beschläge im angebauten Zustand wieder aufzuarbeiten. Abgebaute Beschläge erhalten wiederum eine genaue Bezeichnung, um sie später an den alten Positionen anbringen zu können. Die Beschläge lassen sich gut in einer Laugenlösung (Natriumhydroxyd) reinigen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass möglichst keine unterschiedlichen Metalle gemeinsam in der Lösung liegen, um elektrolytische Reaktionen zu vermeiden. Beschläge mit Bestandteilen aus Holz oder Horn sind für dieses Reinigungsverfahren nicht geeignet. Diese müssen mit großer Sorgfalt mechanisch gereinigt werden. Hilfsmittel, wie Drahtbürsten sind nur bedingt geeignet, da sie die Oberfläche sehr zerkratzen.
Vor der Entfernung der Farbschichten erfolgt die Anlegung einer Farbtreppe, um die Anzahl und die Art der Farbschichten sowie deren Qualität zu ermitteln..
Das Abnehmen der Holzbeschichtung kann je nach Zustand, Farbstärke und Art des Farbsystems mit verschiedenen Methoden erfolgen. Eine allgemeingültige Methode gibt es nicht. In der Regel kann man mit dem Heißluftföhn, der Kittlampe oder dem Speedheater 9 und einem Spachtel gute Ergebnisse erzielen. Einige chemisch veredelte Dispersionsfarben sind entsprechend der technischen Merkblätter mit Chemikalien zu lösen und müssen deshalb mit Abbeizern herunter genommen werden. Das rein mechanische Abziehen oder Abschleifen mit Ziehklinge, Schabern oder Schleifwerkzeugen führt leicht zu Kratzern und Scharten auf der Holzoberfläche. Gegen das alleinige Abschleifen spricht das sehr schnelle Zusetzen der verwendeten Schleifmittel mit Farbstaub, aber auch die Gefahr abgerundeter Profile und Kanten, so dass die Rahmenteile ihre scharfkantige Kontur verlieren können. Nachdem die Farbe abgenommen ist, wird die Holzoberfläche von Hand mit einem Schleifmittel der Korngröße 120 geglättet, wobei eine Verfälschung der Profile durch Rundschleifen der Kanten vermieden werden sollte.

Die Mehrzahl der historischen Reparaturverbindungen stellt auch für heutige Ausbesserungen eine geeignete Lösung dar. 10 Man sollte jedoch beachten, dass nach DIN EN 68121 „…Klebstofffugen (…) der Witterung nicht direkt ausgesetzt sein [dürfen].“ 11 Daher empfiehlt es sich, einen durch Fäulnis geschädigten Wetterschenkel auszutauschen, es sei denn, die Wertigkeit der Altsubstanz ist höher einzustufen als die Einhaltung der DIN. Sofern in diesem Bereich eine Einsetzung 12 vorzunehmen ist, muss darauf geachtet werden, dass man den Fugenverlauf so wählt, dass das Wasser nicht auf der Fuge steht, sondern ablaufen kann. Einsetzungen und Ergänzungen sollten immer in der gleichen Holzart und Maserung erfolgen, wie es das Objekt vorgibt. In der Vergangenheit sind aus Mangel an geeigneten Hölzern mitunter Ergänzungen aus minderwertigerem Material erfolgt. Diese sollten ausgetauscht werden, um eine gleiche Materialbeschaffenheit zu gewährleisten.
Die unteren Rahmeneckverbindungen von Flügel und Rahmen weisen häufig große Schäden durch eindringendes Wasser auf. Die Zapfen sind verfault oder gebrochen. Zeigen die Holzbereiche um den geschädigten Zapfen genügend Festigkeit, ist es möglich einen falschen Zapfen 13 wasserfest einzuleimen. Nach DIN EN 68121 sind Verbindungen an Fenstern mit Leim der Beanspruchungsgruppe D4 zu verkleben. Ist jedoch der geschädigte Bereich größer, muss dieser bis zum gesunden Holz zurück geschnitten und ein neues Stück mittels einer Überblattung angesetzt werden. Kleine Schadstellen werden durch rautenförmige oder schiffchenförmige Einsetzungen ausgebessert. Ungünstig für Einsetzungen sind die so genannten Querholzplättchen oder Astlochflicken, da sie in absehbarer Zeit ab einer Größe von etwa 15–20 mm deutlich hervorheben. Für das Aussetzen kleiner Löcher von 6–10 mm sind sie geeignet.

Nach der holztechnischen Aufarbeitung kann mit der Montage der Beschläge begonnen werden. Fehlende oder stark zerstörte Beschläge stellen den Restaurator vor die schwierige Aufgabe, geeigneten Ersatz zu beschaffen. Möglichkeiten bestehen in der Reparatur durch einen fachkundigen Schlosser, im Ersatz aus einem Fundus von Altbeschlägen oder in der Fertigung neuer Beschläge nach historischem Vorbild, was recht kostenintensiv ist. Vor dem Anbringen der Beschläge müssen Rostschutzmaßnahmen erfolgen. Dies kann zum Beispiel durch das Verzinnen, das Bräunieren (Eintauchen der heißen Beschläge in Öl) oder durch einen Anstrich mit Rostschutzfarbe erfolgen. Das Befestigen der Beschläge erfolgt mit den historisch vorgegebenen Befestigungsmitteln, den handgeschmiedeten Nägeln. Der Einsatz von Spanplattenschrauben mit Kreuz- oder Torxantrieb ist nicht geeignet. Abschließend findet die Funktionsprüfung aller Fensterteile statt.

Da das Restaurieren historischer Fenster zu den Instandhaltungsmaßnahmen zählt, ist keine Baugenehmigung erforderlich.

Verbesserung von Wärme- und Schallschutz 

Um den Anforderungen an einen verbesserten Wärme- und Schallschutz gerecht zu werden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Maßnahme mit dem geringsten Eingriff in die historische Substanz beruht auf dem Anbringen einer speziellen rahmenlosen Scheibe auf der Innenseite des Flügels. Voraussetzung ist ein breiter Flügelrahmen unter Berücksichtigung der alten Beschläge. Auf diese Weise wird eine Art Verbundfenster geschaffen mit einem allerdings nur leicht verbesserten Dämmwert. Vorteilhaftere Werte erhält man durch den Einbau von dünnen Isolierglasscheiben. Jedoch gehen hierbei die historischen Originalgläser verloren. Weiterhin müssen die Flügelrahmen entsprechend große Querschnitte aufweisen. Es kann zu Kondensationsverschiebungen kommen, wenn aufgrund eines sehr niedrigen U-Wertes der Iso-Scheiben der Taupunkt von der Scheibe in den Rahmen oder die Wandanschlussbereiche verschoben wird. Den besten Nutzen unter Erhaltung des Originals erreicht man durch das Vorsetzen einer zweiten Fensterebene im Innenbereich – den Umbau des historischen Fensters zu einem Kastenfenster. Ob der Umbau zu einem traditionellen Kastenfenster mit oder ohne Sprossenteilung auf der Innenseite oder das Vorsetzen eines Isolierglasfensters möglich ist, sollte anhand der U-Werte der umgebenden Bauteile in Abstimmung mit einem Fachplaner und mit den Denkmalbehörden entschieden werden.

Bei der Verglasung von Fenstern, bei denen die Scheiben in einer Glasnut liegen, wird in die obere und untere Nut eine dünne Kittspur gelegt und dann die Scheibe eingeschoben. Nachdem das abgenommene Querstück wieder eingesetzt wurde, erfolgt die Vernagelung der Eckverbindungen mit Holznägeln.

Die verbleibenden Fugen in der Glasnut müssen präzise mit Leinölkitt ausgefüllt werden, um ein Eindringen von Wasser in die Glasnut zu verhindern.
Ursprünglich wurde die Dichtungsebene zwischen Glas und Holz mit pflanzlichen Materialien wie Hanf, Leinen, Schilf oder auch Wachs abgedichtet. Ab der Mitte des 17.Jahrhunderts verdrängte die Erfindung des Leinölkitts die Verglasung in der Nut. 14
Die Verglasung im Kittfalz erleichtert den Austausch gebrochener Scheiben wesentlich. Der Falz wird mit einem dünnen Kittstrang ausgefüllt, die Scheibe eingesetzt und mit Glasernägeln oder Glaserecken befestigt. Die abdichtende Kittfase sollte von der Innenseite nicht sichtbar sein. Auch kleinste Risse und Löcher können bei diesem Arbeitsgang geschlossen werden.

Nach einer Trockenzeit des Kittes von 2–3 Wochen kann mit dem Grundieren begonnen werden. Die weiteren Farbschichten werden nach den Angaben des Herstellers aufgetragen (Siehe auch Kapitel Malerarbeiten, Anstriche für Holzuntergründe auf naturbasierten Inhaltsstoffen.).

Die Aufarbeitung der vor Ort belassenen Rahmen erfolgt nach dem gleichen Prinzip. Das Einhängen der Flügel, die Funktionsprüfung und kleine Nacharbeiten erfordern gleichfalls ein sorgfältiges Arbeiten. An das Einsetzen der zum Aufarbeiten ausgebauten Rahmen werden hohe Anforderungen gestellt. Originalgetreues Einbauen ist vorwiegend für museale Bedingungen sinnvoll, da die Dichtungsebene zwischen Mauerwerk und Fenster im historischen Bauwerk nicht nach den neuesten Erkenntnissen und Forderungen an Dichtigkeit ausgeführt wurden. Eine Restaurierung geht in der Regel mit der Forderung nach einer Verbesserung des Ist-Zustandes einher. Aufgrund dessen müssen Fenster, soweit nicht anders gefordert, nach den anerkannten Regeln der Technik eingebaut werden.
Das heißt, dass ein Fenster auf der Raumseite eine dauerhaft luftundurchlässige Abdichtung erhalten muss, gemäß dem bauphysikalischen Grundsatz zur Wasserdampfdiffusion „Innen dichter als Außen“. Eine Silikon- oder Acrylfuge zählt jedoch nicht dazu, denn Silikonfugen sind „Wartungsfugen“, welche in gewissen Abständen erneuert oder nachgearbeitet werden müssen. Die äußere Fuge muss winddicht, schlagregendicht und diffusionsoffen ausgeführt werden. Der verbleibende Zwischenraum zwischen der äußeren und der inneren Abdichtung muss mit einem Wärmedämmmaterial ausgefüllt werden. 15

Wartung von Holzfenstern 

Fenster sind extremen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Sie bedürfen deshalb besonderer Aufmerksamkeit. Durch regelmäßige Pflege und eine sachgemäße Nutzung kann die Lebensdauer eines Fensters erheblich verlängert werden. Entsprechend der regionalen Besonderheiten, der Lage im Gebäude, der verbauten Einzelkomponenten, der Art der Nutzung des Raumes und der Häufigkeit der Bedienung sollten die Wartungsintervalle für Fenster individuell angepasst werden. Ratsam ist es jedoch, einmal im Jahr, am besten vor Beginn der Heizperiode, alle Fenster auf Gängigkeit der Beschläge, Dichtheit der Dichtungsebenen (Wand-Rahmen, Rahmen- Flügel, Flügel-Glas) und auf einen funktionierenden Witterungsschutz (Farbe, Lasur) zu prüfen. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die bewitterten Flächen an Flügel und Rahmen zu legen. Sie sind bei Bedarf nachzustreichen. Um die Leichtgängigkeit der Beschläge zu erhalten, verwendet man für Bänder und Scharniere Fett, für andere bewegliche Teile reicht meist ein Tropfen Öl.

1 Schrader, Mila: Fenster, Glas und Beschläge als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber, Edition: anderweit, 2001, Seite 31
2 Schrader, Mila: Fenster, Glas und Beschläge als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber, Edition: anderweit, 2001, Seite 62
3 Schrader, Mila: Fenster, Glas und Beschläge als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber, Edition: anderweit, 2001, Seite 89
4 DIN 68 121 Teil 1
5 DIN 68 121 Teil 1
6 DIN 68 121 Teil 1
7 Sutter, Hans Peter: Holzschädlinge an Kuturgütern erkennen und bekämpfen, 4. Aufl., Stuttgart 2002, Paul Haupt Verlag, Bern, Seite 34
8 Gerner, Manfred; Gärtner, Dieter: Historische Fenster. Entwicklung, Technik, Denkmalpflege, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1996, Seite 123
9 www.leinoelpro.de
10 Gerner, Manfred; Gärtner, Dieter: Historische Fenster. Entwicklung, Technik, Denkmalpflege, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1996, Seite 90
11 DIN 68121 Teil 1 Seite 12, Verklebung
12 ein zur Reparatur einer Schadstelle eingesetztes Holz
13 Ein Zapfen, der als Ersatz für einen zerstörten Zapfen, in einen an dieser Stelle eingearbeiteten Schlitz, eingesetzt wird.
14 Schrader, Mila: Fenster, Glas und Beschläge als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber, Edition: anderweit, 2001, Seite 62
15 DIN 18 355 (VOB Teil C Tischlerarbeiten), EnEV, Straßer, Guido: Fenstermontage – Grundlagen, expert, Februar 2008, S. 2

 


Abb. 1 Nachbau eines Renaissancefensters nach historischem Vorbild, Holzrestaurierung Olaf Ehrhardt, Dresden


Abb. 2 Gelbes Haus Wörlitz, barockes Einfachfenster mit Vorreibern (DFWZ QLB)


Abb. 3 Dämmwert der Wand besser als Fenster – Tauwasserausfall an der kalten Fensterfläche


Abb. 4 Dämmwert des Fensters besser als Wand – Tauwasserausfall an der kalten Raumecke = Gefahr von Schimmelbildung


Abb. 5 Kastenfenster (DFWZ QLB)


Abb. 6 Rechenwerte der Wärmedurchgangs- koeffizienten für Fenster und Fenstertüren nach DIN 4108 Teil 4 für Holz- und Kunststofffenster, (aus: Friedrich, Tabellenbuch Holztechnik, 10. Auflage, Bonn 1994, Seite 7-23)


Abb. 7 Verbundfenster (DFWZ QLB)


Abb. 8 Zerstörte Rahmenteile eines Fensters (DFWZ QLB)


Abb. 9 Tabelle zum Feuchtigkeitsanspruch von holzschädlichen Pilzen, dunkelgrau: optimale Feuchtebedingungen, aus: Sutter, H. P.: Holzschädlinge an Kuturgütern erkennen und bekämpfen, 4.Aufl., Stuttgart 2002, Seite 34


Abb. 10 Tabelle zum Temperaturanspruch von holzschädlichen Pilzen, dunkelgrau: optimale Temperaturbedingungen, aus: Sutter, Seite 35


Abb. 11 Eindringende Feuchte in Hirnholz verursachte Fäulnisbildung am Holz; mögliche Ursache: nicht kapillar leitfähiger Anstrich und problematische Führung der Regenschiene (Foto Architekturbüro Körber, Großleinungen)


Abb. 12 Zerstörte Eckverbindung am Fensterflügel (DFWZ QLB)


Abb. 13 Das Anbringen von Schrauben und Metallteilen verursachte große Schäden an Fensterrahmen (DFWZ QLB)


Abb. 14 Negative Beeinträchtigung der Fassadenansicht durch neue Fenster ohne historische Sprossenteilung, (DFWZ QLB)


Abb. 15 Schadenskartierung (DFWZ QLB)


Abb. 16 Gereinigte Beschläge eines barocken Fensters (DFWZ QLB)


Abb. 17 Stratigraphie der Anstriche (DFWZ QLB)


Abb. 18 Ausgewechselte Wetterschenkel und Rahmenquerstücke (DFWZ QLB)


Abb. 19 Einsetzung im Holz (DFWZ QLB)


Abb. 20 Überblattung (DFWZ QLB)


Abb. 21 Schiffchenförmige Einsätze (DFWZ QLB)


Abb. 22 Verlegen der Scheibe in einem Kittfalz (DFWZ QLB)