Das Zentrum Forschung Bildung Beratung
         
  "Leitfaden zur Fachwerksanierung für Bauherren und am Fachwerk Interessierte"    
 zurück 

11. Maurer- und Putzarbeiten, Fugenabdichtung

 vor   Übersicht 
   

Sockel 

Eine ursprünglich geplante Abdichtung gegen Spritzwasser von aufgehenden Sockelmauerwerken mit Hilfe von Zementputzen wirkt sich bei vielen Objekten schadensfördernd aus. Die materialspezifischen Eigenschaften von Zementputzen begünstigten in Kombination mit konstruktiv bedingten Ausführungsmängeln eine hohe Auffeuchtung des Mauerwerkes und der darüber liegenden Schwelle. Zement als hydraulisches Bindemittel erhärtet unter Wasseraufnahme an der Luft steinartig und ist danach wasserbeständig 1, also nicht in der Lage Flüssigkeiten kapillar abzuleiten. Bei etwa einem Viertel der im Bauschadensprojekt untersuchten Objekte wurde im Rahmen der letzten Sanierungsmaßnahme der Natursteinsockel mit einem zementhaltigen Außenputz, bei Unterkellerung auch mit einem zementhaltigen Innenputz bekleidet. Da die Abtrocknung der im Mauerwerk aufsteigenden Feuchte sowie die durch Risse in der Putzschicht eingedrungenen Feuchte stark behindert war, erhöhte sich in der Folge der Feuchtepegel im Mauerwerk derart, dass auch eine starke Auffeuchtung der (nicht zusätzlich durch eine Horizontalsperre gesicherten) Fußschwelle zu verzeichnen war.

Fallbeispiel 1: 

Ein um 1770 errichteter 2-geschossiger Fachwerkkomplex, erfuhr 1980 die letzte große Nutzungsänderung. In den Folgejahren wurden abschnittsweise Reparaturarbeiten, so u.a. am Sockelverputz veranlasst. Aufgrund des Auftretens von Hausschwamm ist im Juni 2006 der Gebäudekomplex holzschutztechnisch untersucht und ein zusammenfassendes Gutachten erstellt worden. Darin wird festgestellt, dass die Schwellhölzer in der Vergangenheit rundum fast vollständig saniert worden sind, wobei sie häufig aus zwei übereinanderliegenden Holzschichten bestehen. Mit dem nachträglichen Verputz der Natursteinsockel wurden auch die Schwellhölzer vielfach mit angeputzt. 2 Der Pilzbefall konzentriert sich hauptsächlich auf das Innere der Schwellen, was auf aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Sockelmauerwerk hindeutet. 3 Begünstigt durch fehlende bzw. schadhafte Horizontal- bzw. Vertikalsperren, durch den von außen nachträglich aufgebrachten, zementhaltigen Sockelverputz werden die Natursteinmauerwerke durch aufsteigende, drückende, aber auch hygroskopische Feuchte und Tauwasserausfall angegriffen, in dessen Folge nicht nur Risse und Hohlräume unter der Putzlage entstanden sind, sondern auch Putzabplatzungen an den Massivwänden und am Sandsteinsockel erfolgten. Verstärkt wird dieser Zustand durch den im Rahmen mehrerer Reparaturmaßnahmen innenseitig aufgetragenen, absperrenden Putz im Keller. Hier haben sich zudem Schimmelpilze verbreitet. 4

Fallbeispiel 2: 

Bei einem barocken Fachwerkbau, wurden während der Sanierung 1998 als Ausfachungsmaterial großformatige Bimssteine in Trass-Kalk- Zementmörtel verlegt. Auch hier ist der Fugenanteil sehr gering, so dass im Gefachfeld auftretende Spannungen nicht kompensiert werden konnten. An den Gefachrändern, besonders in den Gefachecken ist der Verputz nicht nur gerissen, sondern platzt auch heraus.

Fallbeispiel 3: 

BBei einem weiteren Objekt aus dem 16. Jahrhundert, welches 1997 umfassend saniert wurde, kam z.B. eine großformatige YTONG-Ausfachung zum Einsatz (Abb. 4).

Umlaufende Trapez- oder Dreiecksleisten zur Befestigung der Ausfachung wurden nicht verwendet. Die Plansteine sind miteinander verklebt, so dass der Fugenanteil im Gefach sehr gering ist. Die Gefachfelder wirken wie eine starre Scheibe und konnten erhöhte Spannungen nicht abfangen. Deutlich wird dies an durchlaufenden Rissen im Gefach.

Da in der DIN 4108-3, Kap. 5.4.2 gefordert wird, dass der Schlagregenschutz eines Gebäudes auch im Bereich der Fugen und Anschlüsse sichergestellt sein muss, dürften Fachwerkbauten letztlich nicht mit Sichtfachwerk erstellt werden bzw. erhalten bleiben, denn eine dauerhafte, absolute Dichtigkeit im Fugenbereich ist praktisch nicht herzustellen.
Das bedeutet zum Einen, dass die Normung für Sichtfachwerkgebäude nur begrenzt geeignet ist, denn es gibt ja tatsächlich noch viele gut erhaltene Sichtfachwerkfassaden, bei denen die Rücktrocknung von eingetragener Feuchtigkeit (auch über Fugen und Risse) so gut funktioniert, dass keine Schäden zu verzeichnen sind.
Das bedeutet zum Anderen aber auch, dass Fachwerkfreilegungen, besonders an stark schlagregenbelasteten Fassadenbereichen, mitunter kontraproduktiv zur gewollten Wiederherstellung historischer Ansichten eines Gebäudes sein können. Nicht ohne Grund wurden schon in früheren Generationen zumindest die Wetterseiten vieler Fachwerkbauten mit einer Bekleidung zum Schutz gegen starke Witterungseinflüsse versehen. Solche Verkleidungen dienten zunehmend auch dem Schutz vor Brandkatastrophen.  5 In diesem Fallbeispiel ist der weitgehende Verlust der Tragfähigkeit der Fachwerkkonstruktion ebenfalls zu großen Teilen mit der Zurückführung der Fassaden zum Sichtfachwerk zu begründen. Das reich verzierte Fachwerkhaus von 1580 wurde vermutlich nach 1884 mit einer Schieferbekleidung vor Witterungs- und Brandeinflüssen geschützt. Zur Feststellung des Denkmalwertes entfernte man 1985 diese Bekleidung im Bereich der geschnitzten Brüstungsbohlen in den oberen Stockwerken. 6
In den Jahren 1994 bis 1997 erfolgte eine Komplettsanierung und grundlegende Modernisierung des Gebäudes mit gleichzeitigem Um- und Ausbau der Dachgeschossebene. Dabei wurde zur Schaffung von Wohnraum der abgewalmte Dachbereich des Westgiebels als fachwerksichtiger Dreiecksgiebel umgestaltet.
Bei den ausgetauschten und neuen Fachwerkteilen kam Fichten - und/oder Kiefernholz zur Verwendung, während die verbliebenen Ständer und Brüstungstafeln aus Eiche bestehen. Der neu in Höhe der ehemaligen Traufe aufgesetzte Dreiecksgiebel überkragt die vorhandene Fassadenkonstruktion nicht, sondern steht, wie dies durch eine Auslotung festgestellt werden konnte, infolge der Schiefstellung der unteren Geschosse (ca. 1,0 - 1,2 cm/m) um etwa 7 bis 8 cm hinter deren Ebene zurück.

Die Schiefstellung der Wandflächen in den Geschossen war entsprechend der Bestandsfotos von 1994 bereits vorher vorhanden. Jedoch hat sich dieser Mangel seinerzeit offenbar nicht in zerstörender Weise ausgewirkt, weil der Dachüberstand mit der vorhandenen Regenrinne, die das Wasser schadlos dem Gelände zuleitete, zum Schutz der Fassade ausgereicht hat. 7
Neben der erheblichen Vergrößerung der schlagregenrelevanten Giebelfläche und dem schiefstehenden ersten und zweiten Oberstock kragen die Balkenköpfe im Giebeldreieck und Holznägel z.T. ungeschützt hervor. In sämtliche Holzanschlussfugen und Risse sind (auch nachträglich) dauerelastische Dichtstoffe eingebracht worden. Die auf der Oberseite waagerecht profilierten Deckanschlussleisten Fenster-Fachwerk stehen aus der Fachwerkebene hervor. Die Blechabdeckung der Gesimse über den verbohlten Brüstungsgefachen weisen einen ungenügenden Überstand auf, so dass sie nicht als Gesimstropfkanten fungieren können. Sowohl die Fachwerkhölzer als auch die Gefachputze erhielten einen Kunstharzanstrich. Innenseitig kam eine leichte Innendämmschale aus Mineralwolle, Holzständerwerk und Gipskartonbeplankung zum Einsatz. Ob eine Dampfbremsfolie eingebaut wurde, konnte bislang (ohne Öffnung der Innenschale) weder auf Fotos aus der Bauzeit noch anhand der Planungs-, Ausschreibungs- und Abrechnungsunterlagen festgestellt werden.

Bereits ein Jahr nach Abschluss der Sanierungsarbeiten klagten die Mieter des Hauses über eindringende Feuchtigkeit am Nordgiebel bei schlechter Wetterlage, woraufhin verschiedene Abdichtungsmaßnahmen erfolgten. Zehn Jahre nach der Sanierung ist entsprechend der Einschätzung eines Sachverständigen die Tragfähigkeit der Giebelkonstruktion gefährdet. 8

Auffälligstes Schadensbild waren die aus den Brüstungsbohlen herauswachsenden Pflanzen. Bei näherer Betrachtung waren zudem Algen- und Moosbewuchs an den Stockwerksschwellen, an den beschnitzten Brüstungsfeldern, an herausstehenden Holznägeln, auf den Blechabdeckungen und den Holzgesimsen sowie an den Balkenköpfen im Giebeldreieck feststellbar. Darüber hinaus sind sämtliche Holzbauteile unterhalb der Fensterebenen des 1. und 2. Oberstocks bis hin zum darunterliegenden Rähm und den Schiffskehlen von holzzerstörenden Pilzen bzw. Moderfäule befallen. Teilweise ist das Holz in seiner Struktur so zerstört, dass man mühelos imstande ist, einen Finger hineinzustecken oder mit der Hand großflächig morsche Teile herauszulösen.

Nicht nur das Ausbrechen des an den Fachwerkhölzern angrenzenden Verputzes ist im Giebeldreieck zu verzeichnen, darüber hinaus werden ganze Gefachfelder durch die hohe Feuchtebelastung nach außen gedrückt, teilweise bis zu 1,5 cm. 9
Die Hauptursachen dieser gravierenden Schäden sind eindeutig in der erhöhten Schlagregenbelastung, der Fassadenschiefstellung und dem Entfernen der Wetterschutzbekleidung zu finden. Der Grenzwert der nach DIN 4108 vorgegebenen Schlagregenbelastung von fachwerksichtigen Fassaden von 140 l/m2 und Jahr ist entsprechend des Schadensgutachtens weit überschritten. Auch entsprechend des WTA-Merkblattes 8-1- 03/D sind Fachwerkfassaden ab Schlagregen-Beanspruchungsgruppe II mit einer Wetterschutzbekleidung zu versehen. 10
Bei diesem Objekt fand ein übermäßiger Wasserzutritt über die Bauteilfugen statt. Begünstigt durch die Schiefstellung der Geschosse konnte das Wasser durch kapillare Feuchteleitung bis in hintere (innere) Bauteilschichten gelangen, so dass es zu einer mehrjährigen Auffeuchtung der Baustoffe, insbesondere der Hölzer und zu deren Zerstörung durch Pilz- bzw. Moderfäule kam.
Feuchtigkeitsmengen, die über ebene, lotrechte Flächen gleichmäßig in das Bauteil (Holz oder Gefach) eindringen, können, sofern keine trocknungsblockierende Beschichtung (z.B. Kunstharz-Dispersionsfarbe, Holzersatzmasse, dauerelastischer Dichtstoff) aufgetragen wurde, grundsätzlich auf dem gleichen Wege wieder abtrocknen. Deshalb sollte bei feuchtebelasteten Fassaden die kapillare Abtrocknung der in flüssiger Form auftretenden Feuchte weder nach außen, noch nach innen behindert werden.
Bei dem beschriebenen Objekt wirkte sich der Gebrauch von YTONG-Plansteinen als Ausfachungsmaterial zusätzlich zerstörend aus. Aufgrund der Materialeigenschaften wurde das durch die Fugen eingedrungene Regenwasser nachhaltig aufgesogen. Allerdings ist durch die Größe der Poren von 0,15 bis 2 mm die kapillare Leitfähigkeit eher schwach ausgebildet. Nur bei einem Feuchtegehalt von weniger als 15% wäre eine Feuchteabgabe durch Dampfdiffusion möglich. 11 Durch den Einbau innen liegender, wärmedämmender Schichten ist auch die Belüftung und Erwärmung der Fassade gedrosselt worden, so dass sich in der Folge das Austrocknen stetig verlangsamt hat und zukünftig weitere Schäden durch Frosteinwirkung zu befürchten sind. 12

Fallbeispiel 4 

An der Fassade kam es zu starker Rissbildung an den Gebäudeecken, Fenster- und Sockelanschlüssen. Im Ergebnis der Fassadenöffnung schienen die Heraklithplatten selbst an der Unterkonstruktion fest angebracht zu sein. Im geöffneten Eckbereich am unteren Eingang waren die Platten auf Stoß verlegt und die Stöße selbst nicht miteinander verklebt. Auffällig war, dass unterschiedliche Bewehrungsmatten als Putzeinlage benutzt wurden, welche an keiner der geöffneten Stellen (Außenecke und Innenecke) um die Ecke herumgeführt wurden. Die Oberputzlagen wiesen Dicken zwischen ca. 0,5 cm (Fassadenbereich Mittelrisalit und Eingangsbereich) und 1,5 cm (unterhalb des Schaufensters) auf. Im Bereich der Schaufenster konnte nur im Brüstungsbereich Gewebeeinlage festgestellt werden. Weder ist diese Einlage bis zum Sockelblech hinunter noch bis zu den Fensterblechen hinauf geführt worden. Eine schräge Eckverklebung und eine Einlage in Fensterhöhe mit Anschluss bzw. Herumführung um den Eckbereich zum Mittelrisalith fehlen. Welche genaue Putzmischung verwendet wurde, konnte nicht recherchiert werden.

Fugenabdichtung 

Aufgrund der materialspezifischen Eigenschaften ist die Gefahr eines Feuchtestaus auch beim Einsatz von Kunstharz gebundenen Spachtelmassen gegeben, da sowohl die Kapillarleitung als auch das Diffusionsverhalten in erheblichem Maße eingeschränkt werden. Bei dem in Abb. 12 dargestellten Objekt entstanden aufgrund konstruktiver Mängel Feuchteschäden im Bereich der hölzernen Fensterbretter und der Brüstungsleiste, die sich im angrenzenden Ständer fortsetzten. Über die gesamte Fensterhöhe waren im Anschlussbereich zum Ständer ebenfalls Holzschäden zu erfassen, die mit der Spachtelmasse überdeckt wurden. Mit einem Fortschreiten des Schadens kann gerechnet werden, da ein weiterer Feuchtezutritt durch das Hinterlaufen von Regenwasser sehr wahrscheinlich ist. Die wasserundurchlässige Spachtelmasse selbst verhindert wiederum die kapillare Rücktrocknung.

Bei der Verwendung von Korkfüllmasse zum Ausstopfen von Anschlussfugen zwischen Fachwerkhölzern und Fenstern bzw. angrenzenden Bauteilen aus Holz, Stein, Mauerwerk etc. ist unbedingt darauf zu achten, dass nach dem Glätten der Masse entweder ein schützender Deckanstrich oder besser eine Deckleiste vorzusehen ist. 13 Bei drei der untersuchten Bauten gab es Probleme in Bezug auf die Wetterfestigkeit der Masse, die sich vorerst als optischer Mangel darstellte. Um Verwitterungserscheinungen in Form von Zersetzung und Abbröseln der getrockneten Masse und nachfolgenden Schäden durch das Eindringen von Schlagregen vorzubeugen, ist es dringend erforderlich, die Verarbeitungsvorschriften einzuhalten.

Mitunter werden Fugenmassen wie Bauschaum, Acryl oder Silikon falsch angewendet. Diese für den Innenausbau gedachten Abdichtungsmassen fanden zum Beispiel Einsatz als Fugendichtmasse zwischen Ausfachung und Fachwerkholz (Abb. 15), zwischen den Konstruktionshölzern oder wie in Abb. 16 dargestellt als Fugenverschluss bei Rissen in der Außenbekleidung eines Fachwerkhauses.

Hinweis: Alle im Folgenden beschriebenen Arbeiten betreffen die Standsicherheit eines Gebäudes und müssen zwingend von Fachfirmen in Zusammenarbeit mit einem Tragwerksplaner ausgeführt werden. Die dargestellten Ausführungshinweise sollen lediglich dazu dienen, Bauherren in die Lage zu versetzten, die Planungen und Bauarbeiten kritisch zu begleiten.

Sockelbereich 

Der Sockelbereich ist bei allen Gebäuden einer der wichtigsten Anschlusspunkte und benötigt die besondere Aufmerksamkeit von Planern und Ausführenden. Zum Einen gilt es hier, die Lasten des gesamten Gebäudes über das Fundament ins Erdreich abzutragen. Andererseits muss aus dem Boden aufsteigende Feuchtigkeit ebenso wie Spritz- und Regenwasser von der aufgehenden Konstruktion ferngehalten werden.
Bei historischen Fachwerkhäusern treten im Vergleich zum Neubau zusätzliche Probleme auf. Teilweise sind die alten Fundamente nicht frostfrei gegründet, also weniger als 80 cm tief. Darüber hinaus können eingetragene Salze in Verbindung mit Feuchtigkeit das Mauerwerk bis zum Verlust der Tragfähigkeit schädigen. Meist verfügen die alten Fundamentsockel zudem nicht über Sperrschichten, weder horizontal noch vertikal. Feuchtigkeit aus dem angrenzenden Erdreich und dem Sockel kann so bis zum Schwellholz und in das Gebäude gelangen. Vielfach ist auch zu beobachten, dass Schwellen durch über die Jahrhunderte angestiegenes Gelände weniger als 30 cm über dem Boden liegen.
Nicht frostfrei gegründete Sockel stellen an sich noch kein Problem dar. Die Fachwerkkonstruktion kann durch ihre Elastizität unterschiedliche Hebungen und Setzungen, die durch den gefrierenden Boden hervorgerufen werden, in gewissem Rahmen tolerieren. Das meist hohe Alter der Gebäude zeigt, dass sie trotzdem funktionieren. Handlungsbedarf besteht dagegen bei abgängigem Sockelmauerwerk oder nennenswerten Schäden am Gebäude infolge der Setzungen. 14
Dabei ist der konstruktive Holzschutz von größter Bedeutung und stets zu beachten. Grundlage der Sanierung sind zwingend eine detaillierte Untersuchung einschließlich Schürfen zur Ermittlung der Gründungstiefe, Beschaffenheit des Bodens und der Fundamente sowie eine Schadenskartierung, an die sich eine Schadensanalyse anschließt. Nur bei bekannter Schadensursache kann wirksam saniert werden. Eine Behandlung der Symptome bleibt meist nicht auf Dauer schadensfrei.
Bei der Auswertung des Bauschadensprojektes zeigte sich, dass die Sockelzonen während der Sanierung oft keine hinreichende Aufmerksamkeit erfuhren und Schäden auftraten, die durch konstruktiven Holzschutz vermeidbar gewesen wären.

Das Fallbeispiel 5 zeigt einen Sockel aus Natursteinmauerwerk (Sandstein), der eine hohe Durchfeuchtung und Schädigung der Steine aufweist. Der von außen aufgetragene Zementputz hat die Schadenssituation ungünstig beeinflusst, da die Abtrocknung der aufsteigenden Feuchte im Sockel behindert wurde und zu einer Auffeuchtung des Mauerwerkes führte. An der Fassade herablaufendes Regenwasser konnte in die offenen Fugen zwischen Zementputz und Schwellholz eindringen. Da man auf eine Horizontalsperre verzichtete, führte das in der Folge zu einer hohen Feuchtebelastung und Schädigung der Fußschwelle durch Fäule. Eine fachgerechte Sanierung hätte, wie bereits erwähnt, den konstruktiven Holzschutz in den Mittelpunkt rücken müssen.

Sanierungsempfehlungen 

Notwendig ist vor allem eine Verhinderung der Durchfeuchtung der Schwelle durch aufsteigende Feuchtigkeit, wozu der Einbau einer Horizontalsperre nötig ist. Dies muss notfalls nachträglich im Rahmen des abschnittsweisen Austausches von Mauerwerk oder durch Einschub geeigneter Materialien wie extrudierten Polyethylenplatten erfolgen. Bei unebenem Sockel im Altbau sollte die Abdichtung eine Steinlage unterhalb der Schwelle erfolgen 15, um Wasseransammlungen zwischen Schwell und Dichtung zu verhindern. Die Erfahrung zeigt, dass bei geschädigtem Sockelmauerwerk und fehlender Horizontalsperre die Schwellhölzer an der Unterseite meist ebenfalls große Schädigungen aufweisen und ausgetauscht werden müssen. In diesem Zusammenhang wäre die Anordnung einer Horizontalsperre unter der Schwelle problemlos möglich.
Nach der Abstützung der Konstruktion und Ausbau des Schwellholzes muss auch das Sockelmauerwerk soweit wie nötig instand gesetzt werden. Schadhafte Steine sind zu ersetzten. Bei einem notwendigen kompletten Neuaufbau des Sockels ist entsprechend frostfrei zu gründen. Als Mörtel kommen Trasskalkmörtel in Frage. 16 Der Sockel ist so hoch auszuführen, dass die Schwelle außerhalb des Spritzwasserbereiches zu liegen kommt, also mindestens 30 cm über Oberkante Gelände
Die Oberfläche des sanierten Sockelmauerwerks muss eben sein, damit kein Wasser unter das Schwellholz eindringen kann. Bei Sockeln aus Ziegelmauerwerk wird die oberste Schicht als Rollschicht unter Verwendung gefaster Steine ausgeführt. Diese Fase soll etwa 1cm unter das spätere Schwell reichen. So kann Regenwasser schadlos ablaufen. Falsch wäre ein über das Schwell vorstehender gerader Sockel, auf dem sich anfallendes Wasser aufstauen und unter das Schwellholz und in die Konstruktion gelangen würde. Bei einem Natursteinsockel muss die Vorderkante ebenfalls um 45° abgeschrägt werden.

Vor Einbau der Schwelle wird auf dem Sockel eine Horizontalsperre angeordnet. Vorzugsweise sollte diese Sperre aus einem Streifen Blei direkt unter der Schwelle bestehen. Während auf der Innenseite eine Vertikalsperre zur Verhinderung des Eindringens von Feuchtigkeit in das Bauwerk vorzusehen ist, sollte die Sockelaußenseite oberhalb der Geländeoberkante diffusionsoffen und kapillar leitend ausgebildet werden, um einen Feuchteaustausch zu ermöglichen. 17

Ausfachungen 

Als Vorläufer der Fachwerkbauten im heutigen Sinne gelten in Niedersachsen sogenannte Stabbauten oder Ständerbohlenbauten. Bei diesen wurden die Bereiche zwischen der Hölzern durch Bohlen geschlossen, die während des Richtens in Nuten gestellt wurden oder, wie beim Bohlenständerbau, an einen Falz genagelt. 18
Seit dem 13. Jahrhundert wurden statt dieser Bohlenausfachungen auch Flechtwerke mit Lehmbewurf verwendet. 19 Dabei wurden Äste, zum Beispiel Weidenruten, zwischen senkrecht stehenden Staken verflochten und anschließend mit Lehm beidseitig beworfen und verstrichen. Die Staken waren in Nuten in die waagerechten Fachwerkhölzer eingelassen. Der besseren Haltbarkeit wegen wurde dem Lehm langfaseriges Stroh beigemengt. Die fertige Ausfachung erhielt Ritzungen zur besseren Putzhaftung des Oberputzes, der aus feinem Lehm mit Zusätzen bestand. 20

Eine weitere Art der Ausfachung bildeten ab Mitte des 16. Jahrhunderts sogenannte Lehmweller. Hierbei handelt es sich um mit Strohlehm umwickelte Staken, die senkrecht und später waagerecht verbaut wurden. Ab Ende des 16. Jahrhunderts finden sich erste Lehmziegel- Ausmauerungen. 21 Die getrockneten Lehmsteine wiesen neben der Vorfertigung den Vorteil auf, weniger Wasser in die Holzkonstruktion des Hauses einzutragen. Es wirkt nur der relativ geringe Anteil an Mörtel feuchtesteigernd.
Mitte des 17. Jahrhunderts kamen Ausfachungen aus Bruchsteinen auf, die eine höhere Festigkeit und Wetterbeständigkeit aufwiesen und teilweise mit Lehm, später mit Kalk vermauert waren. Die wärmedämmenden Eigenschaften des Lehms konnten damit allerdings nicht erreicht werden. 22
Parallel kam die Ausfachung mit Ziegelsteinen in Mode. In Quedlinburg finden sich erste Anwendungen um 1630. 23
Die Steine wurden im Feldbrandverfahren außerhalb der Städte hergestellt und angeliefert. Bedingt durch die hohe Festigkeit des Ziegelmauerwerks konnte auf aussteifende Streben verzichtet werden, was in der Folge zu Veränderungen der Fachwerkkonstruktionen führte. Teilweise wurden die Steine in Mustern als Zierausfachung vermauert und die Gefache blieben außen ohne Verputz. Die Innenseiten erhielten dagegen einen Lehmputz mit Strohhäckseln, der oft mit einem dünnen Gipsputz überzogen ist. Zum Teil sind die Ziegel auch hochkant angeordnet.

Diese Sparkonstruktion kam vor allem an untergeordneten Fassaden zum Einsatz. Bis ins 18. Jahrhundert war es üblich, lediglich die Gefache zu verputzen. Die Ständer und Riegel blieben frei. Erst danach setzte mit dem Trend zum Steinhaus eine Entwicklung ein, die versuchte, das Fachwerk dem Massivbau anzugleichen. Innenräume, auch bei älteren Gebäuden, erhielten einen vollflächigen Putz. Dieser bestand meist aus Lehm und wirkte zusätzlich wärmedämmend. Überputzte Fachwerkfassaden, meist nur straßenseitig, sollten ein Steinhaus vortäuschen. Die fachwerksichtigen Fassaden der heutigen Zeit sind nicht selten Rückbauten vorangegangener Jahrzehnte.

Während das Aufkommen der einzelnen Ausfachungsarten stets einen technologischen Fortschritt markiert, der anhand der jeweils frühesten erhaltenen Vorkommen datierbar ist, blieben die älteren Varianten auch weiterhin in Gebrauch. Lehmsteine und Lehmweller wurden beispielsweise noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet. 24

In den WTA-Merkblättern wird darauf hingewiesen, dass bei der Sanierung von Fachwerk Ausfachungsmaterialien eingesetzt werden, die keine bauaufsichtliche Zulassung bzw. ein bauaufsichtliches Prüfzeugnis haben. Deshalb ist eine „Zustimmung im Einzelfall“ einzuholen und die Abweichung von der Bauordnung zu beantragen. 25 Müssen Gefache nur teilweise ergänzt werden, sollte möglichst das gleiche Ausfachungsmaterial zum Einsatz kommen wie bereits vorhanden. Darüber hinaus gelten für die Auswahl der Ausfachung folgende Kriterien: Das fertige Gefach sollte diffusionsoffen und kapillar leitfähig sein. Dadurch wird gewährleistet, dass eingedrungene Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf oder in flüssiger Form aus Schlagregen sowie Tauwasser austrocknen kann. Darüber hinaus sollte die Ausfachung nicht zu steif sein, um auftretende Spannungen aus den Fachwerkhölzern besser tolerieren zu können. Weiterhin ist die Standsicherheit bei der Wahl des Gefachmaterials zu beachten. Zwar werden im Fachwerk grundsätzlich die Lasten über die Holzkonstruktion abgetragen, Ausfachungen aus Ziegeln können aber eine aussteifende Funktion haben, was sich im Fehlen von Verstrebungen deutlich ablesen lässt.

Vor dem Beginn der Ausfachungsarbeiten empfiehlt sich der Anstrich der Flanken der Fachwerkhölzer mit einer diffusionsoffenen Grundierung. Ein zusätzlicher Anstrich mit einer diffusionsoffenen Beschichtung kann den Wassereintrag verringern.  26

Bedingt durch die Tatsache, dass historische Fachwerkwände in der Wärmedämmwirkung weit unter den heute üblichen Anforderungen liegen, gibt es Bestrebungen, dieses Defizit durch ein wärmedämmendes Gefachmaterial zumindest teilweise auszugleichen. Dabei wird meist auf moderne Baustoffe zurückgegriffen, deren konstruktive und bauphysikalische Eigenschaften für die Bedingungen im Fachwerkbau jedoch teilweise ungeeignet sind.
Bei der Sanierung des Gebäudes in Fallbeispiel 3 wurde als Ausfachungsmaterial Porenbeton (YTONG-Plansteine) verwendet.

(Ausschnitt) Die verbesserte Wärmedämmung dieses Baustoffes bedingt aber auch eine bauphysikalischen Eigenschaft, die sich im Fachwerkbau negativ auswirken kann: Große Gasporen sorgen für eine niedrige Wärmeleitfähigkeit, gleichzeitig wird aber die Austrocknung eingedrungener Feuchtigkeit aufgrund der kapillaren Struktur behindert, was, wie im vorliegenden Fall, unter Frosteinwirkung zu Absprengungen und Rissen führen kann. Zusätzlich wirken die Plansteine im Verbund mit Fugenkleber wie eine starre Scheibe, die sich unvermeidlichen Bewegungen der Holzkonstruktion nicht anpassen kann und ebenfalls zu Rissen führt.

Durch das teilweise Herausdrücken der Ausfachungen aus der Konstruktion kann Wasser in die Konstruktion eindringen und das Holz schädigen. 27

Neben den oben beschriebenen Porenbetonsteinen mit Klebemörtel gibt es weitere Materialien, die als Gefachfüllung ungeeignet sind. Wichtige Positivkriterien sind Diffusionsoffenheit und kapillare Wirksamkeit der Baustoffe. Diese können zum Beispiel Lochsteine, egal ob aus Ziegel oder Kalksandstein, nicht erfüllen. In den Hohlräumen wird aufgenommenes Wasser zurückgehalten, was zu einer verzögerten Abtrocknung führt. Darüber hinaus kann sich dort Tauwasser bilden. In der Folge würde die Ansammlung von Feuchtigkeit zu Fäulnis an den Hölzern führen. Lochsteine sollten deshalb nicht zum Einsatz kommen.  28

Ebenfalls ungeeignet sind Klinker. Die versinterte Oberfläche ist wasserabweisend. Dadurch kann zwar über die Fläche kaum Regenwasser eindringen. Über Anschlussfugen zum Holz und durch Tauwasserausfall in die Konstruktion gelangte Feuchtigkeit kann jedoch nicht kapillar austrocknen. Durch Verwendung von Zementmörtel wird diese negative Wirkung noch verstärkt. 29

Sanierungsempfehlungen 

Neben der Auswahl geeigneter Materialien ist eine gute Vorbereitung der Fachwerkkonstruktion vor Beginn der Arbeiten entscheidend. Hierzu zählt das Streichen der Außenseiten und Flanken der Hölzer mit Holzschutzmitteln entsprechend der Gefährdung nach DIN 68800- Teil 3. 30 Die Fuge zwischen Holz und Gefach erfordert große Aufmerksamkeit. Je nach Gefachmaterial sind hier unterschiedliche Maßnahmen erforderlich.

Lehmflechtwerk 

Die älteste Art der Ausfachung bietet auch heute noch hervorragende Eigenschaften gegenüber anderen Materialien. Lehm ist schadstofffrei und mit geringem Energieaufwand aufzubereiten. Er ist diffusionsoffen, kapillar leitfähig und vollständig wiederverwertbar. Da getrockneter Lehm mit Wasser wieder aufgelöst werden kann, lassen sich bestehende Lehmgefache gut reparieren. Bei Feuchteaufnahme quillt trockener Lehm leicht auf. Diese Eigenschaft sorgt für eine gute Abdichtung der Fugen und Ritzen. Um Auswaschungen und zu starke Durchfeuchtung zu verhindern, ist ein Außenputz vorzusehen. Empfehlenswert ist ein Kalkputz. Wegen der schlechten Putzhaftung ist eine spezielle Vorbehandlung des Untergrundes nötig. Lehmputz ist auf Grund der fehlenden Witterungsbeständigkeit ungeeignet.

Vor dem Einbau der Ausfachung müssen die Flanken der horizontalen Fachwerkhölzer mittig mit Nuten versehen werden, in welche die Staken eingeschoben werden. Anschließend erfolgen die Verflechtung mittels Astruten und der mehrlagige beidseitige Bewurf mit Lehm. Die Dicke des Außenputzes, der das Gefach bündig mit den Hölzern abschließen soll, muss freigelassen werden. Um die Putzhaftung zu verbessern, ist der Lehmputz durch Ritzung aufzurauen. Bei Bedarf sollte ein zusätzlicher Putzträger verwendet werden.
Der Einbau des feuchten Lehms trägt viel Wasser in den Bau ein, was sich ungünstig auf die Holzkonstruktion auswirkt. Für eine gute Austrocknung muss gesorgt werden. Durch Quellen und Schwinden entstehen Risse und Fugen, die nachträglich mit Lehm zu schließen sind.

Lehmsteine 

Der Nachteil des hohen Feuchteeintrags bei frischem Lehm kann durch die Verwendung vorgefertigter Lehmsteine reduziert werden. Hier wird nur der Mörtelanteil feucht eingebaut. Durch einen hohen Faser- und Strohanteil erhöhen sich Formstabilität und Wärmedämmung 31. Vermauert wird mit Lehmmörtel.
Bei Lehmstein-Ausmauerung sind an den Ständern und am unteren Riegel oder Schwell Trapezleisten einzubauen. Diese werden mittig am Holz mittels Nägel befestigt und sorgen für eine Verankerung der Ausmauerung in der Konstruktion. Am oberen Abschluss übernimmt eine eingefräste Nut diese Funktion. Als Gegenstück zur Leiste ist eine Nut in den Steinen vorzusehen. Der Lehmmörtel soll bei der Vermauerung die Leisten vollständig umschließen und die Nut ausfüllen. Die Ausfachung muss um Außenputzdicke ins Gefach zurückversetzt sein. Das Auskratzen der Fugen erhöht die Haftung des außen notwendigen Kalkputzes. Teilweise sind Putzträger nötig. 32

Naturstein 

Soll mit Natursteinen ausgefacht werden, müssen die Steine zumindest an der Außenseite eben sein. Der Arbeitsaufwand für die Vermauerung steigt bei nicht quaderförmigen Steinen erheblich an. Zu den Vorteilen der meisten Natursteine wie Sandstein zählen die gute Wärmespeicherfähigkeit und Tragfähigkeit, was historisch teilweise bei Gefachen mit aufliegenden Deckenbalken eine Rolle spielt. Gleichzeitig besitzen diese Steine jedoch eine hohe Wärmeleitfähigkeit und teilweise geringe Diffusionsoffenheit. Positive und negative Aspekte sind stets abzuwägen. Für eine komplette Neuausfachung kommen Natursteine deshalb eher nicht in Frage. Als Ersatz bestehender Konstruktionen haben sie aber ihre Berechtigung.
Beim Einbau kann auf die Nut als Gegenstück der Trapezleisten in den Steinen verzichtet werden. Ohne Außenputz sind die Steine bündig mit den Außenkanten der Hölzer zu verbauen. Sonst ist die Außenputzstärke abzuziehen.
Als Mörtel kommen Kalkmörtel mit Trasszusatz in Frage. Die unterschiedlichen bauphysikalischen Eigenschaften verschiedener Natursteine sind unbedingt zu beachten.  33

Historische Ziegel 

Ziegel sind zumindest in der Region um Quedlinburg das meistgenutzte Material für Ausfachungen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen lassen sich Ziegel schnell und leicht verarbeiten. Auf Grund der geringen Abmessungen können sie der Fachwerkkonstruktion gut angepasst werden, zum Beispiel bei der Schließung kleinerer Gefache oder bei Bereichen um schräg verlaufende Hölzer wie Streben. In Verbindung mit dem Fugenmörtel können Ziegelausfachungen zudem Spannungen aus der Bewegung der Fachwerkkonstruktion gut aufnehmen. Da sie wasserbeständig und nicht brennbar sind, wurden sie ab Mitte des 17. Jahrhunderts vielfach verwendet. Auch ältere Ausfachungen wurden bei Umbauten von Häusern und Sanierungen oft durch Ziegelmauerwerk ersetzt.
Die historischen Gefache sind oft unverputzt mit Ziegeln in Mustern als Ziergefache ausgeführt. Die Feldbrandziegel haben eine charakteristische unregelmäßige Oberfläche, die sie von den später industriell gefertigten Steinen unterscheidet. Bei Ergänzung solcher Ziergefache muss deshalb aus denkmalpflegerischer Sicht auf Altziegel zurückgegriffen werden.
Zur Vermauerung wird ein Kalkmörtel verwendet. In die Steine ist eine Nut einzuarbeiten zur Anpassung an die Trapezleisten, die mittig an den Hölzern für den Verbund von Gefach und Holzkonstruktion sorgen. Soll ein Außenputz aufgetragen werden, sind die Steine um Putzdicke versetzt ins Gefach einzubauen. Die Fugen werden durch Glattstrich des Mauermörtels verschlossen. Nachträgliche Verfugungen sind wegen der geringeren Haftung dünner Mörtelschichten zu vermeiden. 34

Porosierter Leichtziegel 

Sollen Gefache vollständig neu ausgefacht und verputzt werden, können – anders als bei steinsichtigen Fassaden – auch modere Ziegel eingesetzt werden. Spezielle Ziegel für den Fachwerkbau kombinieren die positiven Eigenschaften historischer Vollziegel wie Diffusionsfähigkeit und kapillare Leitfähigkeit mit wärmedämmenden Eigenschaften. Der auf Initiative des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalpflege entwickelte, sogenannte porosierte Leichtziegel verfügt bereits über Nuten für die Trapezleiste. 35 Als Vollziegel gewährleistet er den nötigen kapillaren Feuchtetransport. Da insbesondere bei Sichtfachwerk Wärmedämmung nur im Gefach und durch bauphysikalisch problematischere Innendämmung möglich ist, bietet der porosierte Ziegel gute Ansätze für besseren Wärmeschutz. Die Verarbeitung erfolgt wie beim historischen Vollziegel in Kalkmörtel. Ein Außenputz ist vorzusehen.

Putze 

Putze lassen sich wie Mörtel nach der Art ihres Bindemittels einteilen. Je nach Ort der Anwendung unterscheidet man zusätzlich zwischen Innen- und Außenputzen. Mörtelbindemittel erhärten durch Austrocknung oder chemische Umsetzung, wenn sie mit Wasser angemacht werden. Anhand ihres Verhaltens gegenüber Wasser werden unhydraulische (an der Luft erhärtende) und hydraulische Bindemittel, die auch unter Wasser weiter erhärten, unterschieden. Mörtel mit unhydraulischen Bindemitteln, so genannte Luftmörtel, sind nicht wasserbeständig. 36
Reiner Luftkalk, der im traditionellen Nasslöschverfahren aus Brandkalk hergestellt wird, ist heute kaum noch gebräuchlich. Verwendet wird stattdessen so genanntes Weißkalkhydrat, das im industriellen Trockenlöschverfahren hergestellt und gemahlen als Sackware geliefert wird. Je nach Produkt beträgt der Anteil hydraulisch wirkender Bindemittel bis zu 30%. 38 Dadurch steigt die Resistenz des Putzes gegen Witterungseinflüsse an.
Als Zuschlagstoffe für Putzmörtel kommen Feinsande und gegebenenfalls Fasern zur Erhöhung der Reißfestigkeit zum Einsatz.
Lehmmörtel ist aufgrund seiner Eigenschaft, unter Wassereinfluss seine Festigkeit zu verlieren, nicht schlagregenbeständig. Im Außenbereich muss deshalb stets ein schützender Kalkputz oder eine Bekleidung zusätzlich vorgesehen werden. Im Innenbereich sorgen Lehmputze für ein hygienisches und angenehmes Wohnklima.

Außenputze 

Besonders an Außenputze werden im Fachwerkbau hohe Anforderungen gestellt. Sie müssen einerseits witterungsbeständig sein, andererseits soll der gesamte Wandaufbau möglichst homogen, diffusionsoffen und kapillar leitfähig sein. Je nach Ausfachungsart müssen geeignete Putze ausgewählt werden.
Das folgende Beispiel zeigt, dass dieser planerische Grundsatz nicht immer beachtet wird. Der ursprünglich mit einer Bekleidung versehene Fachwerkgiebel wurde bei der Sanierung fachwerksichtig gestaltet. Die Ausfachung aus Lehmsteinen wwurde mit einem Lehmputz versehen und anschließend mit einer Kalkschlämme überstrichen. Diese Variante ist nicht schlagregenfest, so dass die dünne, Kalkschicht recht schnell abgewaschen wurde und das Regenwasser ungehindert den wasserlöslichen Lehm angreifen konnte. Nach dem Auswaschen des Lehmputzes lagen teilweise die Lehmsteine frei und waren ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

Sanierungsvorschlag: 

Zunächst hat der Planer sich einen Überblick über die Schlagregenbelastung zu verschaffen. Ist eine höhere Belastung als Kategorie I nach DIN 4108-2 gegeben, sollte nach Möglichkeit eine Bekleidung des Giebels vorgesehen werden. Die Tatsache, dass diese bereits früher einmal vorhanden war, zeigt wie wichtig es ist, sich in der Planungsphase intensiv mit den Gegebenheiten eines Gebäudes auseinander zu setzen. Die Freilegung der Fassade aus ästhetischen oder denkmalpflegerischen Gründen kann kontraindiziert sein und schwere Schäden der Substanz hervorrufen. Ist keine Bekleidung nötig oder möglich, erfolgt ein Verputz der Gefache. Ein vollflächiger Putz sollte wegen des unterschiedlichen Verhaltens von Holz und Ausfachung und der daraus resultierenden Rissbildung vermieden werden. Vor den Verputzarbeiten muss die Wandkonstruktion gut ausgetrocknet sein. 39 WWenn das nicht möglich ist, treten durch das Schwinden der Hölzer unweigerlich Risse und Fugen zwischen Putz und Holz von teilweise mehr als 10 mm auf. Hier muss nach entsprechender Zeit nachgearbeitet werden. Auf die Problematik der Fugen im Fachwerkbau wird im Kapitel Fugenabdichtung näher eingegangen.

Da der Außenputz wie der übrige Wandaufbau diffusionsoffen, aber auch wetterbeständig sein soll, kommen als Mörtel nur Kalkmörtel aus gelöschtem Branntkalk oder Weißkalkhydrat in Frage. Die Zugabe von Trasskalk zur Verzögerung des Abbindens führt zu widerstandsfähigeren Putzen. Je nach Ausfachung sind unterschiedliche Zusammensetzungen und Putzvorbereitungen nötig.

Außenputz auf Lehmgefachen 

Bestehen die Ausfachungen aus Lehm, also aus Stakung, Flechtwerk oder Lehmsteinen, handelt es sich um einen ungünstigen Putzgrund. Kalkputze bilden mit dem Lehm keinen ausreichenden chemischen Verbund. Zur Verbesserung der Haftung sind die Fugen etwa 10–15 mm tief auszukratzen, der Lehm durch Ritzung oder Beilhiebe aufzurauen oder Putzträger vorzusehen. Diese sollten im Außenbereich aus unverrottbaren Materialien bestehen. Zunächst wird das Gefach mit einem Spritzbewurf vorgespritzt. Dazu eignet sich ein grobkörniger Kalkmörtel. Anschließend wird der Putzträger aufgebracht. Zu empfehlen ist ein auf das Gefach getackertes Kunststoffgewebe. Die Anschlüsse zum Holz sind frei zu lassen, um Spannungen nicht auf den Putz zu übertragen. Anschließend folgt die einlagige Putzschicht aus Kalkputz. Diese ist bündig mit der Fachwerkkonstruktion abzuziehen. 40 In Ausnahmefällen kann aus denkmalpflegerischer Sicht oder beim Verputzen holzbündiger Ausfachungen eine Kissenbildung erforderlich sein. Diese muss jedoch im Grundputz oder Ausfachungsmaterial ausgebildet werden. Der Oberputz sollte stets eine gleichmäßige Putzdicke haben. 41 Zudem ist darauf zu achten, dass die Randanschlüsse zu den Balken abgeschrägt werden müssen, damit Wasser ablaufen kann. Keinesfalls dürfen die Balken teilweise eingeputzt werden, da Wasser direkt in die Fuge zwischen Holz und Putz geleitet und zu Fäulnis führen würde.
Zum Schluss erfolgt die Bildung einer Sollrissstelle im Anschlussbereich Holz-Putz durch Einschnitt mit dem Cuttermesser. 42

Putze auf Ziegel- oder Natursteinausfachungen 

Bei Ziegelmauerwerk ist auf Grund der guten Putzhaftung kein Putzträger nötig. Die Fugen sollten jedoch eine relativ raue Oberfläche aufweisen. Lose Mauerwerksverfugungen sind vor dem Verputzen auszukratzen. Darüber hinaus gelten die gleichen Anforderungen an den Putz bezüglich Diffusionsoffenheit und kapillarer Leitfähigkeit wie bei anderen Ausfachungen. Wasserdampf muss nach außen aus der Konstruktion geleitet werden können. Deshalb sind auch hier Kalkmörtel anzuwenden.
Sehr harte Steine wie Basalt oder Granit sind kein guter Putzgrund und sollten unverputzt bleiben. Ansonsten ist ein Zementspritzbewurf als Haftbrücke aufzutragen, der jedoch nicht mehr als 50% der Fläche bedecken darf. 43
Durch den netzartigen Auftrag bleibt die Diffusionsoffenheit und kapillare Austrocknung der Fläche gewährleistet. Besser geeignet als Putzgrund sind Natursteine mit rauen Oberflächen und leicht saugende Materialien. 44

Der Putz ist auch hier balkenbündig auszuführen und mit einer Sollrissstelle zum Holz durch Kellenschnitt zu versehen wie bereits beschrieben.

Überputztes Fachwerk 

Als besonders ungünstiger Putzgrund gilt Fachwerk. Bedingt durch die unterschiedlichen Materialeigenschaften von Ausfachungen und Holz sowie die durch Umweltfaktoren verursachten Quell- und Schwindverhalten des Holzes resultieren Spannungen, die eine angestrebte langfristige Haltbarkeit des Putzes negativ beeinflussen. Risse im Putz, die auf Grund der Spannungen entstehen, führen in der Folge, abgesehen von der optischen Beeinträchtigung, zu vermehrtem Eindringen von Wasser in die Konstruktion mit allen daraus resultierenden negativen Erscheinungen.

Dem kann nur durch entsprechende vorbereitende Maßnahmen entgegengewirkt werden. Es sei jedoch vorangestellt, dass in Fachwerkkonstruktionen immer Bewegungen auftreten können, die auch bei fachgerechter Ausführung zu Rissen im Putz führen.

Der Einsatz eines Putzträgersystems ist erforderlich, der vollflächig auf der Fachwerkkonstruktion aufzubringen ist. Gebräuchlich sind Schilfrohrmatten, Holzwolle-Leichtbauplatten sowie Drahtgewebe oder Ziegeldraht. Befestigt wird der Putzträger mittels rostfreier Befestigungsmittel im tragfähigen Gefach, da das Holz größere Bewegungen vollzieht, was die Rissbildung verstärkt. Auf den Fachwerkhölzern wird eine entkoppelnde Trennlage benötigt. Dafür sind Vliese geeignet, keinesfalls jedoch Bitumenbahnen oder andere nicht diffusionsoffene Materialien. In der letzten Putzlage hat sich die Anordnung eines vollflächigen Gewebes bewährt. 45

Innenputz 

Beim Innenputz ist zwischen Innenwänden und Innenflächen der Außenwände zu unterscheiden. Da in der Regel während einer Sanierung Außenwandflächen mit einer Innendämmung versehen werden, soll hier nur auf diese Variante eingegangen werden.

Wegen seiner bauklimatischen und bauhygienischen Eigenschaften eignet sich Lehm besonders gut als Innenputz. Lehmputz wird auf der Innendämmung zweilagig aufgebracht. Der Unterputz ist gröber und wird mit Strohhäckseln und anderen Fasern zur besseren Rissbeständigkeit versetzt. Da Lehm sehr gut auf Lehm haftet, muss die Oberfläche nicht extra aufgeraut werden. Als Armierung kann ein Jutegewebe aufgespachtelt werden. Anschließend folgt der feinere Deckputz. Zuvor muss der Unterputz jedoch gut durchgetrocknet sein. Dies kann je nach Untergrund mehrere Wochen dauern. Während der Trocknungsphase entstehende Schwindrisse können durch Glätten wieder verrieben werden. 46
Bei Innenwandflächen kann sowohl vollflächig als auch fachwerksichtig verputzt werden. Bei vollflächigem Putz ist wie im Außenbereich ein Putzträger einzusetzen. Hier genügt allerdings ein balkenbreiter Streifen aus Rohrgewebe. Es wird am Holz angetackert und dient der Putzhaftung. Zur Armierung und Vermeidung von Rissen am Übergang vom Holz zum Gefach kann ein Gewebe verwendet werden. 47

Fugenabdichtung 

Der wirksame Schlagregenschutz bei Fachwerk stellt besonders hohe Anforderungen an Planer und Ausführende. Fachwerksichtige Fassaden bieten nicht nur in der Fläche Möglichkeiten des Wassereintritts. Besonders gefährdet sind die Fugen zwischen Holz und Gefachen sowie Risse in den Hölzern. Bisher gibt es keine langzeitbewehrte Methode, eine Fachwerkfassade schlagregendicht auszubilden. Der Wassereintritt über Fugen ist unvermeidlich und kann zum Feuchtestau in der Konstruktion und in der Folge zu Fäulnisschäden führen. 48

Notwendig ist deshalb eine Vielzahl von konstruktiven Maßnahmen, die sicherstellen, dass einerseits die Menge des eindringenden Wassers reduziert wird und andererseits in die Konstruktion gelangtes Wasser austrocknen kann. Dazu muss die kapillare Leitfähigkeit der gesamten Wandkonstruktion sichergestellt werden. Dies betrifft Ausfachungsmaterialien und Dämmstoffe, aber auch Anstriche und Beschichtungen.
Konstruktive Maßnahmen wie Bohrungen zur Ableitung des Wassers aus Zapfenlöchern in Schwellhölzern nach außen sorgen für das Austrocknen der Konstruktion. Besonders wichtig ist jedoch der konstruktive Holzschutz zur Vermeidung des Wassereintritts.

Im Grunde bieten Fassaden aus Fachwerk nur in der Beanspruchungsgruppe I der DIN 4108-3 einen ausreichenden Schlagregenschutz. Fassaden höherer Gruppen, z.B. wenn sie frei vom Wind angeströmt werden können, benötigen in der Regel einen zusätzlichen konstruktiven Wetterschutz. Wind kann unter Umständen dafür sorgen, dass Wasser in Ritzen und Fugen regelrecht „hineingedrückt“ wird. 49
Historische Bekleidungen wie Schieferbehang oder vollflächiger Verputz können ein Hinweis auf erhöhte Schlagregenbeanspruchung einer Fassade sein. Vor der geplanten Freilegung sollte dieser Zusammenhang unbedingt abgeklärt werden. Gegebenenfalls ist auf den Rückbau der Bekleidung zu verzichten. Im Folgenden soll auf die Fugenabdichtung fachwerksichtiger Fassaden eingegangen werden. Wie bereits erwähnt, kann diese Schwachstelle bisher nicht dauerhaft dicht ausgeführt werden. Durch unvermeidliche Umwelteinflüsse quellende und schwindende Fachwerkhölzer sorgen früher oder später für einen Abriss der Putzflächen vom Holz. Wie im vorangegangenen Abschnitt „Maurer- und Putzarbeiten“ beschrieben, muss deshalb durch Kellenschnitt mit dem Cuttermesser eine Sollbruchstelle geschaffen werden. Für eine zusätzliche Feuchtesperre sorgen Trapezleisten entlang der Hölzer bei gemauerten Gefachen, die gleichzeitig eine Lagesicherung der Ausfachung sicherstellen.

Bei dem in Fallbeispiel 3 benannten Gebäude wurden im Sanierungsverlauf der vorhandene Walmgiebel abgetragen, ein Dreiecksgiebel sowie Teile des Fachwerks im Erdgeschoss neu errichtet, die Gefachfelder mit Porenbeton geschlossen und auf eine Wetterschutzbekleidung verzichtet. Aufgrund der Fassadenschiefstellung konnte Regenwasser an der Giebelfläche der oberen Stockwerke herunterlaufen und durch Fugen und Risse im Fachwerk ungehindert in die Konstruktion eindringen. Neben erheblichen Fäulnisschäden an den Hölzern wurden die Gefache - begünstigt durch den Verzicht auf die Trapezleisten - teilweise aus der Konstruktion herausgedrückt und bildeten so zusätzliche Eindringmöglichkeiten für Regenwasser. 50
Im Bild ist zu erkennen, dass die Steine stumpf gegen die Fachwerkhölzer stoßen. Durch Bewegungen der Holzkonstruktion reißen diese Flanken auf und werden dauerhaft undicht.

Sanierungsvorschlag 

Wichtig für eine möglichst gute Abdichtung ist nicht allein die Ausbildung der Fuge. Entscheidenden Anteil hat auch die Qualität der neu einzubauenden Fachwerkhölzer. Nicht selten liegt deren Holzfeuchte beim Einbau über der Ausgleichsfeuchte von 16–18 %. Bei Austrocknung des Holzes entstehen so durch Schwinden Fugen von mehr als 1cm Breite. Die Verwendung trockenen Holzes kann also die Entstehung breiter Fugen bereits im Ansatz verhindern. Nicht immer ist neues Holz mit entsprechender Holzfeuchte leicht zu beschaffen. Daher empfiehlt sich die Wiederverwendung von Altholz. Da sich jedoch auch bei sorgfältiger Planung und Bauausführung Fugen und Risse nicht vollständig vermeiden lassen, müssen diese entsprechend nachgearbeitet werden. Dabei ist zwischen Rissen im Holz und Fugen zwischen Holz und Gefach zu unterscheiden. 51
Risse in den Hölzern sollten, wenn sie breiter als 1cm sind, ausgespänt werden. Hierfür verwendet werden keilförmige Leisten der gleichen Holzart wie die auszuspänenden Fachwerkhölzer. Die Faserrichtung von Keilen und zu behandelnden Hölzern muss übereinstimmen. Fugen zwischen Fachwerk und Ausfachung können durch Beiputzen geschlossen werden. Dazu sind die Fugen zunächst auf eine Breite von 2–3 cm zu erweitern, um durch Oberflächenvergrößerung die Putzhaftung zu verbessern. Eine Armierung des einzubringenden Mörtels mittels Tierhaaren bei Kalkputz oder Strohhäckseln bei Lehmputz minimiert die Rissbildung. Das Einbringen erfolgt mehrlagig mit ausreichenden Trockenzeiten. Der abschließende Oberputz sollte keine Tierhaare enthalten, damit diese nicht an der Oberfläche erscheinen. 52
Auf das teilweise Einputzen der Fachwerkhölzer, zum Beispiel an stark geschädigten Kanten mit Substanzverlust, ist zu verzichten. Durch die unterschiedlichen Materialeigenschaften und die schlechte Haftung des Putzes am Holz löst sich dieser schnell ab und bietet dem Regenwasser gute Möglichkeiten einzudringen. Keinesfalls verwendet werden sollten elastische Fugendichtmassen. Nach heutigem Kenntnisstand ergibt sich damit keine dauerhaft beständige Abdichtung. Vielmehr kommt es auf Grund der Bewegungen im Fachwerk zu Flankenabrissen zwischen Hölzern und Dichtmaterial. Dadurch kann Wasser in die Konstruktion eindringen. An anderen Stellen, an denen die Dichtmasse noch intakt ist, behindert sie dann das Austrocknen des eingedrungenen Wassers durch Diffusion oder Kapillartransport und verstärkt dadurch die Schäden. 53


1 Zwiener, G.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; Daten, Sachzusammenhänge, Regelwerke, 1. Auflage, C.F. Müller Verlag GmbH Heidelberg 1994, S. 351 ff.
2 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.2, S. 4-6
3 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.2., S. 5
4 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.3.2., S. 16
5 z.B. ergänzende Bauvorschrift des Königreiches Württemberg von 1836, die besagt, dass alle in Holzbauweise errichteten Gebäude spätestens im dritten Jahr nach ihrer Vollendung verblendet werden sollten. aus: Wetzel, J. Holzfachwerk, Untersuchungen zu einer historischen Holzbauweise, zu ihrer Eigenart und Entwicklung und zur Erhaltung noch bestehender Bauten, Renningen: expert Verlag 2003
6 Schauer, H-H.; Die Fachwerkstadt Osterwieck, Eine Analyse der Baugeschichte der Stadt und ihrer Werte sowie ein Bericht über denkmalpflegerische Arbeit bis 1990, Verlag für Bauwesen, S. 94 ff
7 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
8 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
9 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …,Fotodokumentation S. 8 bis 27
10 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …,Fotodokumentation S. 8 bis 31 ff
11 Scholz, W.; Baustoffkenntnisse, Werner-Verlag 1995, 13. Auflage, S. 78 ff, Flassenberg, G.; Bauen mit Porenbeton-Bausystem, Baugewerbe 1-2/2007, S. 16
12 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …, S. 33 ff
13 AURO Pflanzenchemie AG, Braunschweig, Technisches Merkblatt Auro Kork-Füllmasse Nr. 396, Stand: 01.11.2002, überarbeitete Version
14 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.51 f.
15 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S.8.
16 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren,Stuttgart 2007, S.58.
17 ebenda, S. 57
18 Großmann: Der Fachwerkbau. Köln, 2. Auflage 1987, S.101 f.
19 ebenda
20 Griep: Das Bürgerhaus in Goslar, Tübingen 1984, S. 47 ff
21 ebenda
22 ebenda
23 Schauer: Quedlinburg. Berlin, 1999, S. 40
24 Griep: Das Bürgerhaus in Goslar, Tübingen 1984, S. 48
25 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5.
26 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt 8-3-99/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2006, S. 5.
27 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
28 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2009, 7. Auflage, S.246
29 ebenda
30 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5.
31 Lenze: Fachwerkhäuser: Restaurieren-Sanieren-Modernisieren, Stuttgart 2007, S.102.
32 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 13 f.
33 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.104ff.
34 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.102ff.
35 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Fachwerkausfachungen, Themenbereich 5, Gefachvariante 2.1.1.
36 Scholz/Knoblauch: Baustoffkenntnis, Düsseldorf, 1991, S170.
37 ebenda, S. 25f, 152ff
38 Institut für Steinkonservierung e.V.: Mitteilung Nr. 7(05/2001), S.2.
39 Holzfeuchtemessungen im Objekt Lange Gasse 7 in Quedlinburg belegen, dass die Ausgleichsfeuchte von 20% erst wieder etwa ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten an den Außenwandkonstruktionen (incl. Innendämmung) erreicht wurde. Stöckicht, B., Eckermann, W., Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.; Ergebnisse zum DBU-Projekt: „Ökologisches Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung – Lange Gasse 7 in Quedlinburg, Az: 21529 2006
40 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.139ff.
41 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 9.
42 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 9.
43 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Gefacheputz, Themenbereich 7.1, S.2.
44 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.147.
45 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA IV: Außenbekleidungen. Merkblatt 8-4, Ausgabe 07.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5f.
46 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.147.
47 CLAYTEC, Arbeitsblatt 6.1: Lehmputz, Ausgabe 2000, S. 5.
48 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 8.
49 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA I: Bauphysikalische Anforderungen an Fachwerkgebäude. Merkblatt E-1-03,, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2006, S. 5f.
50 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
51 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Umgang mit Rissen und Fugen im Fachwerk, Themenbereich 9.1.
52 ebenda
53 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Umgang mit Rissen und Fugen im Fachwerk, Themenbereich 9.1.

 


Grafik 1: Verteilung der Schäden an Natursteinsockeln (DFWZ QLB)


Abb. 1 und 2: Bei dem nachträglich mit einem Zementputz versehenen Sockelmauerwerk aus Naturstein löst sich die Putzschale großflächig. (DFWZ QLB)


Abb. 3 Auch bei der Gefachausmauerung mit großformatigen Bimssteinen äußern sich Spannungen im Gefachfeld durch Ausbruch der Gefacheecken. (DFWZ QLB)


Abb. 4 Die Innenansicht während der Bauphase zeigt YTONG-Plansteine als Gefachfüllung im Brüstungsbereich, darüber liegende Gefache behielten vermutlich die historische Gefachfüllung, (Foto: privat, Bauherr)


Abb. 5 Durch überhöhte Spannungen im Gefachfeld verursachte Rissbildung (DFWZ QLB)


Abb. 6 Schieferbekleidung über alle Stockwerke, Walmdach um 1905 (Foto: Stadtarchiv Osterwieck)


Abb. 7


Abb. 7 und 8 Die roten Linien verdeutlichen in der Bestandszeichnung (links) und dem Ausführungsfoto (rechts) die Schiefstellung des Westgiebels (Bestandszeichnung aus Akten des Eigentümers, Foto: privat, Bauherr bearbeitet DFWZ QLB)


Abb. 9 Ansicht des Giebels während der Bauzeit 1995 (Foto: privat, Bauherr, bearbeitet DFWZ QLB)


Abb. 10 Pflanzenbewuchs an den beschnitzten Brüstungsbohlen (DFWZ QLB)


Abb. 11 Die Gewebeeinlage in der Putzschicht endet ca. 2 cm vor der Außenecke und wird nicht herumgeführt. Das Eckprofil ist nicht systemkonform und wurde nur unzureichend am Untergrund befestigt. (DFWZ QLB)


Abb. 12 Trocknungsblockierende Spachtelmasse als Fugenfüllstoff verursacht bzw. fördert Feuchteschäden an den angrenzenden Hölzern. (DFWZ QLB)


Abb. 13 Feuchteschäden im Brüstungsbereiche konstruktiv bedingt, durch Spachtelmasse verstärkt (DFWZ QLB)


Abb. 14 Ungeschützte Fugenabdichtung mit Korkfüllmasse als vorerst optischer Mangel (DFWZ QLB)


Abb. 15 Bauschaum als Fugenfüllmasse zwischen Ausfachung und Fachwerk sowie zwischen den Konstruktionshölzern. (DFWZ QLB)


Abb. 16 Acrylhaltige Dichtmasse als provisorischer Verschluss breiter Risse in der Außenbekleidung eines Fachwerkhauses. (DFWZ QLB)


Abb. 17 Schlossberg 11 Sockelhöhe < 30 cm über Gelände (DFWZ QLB)


Abb. 18 Der Zementputz löst sich scheibenförmig von den Sandsteinen ab, die mit Algen und Moosen bewachsen sind (DFWZ QLB)


Abb.19: Nachträgliches Abschrägen eines Natursteinsockels (DFWZ QLB)


Abb. 20 Historisches Lehmflechtwerk, Breite Str. 49, Quedlinburg (DFWZ QLB)


Abb. 21 Giebelwand mit unterschiedlichen Ausfachungen: aus Natursteinen, Zierausfachung und Ziegeln hochkant, Steinweg 74, Quedlinburg (DFWZ QLB)


Abb. 22 Nachträglich verputzte Fachwerkfassade, (DFWZ QLB)


Abb. 23 Fassade Steinweg 74 ohne Streben (DFWZ QLB)


Abb. 24 Ausfachung mit YTONG (Foto privat Bauherr)


Abb. 25 Spannungsrisse im Gefach (roter Pfeil) und herausstehende Gefachecke (weißer Pfeil) (DFWZ QLB)


Abb. 26 Herstellung von Lehmflechtwerk (DFWZ QLB)


Abb. 27 Ausfachung mit Lehmsteinen (DFWZ QLB)


Abb. 28 Ausfachung mit Altziegeln (DFWZ QLB)


Tabelle 1: Bindemittel Auswahl nach Scholz/Knoblauch 37


Bild 29: Fachwerksichtiger Giebel mit abgewaschenem Anstrich (DFWZ QLB)


Bild 30: Fehlstellen in Lehmputz und Ausfachung durch fehlenden Wetterschutz (DFWZ QLB)


Bild 31: Rissbildung im Außenputz durch fehlende Gewebeumfassung der Eckbereiche (DFWZ QLB)


Bild 32: Aufnahme Ende der 80er Jahre nach Teilabnahme der Schieferbekleidung (Foto: Stadtmuseum Osterwieck)


Bild 33: Ausfachung erfolgte ohne Trapezleisten (Foto: privat Bauherr)


Bild 34: Dauerelastische Fugenmasse oberhalb des Fensters (DFWZ QLB)


Bild 35: Verstärkung der Schäden durch nicht haltbare dauerelastische Fugenabdichtung (DFWZ QLB)