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Sockel
Eine ursprünglich geplante Abdichtung
gegen Spritzwasser von aufgehenden
Sockelmauerwerken mit
Hilfe von Zementputzen wirkt sich
bei vielen Objekten schadensfördernd
aus. Die materialspezifischen
Eigenschaften von Zementputzen
begünstigten in Kombination mit
konstruktiv bedingten Ausführungsmängeln
eine hohe Auffeuchtung
des Mauerwerkes und der darüber
liegenden Schwelle. Zement als hydraulisches
Bindemittel erhärtet unter
Wasseraufnahme an der Luft
steinartig und ist danach wasserbeständig 1, also nicht in der Lage Flüssigkeiten
kapillar abzuleiten. Bei
etwa einem Viertel der im Bauschadensprojekt
untersuchten Objekte
wurde im Rahmen der letzten
Sanierungsmaßnahme der Natursteinsockel
mit einem zementhaltigen
Außenputz, bei Unterkellerung
auch mit einem zementhaltigen Innenputz
bekleidet. Da die Abtrocknung
der im Mauerwerk aufsteigenden
Feuchte sowie die durch
Risse in der Putzschicht eingedrungenen
Feuchte stark behindert war,
erhöhte sich in der Folge der Feuchtepegel
im Mauerwerk derart, dass
auch eine starke Auffeuchtung der
(nicht zusätzlich durch eine Horizontalsperre
gesicherten) Fußschwelle
zu verzeichnen war.
Fallbeispiel 1:
Ein um 1770 errichteter 2-geschossiger
Fachwerkkomplex, erfuhr 1980
die letzte große Nutzungsänderung.
In den Folgejahren wurden abschnittsweise
Reparaturarbeiten, so
u.a. am Sockelverputz veranlasst.
Aufgrund des Auftretens von Hausschwamm
ist im Juni 2006 der Gebäudekomplex
holzschutztechnisch
untersucht und ein zusammenfassendes
Gutachten erstellt worden.
Darin wird festgestellt, dass die
Schwellhölzer in der Vergangenheit
rundum fast vollständig saniert worden
sind, wobei sie häufig aus zwei
übereinanderliegenden Holzschichten
bestehen. Mit dem nachträglichen
Verputz der Natursteinsockel
wurden auch die Schwellhölzer
vielfach mit angeputzt. 2 Der Pilzbefall
konzentriert sich hauptsächlich
auf das Innere der Schwellen, was
auf aufsteigende Feuchtigkeit aus
dem Sockelmauerwerk hindeutet. 3 Begünstigt durch fehlende bzw.
schadhafte Horizontal- bzw. Vertikalsperren,
durch den von außen
nachträglich aufgebrachten, zementhaltigen
Sockelverputz werden
die Natursteinmauerwerke durch
aufsteigende, drückende, aber
auch hygroskopische Feuchte und
Tauwasserausfall angegriffen, in
dessen Folge nicht nur Risse und
Hohlräume unter der Putzlage entstanden
sind, sondern auch Putzabplatzungen
an den Massivwänden
und am Sandsteinsockel erfolgten.
Verstärkt wird dieser Zustand
durch den im Rahmen mehrerer Reparaturmaßnahmen
innenseitig
aufgetragenen, absperrenden Putz
im Keller. Hier haben sich zudem
Schimmelpilze verbreitet. 4
Fallbeispiel 2:
Bei einem barocken Fachwerkbau,
wurden während der Sanierung
1998 als Ausfachungsmaterial großformatige
Bimssteine in Trass-Kalk-
Zementmörtel verlegt. Auch hier ist
der Fugenanteil sehr gering, so dass
im Gefachfeld auftretende Spannungen
nicht kompensiert werden
konnten. An den Gefachrändern,
besonders in den Gefachecken ist
der Verputz nicht nur gerissen, sondern
platzt auch heraus.
Fallbeispiel 3:
BBei einem weiteren Objekt aus dem
16. Jahrhundert, welches 1997 umfassend
saniert wurde, kam z.B. eine
großformatige YTONG-Ausfachung
zum Einsatz (Abb. 4). Umlaufende Trapez- oder Dreiecksleisten
zur Befestigung der Ausfachung
wurden nicht verwendet. Die
Plansteine sind miteinander verklebt, so dass der Fugenanteil im
Gefach sehr gering ist. Die Gefachfelder
wirken wie eine starre
Scheibe und konnten erhöhte Spannungen
nicht abfangen. Deutlich
wird dies an durchlaufenden Rissen
im Gefach.
Da in der DIN 4108-3, Kap. 5.4.2 gefordert
wird, dass der Schlagregenschutz
eines Gebäudes auch im Bereich
der Fugen und Anschlüsse
sichergestellt sein muss, dürften
Fachwerkbauten letztlich nicht mit
Sichtfachwerk erstellt werden bzw.
erhalten bleiben, denn eine dauerhafte,
absolute Dichtigkeit im Fugenbereich
ist praktisch nicht herzustellen. Das bedeutet zum Einen, dass die
Normung für Sichtfachwerkgebäude
nur begrenzt geeignet ist,
denn es gibt ja tatsächlich noch
viele gut erhaltene Sichtfachwerkfassaden,
bei denen die Rücktrocknung
von eingetragener Feuchtigkeit
(auch über Fugen und Risse) so
gut funktioniert, dass keine Schäden
zu verzeichnen sind. Das bedeutet zum Anderen aber
auch, dass Fachwerkfreilegungen,
besonders an stark schlagregenbelasteten
Fassadenbereichen, mitunter
kontraproduktiv zur gewollten
Wiederherstellung historischer Ansichten
eines Gebäudes sein können.
Nicht ohne Grund wurden
schon in früheren Generationen zumindest
die Wetterseiten vieler
Fachwerkbauten mit einer Bekleidung
zum Schutz gegen starke Witterungseinflüsse
versehen. Solche
Verkleidungen dienten zunehmend
auch dem Schutz vor Brandkatastrophen. 5 In diesem Fallbeispiel ist
der weitgehende Verlust der Tragfähigkeit
der Fachwerkkonstruktion
ebenfalls zu großen Teilen mit der
Zurückführung der Fassaden zum
Sichtfachwerk zu begründen. Das
reich verzierte Fachwerkhaus von
1580 wurde vermutlich nach 1884
mit einer Schieferbekleidung vor Witterungs-
und Brandeinflüssen geschützt.
Zur Feststellung des Denkmalwertes
entfernte man 1985 diese
Bekleidung im Bereich der geschnitzten
Brüstungsbohlen in den
oberen Stockwerken. 6 In den Jahren 1994 bis 1997 erfolgte
eine Komplettsanierung und grundlegende
Modernisierung des Gebäudes
mit gleichzeitigem Um- und Ausbau
der Dachgeschossebene. Dabei
wurde zur Schaffung von Wohnraum
der abgewalmte Dachbereich des
Westgiebels als fachwerksichtiger Dreiecksgiebel
umgestaltet. Bei den ausgetauschten und neuen
Fachwerkteilen kam Fichten - und/oder Kiefernholz zur Verwendung,
während die verbliebenen Ständer
und Brüstungstafeln aus Eiche bestehen.
Der neu in Höhe der ehemaligen
Traufe aufgesetzte Dreiecksgiebel
überkragt die vorhandene
Fassadenkonstruktion nicht,
sondern steht, wie dies durch eine
Auslotung festgestellt werden
konnte, infolge der Schiefstellung
der unteren Geschosse (ca. 1,0 - 1,2
cm/m) um etwa 7 bis 8 cm hinter
deren Ebene zurück.
Die Schiefstellung der Wandflächen
in den Geschossen war entsprechend
der Bestandsfotos von 1994
bereits vorher vorhanden. Jedoch
hat sich dieser Mangel seinerzeit offenbar
nicht in zerstörender Weise
ausgewirkt, weil der Dachüberstand
mit der vorhandenen Regenrinne,
die das Wasser schadlos dem Gelände
zuleitete, zum Schutz der Fassade
ausgereicht hat. 7 Neben der erheblichen Vergrößerung
der schlagregenrelevanten
Giebelfläche und dem schiefstehenden
ersten und zweiten Oberstock
kragen die Balkenköpfe im
Giebeldreieck und Holznägel z.T. ungeschützt
hervor. In sämtliche Holzanschlussfugen
und Risse sind
(auch nachträglich) dauerelastische
Dichtstoffe eingebracht worden.
Die auf der Oberseite waagerecht
profilierten Deckanschlussleisten
Fenster-Fachwerk stehen aus
der Fachwerkebene hervor. Die
Blechabdeckung der Gesimse über
den verbohlten Brüstungsgefachen
weisen einen ungenügenden Überstand
auf, so dass sie nicht als Gesimstropfkanten
fungieren können.
Sowohl die Fachwerkhölzer als auch
die Gefachputze erhielten einen
Kunstharzanstrich. Innenseitig kam
eine leichte Innendämmschale aus
Mineralwolle, Holzständerwerk und
Gipskartonbeplankung zum Einsatz.
Ob eine Dampfbremsfolie eingebaut
wurde, konnte bislang (ohne
Öffnung der Innenschale) weder
auf Fotos aus der Bauzeit noch anhand
der Planungs-, Ausschreibungs-
und Abrechnungsunterlagen
festgestellt werden.
Bereits ein Jahr nach Abschluss der
Sanierungsarbeiten klagten die Mieter
des Hauses über eindringende
Feuchtigkeit am Nordgiebel bei
schlechter Wetterlage, woraufhin
verschiedene Abdichtungsmaßnahmen
erfolgten. Zehn Jahre nach
der Sanierung ist entsprechend der
Einschätzung eines Sachverständigen
die Tragfähigkeit der Giebelkonstruktion
gefährdet. 8
Auffälligstes Schadensbild waren
die aus den Brüstungsbohlen herauswachsenden
Pflanzen. Bei näherer
Betrachtung waren zudem Algen-
und Moosbewuchs an den
Stockwerksschwellen, an den beschnitzten
Brüstungsfeldern, an herausstehenden
Holznägeln, auf den
Blechabdeckungen und den Holzgesimsen
sowie an den Balkenköpfen
im Giebeldreieck feststellbar.
Darüber hinaus sind sämtliche Holzbauteile
unterhalb der Fensterebenen
des 1. und 2. Oberstocks bis hin zum darunterliegenden Rähm und
den Schiffskehlen von holzzerstörenden
Pilzen bzw. Moderfäule befallen.
Teilweise ist das Holz in seiner
Struktur so zerstört, dass man mühelos
imstande ist, einen Finger hineinzustecken
oder mit der Hand
großflächig morsche Teile herauszulösen.
Nicht nur das Ausbrechen des an
den Fachwerkhölzern angrenzenden
Verputzes ist im Giebeldreieck
zu verzeichnen, darüber hinaus werden
ganze Gefachfelder durch die
hohe Feuchtebelastung nach außen
gedrückt, teilweise bis zu
1,5 cm. 9 Die Hauptursachen dieser gravierenden
Schäden sind eindeutig in
der erhöhten Schlagregenbelastung,
der Fassadenschiefstellung
und dem Entfernen der Wetterschutzbekleidung
zu finden. Der
Grenzwert der nach DIN 4108 vorgegebenen
Schlagregenbelastung
von fachwerksichtigen Fassaden
von 140 l/m2 und Jahr ist entsprechend
des Schadensgutachtens
weit überschritten. Auch entsprechend
des WTA-Merkblattes 8-1-
03/D sind Fachwerkfassaden ab
Schlagregen-Beanspruchungsgruppe
II mit einer Wetterschutzbekleidung
zu versehen. 10 Bei diesem Objekt fand ein übermäßiger
Wasserzutritt über die Bauteilfugen
statt. Begünstigt durch die
Schiefstellung der Geschosse
konnte das Wasser durch kapillare
Feuchteleitung bis in hintere (innere)
Bauteilschichten gelangen, so dass
es zu einer mehrjährigen Auffeuchtung
der Baustoffe, insbesondere
der Hölzer und zu deren Zerstörung
durch Pilz- bzw. Moderfäule kam. Feuchtigkeitsmengen, die über
ebene, lotrechte Flächen gleichmäßig
in das Bauteil (Holz oder Gefach)
eindringen, können, sofern
keine trocknungsblockierende Beschichtung
(z.B. Kunstharz-Dispersionsfarbe,
Holzersatzmasse, dauerelastischer
Dichtstoff) aufgetragen
wurde, grundsätzlich auf dem gleichen
Wege wieder abtrocknen.
Deshalb sollte bei feuchtebelasteten
Fassaden die kapillare Abtrocknung
der in flüssiger Form auftretenden
Feuchte weder nach außen,
noch nach innen behindert werden. Bei dem beschriebenen Objekt
wirkte sich der Gebrauch von
YTONG-Plansteinen als Ausfachungsmaterial
zusätzlich zerstörend
aus. Aufgrund der Materialeigenschaften
wurde das durch die
Fugen eingedrungene Regenwasser
nachhaltig aufgesogen. Allerdings
ist durch die Größe der Poren
von 0,15 bis 2 mm die kapillare Leitfähigkeit
eher schwach ausgebildet.
Nur bei einem Feuchtegehalt
von weniger als 15% wäre eine
Feuchteabgabe durch Dampfdiffusion
möglich. 11 Durch den Einbau
innen liegender, wärmedämmender
Schichten ist auch die Belüftung
und Erwärmung der Fassade gedrosselt
worden, so dass sich in der
Folge das Austrocknen stetig verlangsamt
hat und zukünftig weitere
Schäden durch Frosteinwirkung zu
befürchten sind. 12
Fallbeispiel 4
An der Fassade kam es zu starker
Rissbildung an den Gebäudeecken,
Fenster- und Sockelanschlüssen.
Im Ergebnis der Fassadenöffnung
schienen die Heraklithplatten
selbst an der Unterkonstruktion fest
angebracht zu sein. Im geöffneten
Eckbereich am unteren Eingang
waren die Platten auf Stoß verlegt
und die Stöße selbst nicht miteinander
verklebt. Auffällig war, dass unterschiedliche
Bewehrungsmatten
als Putzeinlage benutzt wurden, welche
an keiner der geöffneten Stellen
(Außenecke und Innenecke)
um die Ecke herumgeführt wurden.
Die Oberputzlagen wiesen Dicken
zwischen ca. 0,5 cm (Fassadenbereich
Mittelrisalit und Eingangsbereich)
und 1,5 cm (unterhalb des
Schaufensters) auf. Im Bereich der
Schaufenster konnte nur im Brüstungsbereich
Gewebeeinlage festgestellt
werden. Weder ist diese Einlage
bis zum Sockelblech hinunter
noch bis zu den Fensterblechen hinauf
geführt worden. Eine schräge
Eckverklebung und eine Einlage in
Fensterhöhe mit Anschluss bzw. Herumführung
um den Eckbereich
zum Mittelrisalith fehlen. Welche genaue
Putzmischung verwendet
wurde, konnte nicht recherchiert
werden.
Fugenabdichtung
Aufgrund der materialspezifischen
Eigenschaften ist die Gefahr eines
Feuchtestaus auch beim Einsatz von
Kunstharz gebundenen Spachtelmassen
gegeben, da sowohl die
Kapillarleitung als auch das Diffusionsverhalten
in erheblichem Maße
eingeschränkt werden. Bei dem in
Abb. 12 dargestellten Objekt entstanden
aufgrund konstruktiver
Mängel Feuchteschäden im Bereich
der hölzernen Fensterbretter
und der Brüstungsleiste, die sich im
angrenzenden Ständer fortsetzten.
Über die gesamte Fensterhöhe waren
im Anschlussbereich zum Ständer
ebenfalls Holzschäden zu erfassen,
die mit der Spachtelmasse
überdeckt wurden. Mit einem Fortschreiten
des Schadens kann gerechnet
werden, da ein weiterer
Feuchtezutritt durch das Hinterlaufen
von Regenwasser sehr wahrscheinlich
ist. Die wasserundurchlässige
Spachtelmasse selbst
verhindert wiederum die kapillare
Rücktrocknung.
Bei der Verwendung von Korkfüllmasse
zum Ausstopfen von Anschlussfugen
zwischen Fachwerkhölzern
und Fenstern bzw.
angrenzenden Bauteilen aus Holz,
Stein, Mauerwerk etc. ist unbedingt
darauf zu achten, dass nach dem
Glätten der Masse entweder ein
schützender Deckanstrich oder besser
eine Deckleiste vorzusehen ist. 13 Bei drei der untersuchten Bauten
gab es Probleme in Bezug auf die
Wetterfestigkeit der Masse, die sich
vorerst als optischer Mangel darstellte.
Um Verwitterungserscheinungen
in Form von Zersetzung und Abbröseln
der getrockneten Masse
und nachfolgenden Schäden
durch das Eindringen von Schlagregen
vorzubeugen, ist es dringend
erforderlich, die Verarbeitungsvorschriften
einzuhalten.
Mitunter werden Fugenmassen wie
Bauschaum, Acryl oder Silikon
falsch angewendet. Diese für den
Innenausbau gedachten Abdichtungsmassen
fanden zum Beispiel
Einsatz als Fugendichtmasse zwischen
Ausfachung und Fachwerkholz
(Abb. 15), zwischen den Konstruktionshölzern
oder wie in Abb.
16 dargestellt als Fugenverschluss
bei Rissen in der Außenbekleidung
eines Fachwerkhauses. Hinweis: Alle im Folgenden beschriebenen Arbeiten betreffen die Standsicherheit eines Gebäudes und müssen zwingend von Fachfirmen in Zusammenarbeit mit einem Tragwerksplaner ausgeführt werden. Die dargestellten Ausführungshinweise sollen lediglich dazu dienen, Bauherren in die Lage zu versetzten, die Planungen und Bauarbeiten kritisch zu begleiten.
Sockelbereich
Der Sockelbereich ist bei allen Gebäuden
einer der wichtigsten Anschlusspunkte
und benötigt die besondere
Aufmerksamkeit von
Planern und Ausführenden. Zum Einen
gilt es hier, die Lasten des gesamten
Gebäudes über das Fundament
ins Erdreich abzutragen.
Andererseits muss aus dem Boden
aufsteigende Feuchtigkeit ebenso
wie Spritz- und Regenwasser von der
aufgehenden Konstruktion ferngehalten
werden. Bei historischen Fachwerkhäusern
treten im Vergleich zum Neubau zusätzliche
Probleme auf. Teilweise
sind die alten Fundamente nicht
frostfrei gegründet, also weniger als
80 cm tief. Darüber hinaus können
eingetragene Salze in Verbindung
mit Feuchtigkeit das Mauerwerk bis
zum Verlust der Tragfähigkeit schädigen.
Meist verfügen die alten Fundamentsockel
zudem nicht über
Sperrschichten, weder horizontal
noch vertikal. Feuchtigkeit aus dem
angrenzenden Erdreich und dem
Sockel kann so bis zum Schwellholz
und in das Gebäude gelangen.
Vielfach ist auch zu beobachten,
dass Schwellen durch über die Jahrhunderte
angestiegenes Gelände
weniger als 30 cm über dem Boden
liegen. Nicht frostfrei gegründete Sockel
stellen an sich noch kein Problem
dar. Die Fachwerkkonstruktion kann
durch ihre Elastizität unterschiedliche
Hebungen und Setzungen, die
durch den gefrierenden Boden hervorgerufen
werden, in gewissem
Rahmen tolerieren. Das meist hohe
Alter der Gebäude zeigt, dass sie
trotzdem funktionieren. Handlungsbedarf
besteht dagegen bei abgängigem
Sockelmauerwerk oder
nennenswerten Schäden am Gebäude
infolge der Setzungen. 14 Dabei ist der konstruktive Holzschutz
von größter Bedeutung und stets zu
beachten. Grundlage der Sanierung
sind zwingend eine detaillierte
Untersuchung einschließlich Schürfen
zur Ermittlung der Gründungstiefe,
Beschaffenheit des Bodens
und der Fundamente sowie eine
Schadenskartierung, an die sich
eine Schadensanalyse anschließt.
Nur bei bekannter Schadensursache
kann wirksam saniert werden.
Eine Behandlung der Symptome
bleibt meist nicht auf Dauer schadensfrei. Bei der Auswertung des Bauschadensprojektes
zeigte sich, dass die
Sockelzonen während der Sanierung
oft keine hinreichende Aufmerksamkeit
erfuhren und Schäden
auftraten, die durch konstruktiven
Holzschutz vermeidbar gewesen
wären.
Das Fallbeispiel 5 zeigt einen Sockel
aus Natursteinmauerwerk (Sandstein),
der eine hohe Durchfeuchtung
und Schädigung der Steine
aufweist. Der von außen aufgetragene
Zementputz hat die Schadenssituation
ungünstig beeinflusst,
da die Abtrocknung der aufsteigenden
Feuchte im Sockel behindert
wurde und zu einer Auffeuchtung
des Mauerwerkes führte. An
der Fassade herablaufendes Regenwasser
konnte in die offenen Fugen
zwischen Zementputz und
Schwellholz eindringen. Da man auf
eine Horizontalsperre verzichtete,
führte das in der Folge zu einer hohen
Feuchtebelastung und Schädigung
der Fußschwelle durch Fäule.
Eine fachgerechte Sanierung hätte,
wie bereits erwähnt, den konstruktiven
Holzschutz in den Mittelpunkt
rücken müssen.
Sanierungsempfehlungen
Notwendig ist vor allem eine Verhinderung
der Durchfeuchtung der
Schwelle durch aufsteigende
Feuchtigkeit, wozu der Einbau einer
Horizontalsperre nötig ist. Dies muss
notfalls nachträglich im Rahmen
des abschnittsweisen Austausches
von Mauerwerk oder durch Einschub
geeigneter Materialien wie
extrudierten Polyethylenplatten erfolgen.
Bei unebenem Sockel im Altbau
sollte die Abdichtung eine
Steinlage unterhalb der Schwelle erfolgen 15, um Wasseransammlungen
zwischen Schwell und Dichtung zu
verhindern. Die Erfahrung zeigt, dass
bei geschädigtem Sockelmauerwerk
und fehlender Horizontalsperre
die Schwellhölzer an der Unterseite
meist ebenfalls große Schädigungen
aufweisen und ausgetauscht
werden müssen. In diesem Zusammenhang
wäre die Anordnung einer
Horizontalsperre unter der
Schwelle problemlos möglich. Nach der Abstützung der Konstruktion
und Ausbau des Schwellholzes
muss auch das Sockelmauerwerk soweit
wie nötig instand gesetzt werden.
Schadhafte Steine sind zu ersetzten.
Bei einem notwendigen
kompletten Neuaufbau des Sockels
ist entsprechend frostfrei zu gründen.
Als Mörtel kommen Trasskalkmörtel
in Frage. 16 Der Sockel ist so hoch auszuführen, dass die Schwelle außerhalb
des Spritzwasserbereiches zu
liegen kommt, also mindestens 30
cm über Oberkante Gelände Die Oberfläche des sanierten Sockelmauerwerks
muss eben sein,
damit kein Wasser unter das
Schwellholz eindringen kann. Bei Sockeln
aus Ziegelmauerwerk wird die
oberste Schicht als Rollschicht unter
Verwendung gefaster Steine ausgeführt.
Diese Fase soll etwa 1cm
unter das spätere Schwell reichen.
So kann Regenwasser schadlos ablaufen.
Falsch wäre ein über das
Schwell vorstehender gerader Sockel,
auf dem sich anfallendes Wasser
aufstauen und unter das
Schwellholz und in die Konstruktion
gelangen würde. Bei einem Natursteinsockel
muss die Vorderkante
ebenfalls um 45° abgeschrägt werden.
Vor Einbau der Schwelle wird auf
dem Sockel eine Horizontalsperre
angeordnet. Vorzugsweise sollte
diese Sperre aus einem Streifen Blei
direkt unter der Schwelle bestehen.
Während auf der Innenseite eine
Vertikalsperre zur Verhinderung des
Eindringens von Feuchtigkeit in das
Bauwerk vorzusehen ist, sollte die
Sockelaußenseite oberhalb der Geländeoberkante
diffusionsoffen und
kapillar leitend ausgebildet werden,
um einen Feuchteaustausch zu ermöglichen. 17
Ausfachungen
Als Vorläufer der Fachwerkbauten
im heutigen Sinne gelten in Niedersachsen
sogenannte Stabbauten
oder Ständerbohlenbauten. Bei diesen
wurden die Bereiche zwischen
der Hölzern durch Bohlen geschlossen,
die während des Richtens in
Nuten gestellt wurden oder, wie
beim Bohlenständerbau, an einen
Falz genagelt. 18 Seit dem 13. Jahrhundert wurden
statt dieser Bohlenausfachungen
auch Flechtwerke mit Lehmbewurf
verwendet. 19 Dabei wurden Äste,
zum Beispiel Weidenruten, zwischen
senkrecht stehenden Staken verflochten
und anschließend mit
Lehm beidseitig beworfen und verstrichen.
Die Staken waren in Nuten
in die waagerechten Fachwerkhölzer
eingelassen. Der besseren Haltbarkeit
wegen wurde dem Lehm
langfaseriges Stroh beigemengt.
Die fertige Ausfachung erhielt Ritzungen
zur besseren Putzhaftung
des Oberputzes, der aus feinem
Lehm mit Zusätzen bestand. 20
Eine weitere Art der Ausfachung bildeten
ab Mitte des 16. Jahrhunderts
sogenannte Lehmweller. Hierbei
handelt es sich um mit Strohlehm
umwickelte Staken, die senkrecht
und später waagerecht verbaut
wurden. Ab Ende des 16. Jahrhunderts
finden sich erste Lehmziegel-
Ausmauerungen. 21 Die getrockneten
Lehmsteine wiesen neben der
Vorfertigung den Vorteil auf, weniger
Wasser in die Holzkonstruktion
des Hauses einzutragen. Es wirkt nur
der relativ geringe Anteil an Mörtel
feuchtesteigernd.
Mitte des 17. Jahrhunderts kamen
Ausfachungen aus Bruchsteinen
auf, die eine höhere Festigkeit und
Wetterbeständigkeit aufwiesen und
teilweise mit Lehm, später mit Kalk
vermauert waren. Die wärmedämmenden
Eigenschaften des Lehms
konnten damit allerdings nicht erreicht
werden. 22
Parallel kam die Ausfachung mit Ziegelsteinen
in Mode. In Quedlinburg
finden sich erste Anwendungen um
1630. 23 Die Steine wurden im Feldbrandverfahren
außerhalb der
Städte hergestellt und angeliefert.
Bedingt durch die hohe Festigkeit
des Ziegelmauerwerks konnte auf
aussteifende Streben verzichtet werden,
was in der Folge zu Veränderungen
der Fachwerkkonstruktionen
führte. Teilweise wurden die Steine in
Mustern als Zierausfachung vermauert und die Gefache blieben
außen ohne Verputz. Die Innenseiten
erhielten dagegen einen Lehmputz
mit Strohhäckseln, der oft mit einem
dünnen Gipsputz überzogen
ist. Zum Teil sind die Ziegel auch
hochkant angeordnet.
Diese Sparkonstruktion kam vor allem
an untergeordneten Fassaden
zum Einsatz. Bis ins 18. Jahrhundert
war es üblich, lediglich die Gefache
zu verputzen. Die Ständer und
Riegel blieben frei. Erst danach
setzte mit dem Trend zum Steinhaus
eine Entwicklung ein, die versuchte,
das Fachwerk dem Massivbau anzugleichen.
Innenräume, auch bei
älteren Gebäuden, erhielten einen
vollflächigen Putz. Dieser bestand
meist aus Lehm und wirkte zusätzlich
wärmedämmend. Überputzte Fachwerkfassaden,
meist nur straßenseitig,
sollten ein Steinhaus vortäuschen.
Die fachwerksichtigen
Fassaden der heutigen Zeit sind
nicht selten Rückbauten vorangegangener
Jahrzehnte.
Während das Aufkommen der einzelnen
Ausfachungsarten stets einen
technologischen Fortschritt
markiert, der anhand der jeweils frühesten
erhaltenen Vorkommen datierbar
ist, blieben die älteren Varianten
auch weiterhin in Gebrauch.
Lehmsteine und Lehmweller wurden
beispielsweise noch bis Anfang des
20. Jahrhunderts verwendet. 24
In den WTA-Merkblättern wird darauf
hingewiesen, dass bei der Sanierung
von Fachwerk Ausfachungsmaterialien
eingesetzt
werden, die keine bauaufsichtliche
Zulassung bzw. ein bauaufsichtliches
Prüfzeugnis haben. Deshalb ist
eine „Zustimmung im Einzelfall“ einzuholen
und die Abweichung von
der Bauordnung zu beantragen. 25
Müssen Gefache nur teilweise ergänzt
werden, sollte möglichst das
gleiche Ausfachungsmaterial zum
Einsatz kommen wie bereits vorhanden.
Darüber hinaus gelten für die
Auswahl der Ausfachung folgende
Kriterien: Das fertige Gefach sollte
diffusionsoffen und kapillar leitfähig
sein. Dadurch wird gewährleistet,
dass eingedrungene Feuchtigkeit in
Form von Wasserdampf oder in flüssiger
Form aus Schlagregen sowie
Tauwasser austrocknen kann. Darüber
hinaus sollte die Ausfachung
nicht zu steif sein, um auftretende
Spannungen aus den Fachwerkhölzern
besser tolerieren zu können.
Weiterhin ist die Standsicherheit bei
der Wahl des Gefachmaterials zu
beachten. Zwar werden im Fachwerk
grundsätzlich die Lasten über
die Holzkonstruktion abgetragen,
Ausfachungen aus Ziegeln können
aber eine aussteifende Funktion haben,
was sich im Fehlen von Verstrebungen
deutlich ablesen lässt.
Vor dem Beginn der Ausfachungsarbeiten
empfiehlt sich der Anstrich
der Flanken der Fachwerkhölzer mit
einer diffusionsoffenen Grundierung.
Ein zusätzlicher Anstrich mit einer
diffusionsoffenen Beschichtung
kann den Wassereintrag verringern.
26
Bedingt durch die Tatsache, dass
historische Fachwerkwände in der
Wärmedämmwirkung weit unter
den heute üblichen Anforderungen
liegen, gibt es Bestrebungen, dieses
Defizit durch ein wärmedämmendes
Gefachmaterial zumindest teilweise
auszugleichen. Dabei wird
meist auf moderne Baustoffe zurückgegriffen,
deren konstruktive
und bauphysikalische Eigenschaften
für die Bedingungen im Fachwerkbau
jedoch teilweise ungeeignet
sind.
Bei der Sanierung des Gebäudes in
Fallbeispiel 3 wurde als Ausfachungsmaterial
Porenbeton
(YTONG-Plansteine) verwendet.
(Ausschnitt)
Die verbesserte Wärmedämmung
dieses Baustoffes bedingt aber
auch eine bauphysikalischen Eigenschaft,
die sich im Fachwerkbau
negativ auswirken kann: Große Gasporen
sorgen für eine niedrige Wärmeleitfähigkeit, gleichzeitig wird
aber die Austrocknung eingedrungener
Feuchtigkeit aufgrund der kapillaren
Struktur behindert, was, wie
im vorliegenden Fall, unter Frosteinwirkung
zu Absprengungen und Rissen
führen kann. Zusätzlich wirken
die Plansteine im Verbund mit Fugenkleber
wie eine starre Scheibe,
die sich unvermeidlichen Bewegungen
der Holzkonstruktion nicht
anpassen kann und ebenfalls zu Rissen
führt.
Durch das teilweise Herausdrücken
der Ausfachungen aus der Konstruktion
kann Wasser in die Konstruktion
eindringen und das Holz
schädigen. 27
Neben den oben beschriebenen
Porenbetonsteinen mit Klebemörtel
gibt es weitere Materialien, die als
Gefachfüllung ungeeignet sind.
Wichtige Positivkriterien sind Diffusionsoffenheit
und kapillare Wirksamkeit
der Baustoffe. Diese können
zum Beispiel Lochsteine, egal ob
aus Ziegel oder Kalksandstein, nicht
erfüllen. In den Hohlräumen wird
aufgenommenes Wasser zurückgehalten,
was zu einer verzögerten Abtrocknung
führt. Darüber hinaus
kann sich dort Tauwasser bilden. In
der Folge würde die Ansammlung
von Feuchtigkeit zu Fäulnis an den
Hölzern führen. Lochsteine sollten
deshalb nicht zum Einsatz kommen.
28
Ebenfalls ungeeignet sind Klinker.
Die versinterte Oberfläche ist wasserabweisend.
Dadurch kann zwar
über die Fläche kaum Regenwasser
eindringen. Über Anschlussfugen
zum Holz und durch Tauwasserausfall
in die Konstruktion gelangte
Feuchtigkeit kann jedoch nicht kapillar
austrocknen. Durch Verwendung
von Zementmörtel wird diese
negative Wirkung noch verstärkt. 29
Sanierungsempfehlungen
Neben der Auswahl geeigneter Materialien
ist eine gute Vorbereitung
der Fachwerkkonstruktion vor Beginn
der Arbeiten entscheidend.
Hierzu zählt das Streichen der Außenseiten
und Flanken der Hölzer
mit Holzschutzmitteln entsprechend
der Gefährdung nach DIN 68800-
Teil 3. 30 Die Fuge zwischen Holz und
Gefach erfordert große Aufmerksamkeit.
Je nach Gefachmaterial
sind hier unterschiedliche Maßnahmen
erforderlich.
Lehmflechtwerk
Die älteste Art der Ausfachung bietet
auch heute noch hervorragende
Eigenschaften gegenüber anderen
Materialien. Lehm ist schadstofffrei
und mit geringem Energieaufwand
aufzubereiten. Er ist diffusionsoffen,
kapillar leitfähig und vollständig wiederverwertbar.
Da getrockneter
Lehm mit Wasser wieder aufgelöst
werden kann, lassen sich bestehende
Lehmgefache gut reparieren.
Bei Feuchteaufnahme quillt trockener
Lehm leicht auf. Diese
Eigenschaft sorgt für eine gute Abdichtung
der Fugen und Ritzen. Um
Auswaschungen und zu starke
Durchfeuchtung zu verhindern, ist
ein Außenputz vorzusehen. Empfehlenswert
ist ein Kalkputz. Wegen
der schlechten Putzhaftung ist eine
spezielle Vorbehandlung des Untergrundes
nötig. Lehmputz ist auf
Grund der fehlenden Witterungsbeständigkeit
ungeeignet.
Vor dem Einbau der Ausfachung
müssen die Flanken der horizontalen
Fachwerkhölzer mittig mit Nuten
versehen werden, in welche die Staken
eingeschoben werden. Anschließend
erfolgen die Verflechtung
mittels Astruten und der
mehrlagige beidseitige Bewurf mit
Lehm. Die Dicke des Außenputzes,
der das Gefach bündig mit den Hölzern
abschließen soll, muss freigelassen
werden. Um die Putzhaftung
zu verbessern, ist der Lehmputz
durch Ritzung aufzurauen. Bei Bedarf
sollte ein zusätzlicher Putzträger
verwendet werden.
Der Einbau des feuchten Lehms
trägt viel Wasser in den Bau ein, was
sich ungünstig auf die Holzkonstruktion
auswirkt. Für eine gute Austrocknung
muss gesorgt werden.
Durch Quellen und Schwinden entstehen
Risse und Fugen, die nachträglich
mit Lehm zu schließen sind.
Lehmsteine
Der Nachteil des hohen Feuchteeintrags
bei frischem Lehm kann
durch die Verwendung vorgefertigter Lehmsteine reduziert werden.
Hier wird nur der Mörtelanteil feucht
eingebaut. Durch einen hohen Faser-
und Strohanteil erhöhen sich
Formstabilität und Wärmedämmung 31.
Vermauert wird mit Lehmmörtel.
Bei Lehmstein-Ausmauerung sind
an den Ständern und am unteren
Riegel oder Schwell Trapezleisten
einzubauen. Diese werden mittig
am Holz mittels Nägel befestigt und
sorgen für eine Verankerung der
Ausmauerung in der Konstruktion.
Am oberen Abschluss übernimmt
eine eingefräste Nut diese Funktion.
Als Gegenstück zur Leiste ist eine
Nut in den Steinen vorzusehen. Der
Lehmmörtel soll bei der Vermauerung
die Leisten vollständig umschließen
und die Nut ausfüllen. Die
Ausfachung muss um Außenputzdicke
ins Gefach zurückversetzt sein.
Das Auskratzen der Fugen erhöht
die Haftung des außen notwendigen
Kalkputzes. Teilweise sind Putzträger
nötig. 32
Naturstein
Soll mit Natursteinen ausgefacht
werden, müssen die Steine zumindest
an der Außenseite eben sein.
Der Arbeitsaufwand für die Vermauerung
steigt bei nicht quaderförmigen
Steinen erheblich an. Zu
den Vorteilen der meisten Natursteine
wie Sandstein zählen die gute
Wärmespeicherfähigkeit und Tragfähigkeit,
was historisch teilweise bei
Gefachen mit aufliegenden Deckenbalken
eine Rolle spielt. Gleichzeitig
besitzen diese Steine jedoch
eine hohe Wärmeleitfähigkeit und
teilweise geringe Diffusionsoffenheit.
Positive und negative Aspekte sind
stets abzuwägen. Für eine komplette
Neuausfachung kommen Natursteine
deshalb eher nicht in
Frage. Als Ersatz bestehender Konstruktionen
haben sie aber ihre Berechtigung.
Beim Einbau kann auf die Nut als
Gegenstück der Trapezleisten in
den Steinen verzichtet werden.
Ohne Außenputz sind die Steine
bündig mit den Außenkanten der
Hölzer zu verbauen. Sonst ist die Außenputzstärke
abzuziehen.
Als Mörtel kommen Kalkmörtel mit
Trasszusatz in Frage. Die unterschiedlichen
bauphysikalischen Eigenschaften
verschiedener Natursteine
sind unbedingt zu beachten.
33
Historische Ziegel
Ziegel sind zumindest in der Region
um Quedlinburg das meistgenutzte
Material für Ausfachungen. Das hat
verschiedene Gründe. Zum einen
lassen sich Ziegel schnell und leicht
verarbeiten. Auf Grund der geringen
Abmessungen können sie der
Fachwerkkonstruktion gut angepasst
werden, zum Beispiel bei der
Schließung kleinerer Gefache oder
bei Bereichen um schräg verlaufende
Hölzer wie Streben. In Verbindung
mit dem Fugenmörtel können
Ziegelausfachungen zudem Spannungen
aus der Bewegung der
Fachwerkkonstruktion gut aufnehmen.
Da sie wasserbeständig und
nicht brennbar sind, wurden sie ab
Mitte des 17. Jahrhunderts vielfach
verwendet. Auch ältere Ausfachungen
wurden bei Umbauten von
Häusern und Sanierungen oft durch
Ziegelmauerwerk ersetzt.
Die historischen Gefache sind oft
unverputzt mit Ziegeln in Mustern als
Ziergefache ausgeführt. Die Feldbrandziegel
haben eine charakteristische
unregelmäßige Oberfläche,
die sie von den später
industriell gefertigten Steinen unterscheidet.
Bei Ergänzung solcher Ziergefache
muss deshalb aus denkmalpflegerischer
Sicht auf Altziegel
zurückgegriffen werden.
Zur Vermauerung wird ein Kalkmörtel
verwendet. In die Steine ist eine
Nut einzuarbeiten zur Anpassung an
die Trapezleisten, die mittig an den
Hölzern für den Verbund von Gefach
und Holzkonstruktion sorgen.
Soll ein Außenputz aufgetragen werden,
sind die Steine um Putzdicke
versetzt ins Gefach einzubauen. Die
Fugen werden durch Glattstrich des
Mauermörtels verschlossen. Nachträgliche
Verfugungen sind wegen
der geringeren Haftung dünner
Mörtelschichten zu vermeiden. 34
Porosierter Leichtziegel
Sollen Gefache vollständig neu ausgefacht
und verputzt werden, können
– anders als bei steinsichtigen
Fassaden – auch modere Ziegel
eingesetzt werden. Spezielle Ziegel
für den Fachwerkbau kombinieren die positiven Eigenschaften historischer
Vollziegel wie Diffusionsfähigkeit
und kapillare Leitfähigkeit mit
wärmedämmenden Eigenschaften.
Der auf Initiative des Deutschen Zentrums
für Handwerk und Denkmalpflege
entwickelte, sogenannte porosierte
Leichtziegel verfügt bereits
über Nuten für die Trapezleiste. 35 Als
Vollziegel gewährleistet er den nötigen
kapillaren Feuchtetransport. Da
insbesondere bei Sichtfachwerk
Wärmedämmung nur im Gefach
und durch bauphysikalisch problematischere
Innendämmung möglich
ist, bietet der porosierte Ziegel
gute Ansätze für besseren Wärmeschutz.
Die Verarbeitung erfolgt wie
beim historischen Vollziegel in Kalkmörtel.
Ein Außenputz ist vorzusehen.
Putze
Putze lassen sich wie Mörtel nach der
Art ihres Bindemittels einteilen. Je
nach Ort der Anwendung unterscheidet
man zusätzlich zwischen Innen-
und Außenputzen. Mörtelbindemittel
erhärten durch Austrocknung
oder chemische Umsetzung,
wenn sie mit Wasser angemacht werden.
Anhand ihres Verhaltens gegenüber
Wasser werden unhydraulische
(an der Luft erhärtende) und
hydraulische Bindemittel, die auch
unter Wasser weiter erhärten, unterschieden.
Mörtel mit unhydraulischen
Bindemitteln, so genannte Luftmörtel,
sind nicht wasserbeständig. 36
Reiner Luftkalk, der im traditionellen
Nasslöschverfahren aus Brandkalk
hergestellt wird, ist heute kaum noch
gebräuchlich. Verwendet wird stattdessen
so genanntes Weißkalkhydrat,
das im industriellen Trockenlöschverfahren
hergestellt und
gemahlen als Sackware geliefert
wird. Je nach Produkt beträgt der
Anteil hydraulisch wirkender Bindemittel
bis zu 30%. 38 Dadurch steigt
die Resistenz des Putzes gegen Witterungseinflüsse
an.
Als Zuschlagstoffe für Putzmörtel
kommen Feinsande und gegebenenfalls
Fasern zur Erhöhung der
Reißfestigkeit zum Einsatz.
Lehmmörtel ist aufgrund seiner Eigenschaft,
unter Wassereinfluss
seine Festigkeit zu verlieren, nicht
schlagregenbeständig. Im Außenbereich
muss deshalb stets ein
schützender Kalkputz oder eine Bekleidung
zusätzlich vorgesehen werden.
Im Innenbereich sorgen Lehmputze
für ein hygienisches und
angenehmes Wohnklima.
Außenputze
Besonders an Außenputze werden
im Fachwerkbau hohe Anforderungen
gestellt. Sie müssen einerseits
witterungsbeständig sein, andererseits
soll der gesamte Wandaufbau
möglichst homogen, diffusionsoffen
und kapillar leitfähig sein. Je nach
Ausfachungsart müssen geeignete
Putze ausgewählt werden.
Das folgende Beispiel zeigt, dass
dieser planerische Grundsatz nicht
immer beachtet wird. Der ursprünglich
mit einer Bekleidung versehene
Fachwerkgiebel wurde bei der Sanierung
fachwerksichtig gestaltet.
Die Ausfachung aus Lehmsteinen wwurde mit einem Lehmputz versehen
und anschließend mit einer
Kalkschlämme überstrichen. Diese
Variante ist nicht schlagregenfest,
so dass die dünne, Kalkschicht recht
schnell abgewaschen wurde und
das Regenwasser ungehindert den
wasserlöslichen Lehm angreifen
konnte. Nach dem Auswaschen des
Lehmputzes lagen teilweise die
Lehmsteine frei und waren ungeschützt
der Witterung ausgesetzt.
Sanierungsvorschlag:
Zunächst hat der Planer sich einen
Überblick über die Schlagregenbelastung
zu verschaffen. Ist eine höhere
Belastung als Kategorie I nach
DIN 4108-2 gegeben, sollte nach
Möglichkeit eine Bekleidung des
Giebels vorgesehen werden. Die
Tatsache, dass diese bereits früher
einmal vorhanden war, zeigt wie
wichtig es ist, sich in der Planungsphase
intensiv mit den Gegebenheiten
eines Gebäudes auseinander
zu setzen. Die Freilegung der
Fassade aus ästhetischen oder
denkmalpflegerischen Gründen
kann kontraindiziert sein und
schwere Schäden der Substanz hervorrufen.
Ist keine Bekleidung nötig
oder möglich, erfolgt ein Verputz
der Gefache. Ein vollflächiger Putz
sollte wegen des unterschiedlichen
Verhaltens von Holz und Ausfachung
und der daraus resultierenden
Rissbildung vermieden werden.
Vor den Verputzarbeiten muss die
Wandkonstruktion gut ausgetrocknet
sein. 39 WWenn das nicht möglich
ist, treten durch das Schwinden der
Hölzer unweigerlich Risse und Fugen
zwischen Putz und Holz von teilweise
mehr als 10 mm auf. Hier muss nach
entsprechender Zeit nachgearbeitet
werden. Auf die Problematik der
Fugen im Fachwerkbau wird im Kapitel
Fugenabdichtung näher eingegangen.
Da der Außenputz wie der übrige
Wandaufbau diffusionsoffen, aber
auch wetterbeständig sein soll, kommen
als Mörtel nur Kalkmörtel aus
gelöschtem Branntkalk oder Weißkalkhydrat
in Frage. Die Zugabe von
Trasskalk zur Verzögerung des Abbindens
führt zu widerstandsfähigeren
Putzen. Je nach Ausfachung
sind unterschiedliche Zusammensetzungen
und Putzvorbereitungen
nötig.
Außenputz auf Lehmgefachen
Bestehen die Ausfachungen aus
Lehm, also aus Stakung, Flechtwerk
oder Lehmsteinen, handelt es sich
um einen ungünstigen Putzgrund.
Kalkputze bilden mit dem Lehm keinen
ausreichenden chemischen
Verbund. Zur Verbesserung der Haftung
sind die Fugen etwa 10–15 mm
tief auszukratzen, der Lehm durch
Ritzung oder Beilhiebe aufzurauen
oder Putzträger vorzusehen. Diese
sollten im Außenbereich aus unverrottbaren
Materialien bestehen. Zunächst
wird das Gefach mit einem
Spritzbewurf vorgespritzt. Dazu eignet
sich ein grobkörniger Kalkmörtel.
Anschließend wird der Putzträger
aufgebracht. Zu empfehlen ist ein
auf das Gefach getackertes Kunststoffgewebe.
Die Anschlüsse zum
Holz sind frei zu lassen, um Spannungen
nicht auf den Putz zu übertragen.
Anschließend folgt die einlagige
Putzschicht aus Kalkputz.
Diese ist bündig mit der Fachwerkkonstruktion
abzuziehen. 40 In Ausnahmefällen
kann aus denkmalpflegerischer
Sicht oder beim
Verputzen holzbündiger Ausfachungen
eine Kissenbildung erforderlich
sein. Diese muss jedoch im
Grundputz oder Ausfachungsmaterial
ausgebildet werden. Der Oberputz sollte stets eine gleichmäßige
Putzdicke haben. 41 Zudem ist darauf
zu achten, dass die Randanschlüsse
zu den Balken abgeschrägt werden
müssen, damit Wasser ablaufen
kann. Keinesfalls dürfen die Balken
teilweise eingeputzt werden, da
Wasser direkt in die Fuge zwischen
Holz und Putz geleitet und zu Fäulnis
führen würde.
Zum Schluss erfolgt die Bildung einer
Sollrissstelle im Anschlussbereich
Holz-Putz durch Einschnitt mit dem
Cuttermesser. 42
Putze auf Ziegel- oder Natursteinausfachungen
Bei Ziegelmauerwerk ist auf Grund
der guten Putzhaftung kein Putzträger
nötig. Die Fugen sollten jedoch
eine relativ raue Oberfläche aufweisen.
Lose Mauerwerksverfugungen
sind vor dem Verputzen auszukratzen.
Darüber hinaus gelten die
gleichen Anforderungen an den
Putz bezüglich Diffusionsoffenheit
und kapillarer Leitfähigkeit wie bei
anderen Ausfachungen. Wasserdampf
muss nach außen aus der
Konstruktion geleitet werden können.
Deshalb sind auch hier Kalkmörtel
anzuwenden.
Sehr harte Steine wie Basalt oder
Granit sind kein guter Putzgrund und
sollten unverputzt bleiben. Ansonsten
ist ein Zementspritzbewurf als
Haftbrücke aufzutragen, der jedoch
nicht mehr als 50% der Fläche bedecken
darf. 43 Durch den netzartigen
Auftrag bleibt die Diffusionsoffenheit
und kapillare Austrocknung
der Fläche gewährleistet. Besser geeignet
als Putzgrund sind Natursteine
mit rauen Oberflächen und
leicht saugende Materialien. 44
Der Putz ist auch hier balkenbündig
auszuführen und mit einer Sollrissstelle
zum Holz durch Kellenschnitt
zu versehen wie bereits beschrieben.
Überputztes Fachwerk
Als besonders ungünstiger Putzgrund
gilt Fachwerk. Bedingt durch
die unterschiedlichen Materialeigenschaften
von Ausfachungen
und Holz sowie die durch Umweltfaktoren
verursachten Quell- und
Schwindverhalten des Holzes resultieren
Spannungen, die eine angestrebte
langfristige Haltbarkeit des
Putzes negativ beeinflussen. Risse
im Putz, die auf Grund der Spannungen
entstehen, führen in der
Folge, abgesehen von der optischen
Beeinträchtigung, zu vermehrtem
Eindringen von Wasser in
die Konstruktion mit allen daraus resultierenden
negativen Erscheinungen.
Dem kann nur durch entsprechende
vorbereitende Maßnahmen
entgegengewirkt werden. Es
sei jedoch vorangestellt, dass in
Fachwerkkonstruktionen immer Bewegungen
auftreten können, die
auch bei fachgerechter Ausführung
zu Rissen im Putz führen.
Der Einsatz eines Putzträgersystems
ist erforderlich, der vollflächig auf
der Fachwerkkonstruktion aufzubringen
ist. Gebräuchlich sind Schilfrohrmatten,
Holzwolle-Leichtbauplatten
sowie Drahtgewebe oder
Ziegeldraht. Befestigt wird der Putzträger
mittels rostfreier Befestigungsmittel
im tragfähigen Gefach, da
das Holz größere Bewegungen vollzieht,
was die Rissbildung verstärkt.
Auf den Fachwerkhölzern wird eine
entkoppelnde Trennlage benötigt.
Dafür sind Vliese geeignet, keinesfalls
jedoch Bitumenbahnen oder
andere nicht diffusionsoffene Materialien.
In der letzten Putzlage hat
sich die Anordnung eines vollflächigen
Gewebes bewährt. 45
Innenputz
Beim Innenputz ist zwischen Innenwänden
und Innenflächen der Außenwände
zu unterscheiden. Da in
der Regel während einer Sanierung
Außenwandflächen mit einer Innendämmung
versehen werden,
soll hier nur auf diese Variante eingegangen
werden.
Wegen seiner bauklimatischen und
bauhygienischen Eigenschaften
eignet sich Lehm besonders gut als
Innenputz. Lehmputz wird auf der
Innendämmung zweilagig aufgebracht.
Der Unterputz ist gröber und
wird mit Strohhäckseln und anderen
Fasern zur besseren Rissbeständigkeit
versetzt. Da Lehm sehr gut
auf Lehm haftet, muss die Oberfläche
nicht extra aufgeraut werden.
Als Armierung kann ein Jutegewebe
aufgespachtelt werden. Anschließend
folgt der feinere Deckputz. Zuvor
muss der Unterputz jedoch gut
durchgetrocknet sein. Dies kann je
nach Untergrund mehrere Wochen
dauern. Während der Trocknungsphase
entstehende Schwindrisse
können durch Glätten wieder verrieben
werden. 46
Bei Innenwandflächen kann sowohl
vollflächig als auch fachwerksichtig
verputzt werden. Bei vollflächigem
Putz ist wie im Außenbereich ein
Putzträger einzusetzen. Hier genügt
allerdings ein balkenbreiter Streifen
aus Rohrgewebe. Es wird am Holz
angetackert und dient der Putzhaftung.
Zur Armierung und Vermeidung
von Rissen am Übergang vom
Holz zum Gefach kann ein Gewebe
verwendet werden. 47
Fugenabdichtung
Der wirksame Schlagregenschutz
bei Fachwerk stellt besonders hohe
Anforderungen an Planer und Ausführende.
Fachwerksichtige Fassaden
bieten nicht nur in der Fläche
Möglichkeiten des Wassereintritts.
Besonders gefährdet sind die Fugen
zwischen Holz und Gefachen sowie
Risse in den Hölzern. Bisher gibt es
keine langzeitbewehrte Methode,
eine Fachwerkfassade schlagregendicht
auszubilden. Der Wassereintritt
über Fugen ist unvermeidlich
und kann zum Feuchtestau in der
Konstruktion und in der Folge zu
Fäulnisschäden führen. 48
Notwendig ist deshalb eine Vielzahl
von konstruktiven Maßnahmen, die
sicherstellen, dass einerseits die
Menge des eindringenden Wassers
reduziert wird und andererseits in
die Konstruktion gelangtes Wasser
austrocknen kann. Dazu muss die
kapillare Leitfähigkeit der gesamten
Wandkonstruktion sichergestellt werden.
Dies betrifft Ausfachungsmaterialien
und Dämmstoffe, aber
auch Anstriche und Beschichtungen.
Konstruktive Maßnahmen wie Bohrungen
zur Ableitung des Wassers
aus Zapfenlöchern in Schwellhölzern
nach außen sorgen für das
Austrocknen der Konstruktion. Besonders
wichtig ist jedoch der konstruktive
Holzschutz zur Vermeidung
des Wassereintritts.
Im Grunde bieten Fassaden aus
Fachwerk nur in der Beanspruchungsgruppe
I der DIN 4108-3 einen
ausreichenden Schlagregenschutz.
Fassaden höherer Gruppen,
z.B. wenn sie frei vom Wind angeströmt
werden können, benötigen
in der Regel einen zusätzlichen konstruktiven
Wetterschutz. Wind kann
unter Umständen dafür sorgen, dass
Wasser in Ritzen und Fugen regelrecht
„hineingedrückt“ wird. 49
Historische Bekleidungen wie Schieferbehang
oder vollflächiger Verputz
können ein Hinweis auf erhöhte
Schlagregenbeanspruchung einer
Fassade sein. Vor der geplanten
Freilegung sollte dieser Zusammenhang
unbedingt abgeklärt werden.
Gegebenenfalls ist auf den Rückbau
der Bekleidung zu verzichten.
Im Folgenden soll auf die Fugenabdichtung
fachwerksichtiger Fassaden
eingegangen werden. Wie bereits
erwähnt, kann diese
Schwachstelle bisher nicht dauerhaft
dicht ausgeführt werden. Durch
unvermeidliche Umwelteinflüsse
quellende und schwindende Fachwerkhölzer
sorgen früher oder später
für einen Abriss der Putzflächen
vom Holz. Wie im vorangegangenen
Abschnitt „Maurer- und Putzarbeiten“
beschrieben, muss deshalb
durch Kellenschnitt mit dem Cuttermesser
eine Sollbruchstelle geschaffen
werden. Für eine zusätzliche
Feuchtesperre sorgen Trapezleisten entlang der Hölzer bei gemauerten
Gefachen, die gleichzeitig
eine Lagesicherung der Ausfachung
sicherstellen.
Bei dem in Fallbeispiel 3 benannten
Gebäude wurden im Sanierungsverlauf
der vorhandene Walmgiebel
abgetragen, ein Dreiecksgiebel
sowie Teile des Fachwerks im Erdgeschoss
neu errichtet, die Gefachfelder
mit Porenbeton geschlossen
und auf eine Wetterschutzbekleidung
verzichtet. Aufgrund der Fassadenschiefstellung
konnte Regenwasser
an der Giebelfläche der
oberen Stockwerke herunterlaufen
und durch Fugen und Risse im Fachwerk
ungehindert in die Konstruktion
eindringen. Neben erheblichen
Fäulnisschäden an den Hölzern wurden
die Gefache - begünstigt durch
den Verzicht auf die Trapezleisten -
teilweise aus der Konstruktion herausgedrückt
und bildeten so zusätzliche
Eindringmöglichkeiten für
Regenwasser. 50 Im Bild ist zu erkennen,
dass die Steine stumpf gegen
die Fachwerkhölzer stoßen. Durch
Bewegungen der Holzkonstruktion
reißen diese Flanken auf und werden
dauerhaft undicht.
Sanierungsvorschlag
Wichtig für eine möglichst gute Abdichtung
ist nicht allein die Ausbildung
der Fuge. Entscheidenden Anteil
hat auch die Qualität der neu
einzubauenden Fachwerkhölzer.
Nicht selten liegt deren Holzfeuchte
beim Einbau über der Ausgleichsfeuchte
von 16–18 %. Bei Austrocknung
des Holzes entstehen so durch
Schwinden Fugen von mehr als 1cm
Breite. Die Verwendung trockenen
Holzes kann also die Entstehung
breiter Fugen bereits im Ansatz verhindern.
Nicht immer ist neues Holz
mit entsprechender Holzfeuchte
leicht zu beschaffen. Daher empfiehlt
sich die Wiederverwendung
von Altholz. Da sich jedoch auch
bei sorgfältiger Planung und Bauausführung
Fugen und Risse nicht
vollständig vermeiden lassen, müssen
diese entsprechend nachgearbeitet
werden. Dabei ist zwischen
Rissen im Holz und Fugen zwischen
Holz und Gefach zu unterscheiden. 51
Risse in den Hölzern sollten, wenn
sie breiter als 1cm sind, ausgespänt
werden. Hierfür verwendet werden
keilförmige Leisten der gleichen
Holzart wie die auszuspänenden
Fachwerkhölzer. Die Faserrichtung
von Keilen und zu behandelnden
Hölzern muss übereinstimmen. Fugen
zwischen Fachwerk und Ausfachung
können durch Beiputzen geschlossen
werden. Dazu sind die
Fugen zunächst auf eine Breite von
2–3 cm zu erweitern, um durch
Oberflächenvergrößerung die Putzhaftung
zu verbessern. Eine Armierung
des einzubringenden Mörtels
mittels Tierhaaren bei Kalkputz oder
Strohhäckseln bei Lehmputz minimiert
die Rissbildung. Das Einbringen
erfolgt mehrlagig mit ausreichenden
Trockenzeiten. Der
abschließende Oberputz sollte
keine Tierhaare enthalten, damit
diese nicht an der Oberfläche erscheinen. 52
Auf das teilweise Einputzen der
Fachwerkhölzer, zum Beispiel an
stark geschädigten Kanten mit Substanzverlust,
ist zu verzichten. Durch
die unterschiedlichen Materialeigenschaften
und die schlechte Haftung
des Putzes am Holz löst sich
dieser schnell ab und bietet dem
Regenwasser gute Möglichkeiten
einzudringen. Keinesfalls verwendet
werden sollten elastische Fugendichtmassen.
Nach heutigem
Kenntnisstand ergibt sich damit
keine dauerhaft beständige Abdichtung.
Vielmehr kommt es auf
Grund der Bewegungen im Fachwerk
zu Flankenabrissen zwischen
Hölzern und Dichtmaterial. Dadurch
kann Wasser in die Konstruktion eindringen.
An anderen Stellen, an denen
die Dichtmasse noch intakt ist,
behindert sie dann das Austrocknen
des eingedrungenen Wassers
durch Diffusion oder Kapillartransport
und verstärkt dadurch die
Schäden. 53
1 Zwiener, G.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; Daten,
Sachzusammenhänge, Regelwerke, 1. Auflage, C.F.
Müller Verlag GmbH Heidelberg 1994, S. 351 ff.
2 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.2, S. 4-6
3 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.2., S. 5
4 Holzschutzgutachten, 30.06.2006, Pkt. 2.3.2., S. 16
5 z.B. ergänzende Bauvorschrift des Königreiches Württemberg von 1836, die besagt, dass alle in Holzbauweise errichteten Gebäude spätestens im dritten Jahr nach ihrer Vollendung verblendet werden sollten. aus: Wetzel, J. Holzfachwerk, Untersuchungen zu einer historischen Holzbauweise, zu ihrer Eigenart und Entwicklung und zur Erhaltung noch bestehender Bauten, Renningen: expert Verlag 2003
6 Schauer, H-H.; Die Fachwerkstadt Osterwieck, Eine Analyse der Baugeschichte der Stadt und ihrer Werte sowie ein Bericht über denkmalpflegerische Arbeit bis 1990, Verlag für Bauwesen, S. 94 ff
7 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
8 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
9 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …,Fotodokumentation S. 8 bis 27
10 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …,Fotodokumentation S. 8 bis 31 ff
11 Scholz, W.; Baustoffkenntnisse, Werner-Verlag 1995, 13. Auflage, S. 78 ff, Flassenberg, G.; Bauen mit Porenbeton-Bausystem, Baugewerbe 1-2/2007, S. 16
12 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus …, S. 33 ff
13 AURO Pflanzenchemie AG, Braunschweig, Technisches Merkblatt Auro Kork-Füllmasse Nr. 396, Stand: 01.11.2002, überarbeitete Version
14 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.51 f.
15 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S.8.
16 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren,Stuttgart 2007, S.58.
17 ebenda, S. 57
18 Großmann: Der Fachwerkbau. Köln, 2. Auflage 1987, S.101 f.
19 ebenda
20 Griep: Das Bürgerhaus in Goslar, Tübingen 1984, S. 47 ff
21 ebenda
22 ebenda
23 Schauer: Quedlinburg. Berlin, 1999, S. 40
24 Griep: Das Bürgerhaus in Goslar, Tübingen 1984, S. 48
25 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5.
26 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt 8-3-99/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2006, S. 5.
27 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
28 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2009, 7. Auflage, S.246
29 ebenda
30 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5.
31 Lenze: Fachwerkhäuser: Restaurieren-Sanieren-Modernisieren, Stuttgart 2007, S.102.
32 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 13 f.
33 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.104ff.
34 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.102ff.
35 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Fachwerkausfachungen, Themenbereich 5, Gefachvariante 2.1.1.
36 Scholz/Knoblauch: Baustoffkenntnis, Düsseldorf, 1991, S170.
37 ebenda, S. 25f, 152ff
38 Institut für Steinkonservierung e.V.: Mitteilung Nr. 7(05/2001), S.2.
39 Holzfeuchtemessungen im Objekt Lange Gasse 7 in Quedlinburg belegen, dass die Ausgleichsfeuchte von 20% erst wieder etwa ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten an den Außenwandkonstruktionen (incl. Innendämmung) erreicht wurde. Stöckicht, B., Eckermann, W., Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.; Ergebnisse zum DBU-Projekt: „Ökologisches Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung – Lange Gasse 7 in Quedlinburg, Az: 21529 2006
40 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.139ff.
41 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 9.
42 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 9.
43 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Gefacheputz, Themenbereich 7.1, S.2.
44 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.147.
45 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA IV: Außenbekleidungen. Merkblatt 8-4, Ausgabe 07.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 5f.
46 Lenze: Fachwerkhäuser restaurieren-sanierenmodernisieren, Stuttgart 2007, S.147.
47 CLAYTEC, Arbeitsblatt 6.1: Lehmputz, Ausgabe 2000, S. 5.
48 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III: Ausfachung von Sichtfachwerk. Merkblatt E-8-3, Ausgabe 06.2008/D, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2008, S. 8.
49 WTA: Fachwerkinstandsetzung nach WTA I: Bauphysikalische Anforderungen an Fachwerkgebäude. Merkblatt E-1-03,, Frauenhofer IRB-Verlag, München 2006, S. 5f.
50 Dipl.-Ing. B. Müller, öbuv Sachverständiger für Gebäude, Protokoll über die Feststellung beim Orttermin …2009 bezüglich der Bauschäden am Fachwerkhaus…
51 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Umgang mit Rissen und Fugen im Fachwerk, Themenbereich 9.1.
52 ebenda
53 Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege: Arbeitsblatt Umgang mit Rissen und Fugen im Fachwerk, Themenbereich 9.1.
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Grafik 1: Verteilung der Schäden an Natursteinsockeln (DFWZ QLB)
Abb. 1 und 2: Bei dem nachträglich mit einem Zementputz versehenen Sockelmauerwerk aus Naturstein löst sich die Putzschale großflächig. (DFWZ QLB)
Abb. 3 Auch bei der Gefachausmauerung mit großformatigen Bimssteinen äußern sich Spannungen im Gefachfeld durch Ausbruch der Gefacheecken. (DFWZ QLB)
Abb. 4 Die Innenansicht während der Bauphase zeigt YTONG-Plansteine als Gefachfüllung im Brüstungsbereich, darüber liegende Gefache behielten vermutlich die historische Gefachfüllung, (Foto: privat, Bauherr)
Abb. 5 Durch überhöhte Spannungen im Gefachfeld verursachte Rissbildung (DFWZ QLB)
Abb. 6 Schieferbekleidung über alle Stockwerke, Walmdach um 1905 (Foto: Stadtarchiv Osterwieck)
Abb. 7
Abb. 7 und 8 Die roten Linien verdeutlichen in der Bestandszeichnung (links) und dem Ausführungsfoto (rechts) die Schiefstellung des Westgiebels (Bestandszeichnung aus Akten des Eigentümers, Foto: privat, Bauherr bearbeitet DFWZ QLB)
Abb. 9 Ansicht des Giebels während der Bauzeit 1995 (Foto: privat, Bauherr, bearbeitet DFWZ QLB)
Abb. 10 Pflanzenbewuchs an den beschnitzten Brüstungsbohlen (DFWZ QLB)
Abb. 11 Die Gewebeeinlage in der Putzschicht endet ca. 2 cm vor der Außenecke und wird nicht herumgeführt. Das Eckprofil ist nicht systemkonform und wurde nur unzureichend am Untergrund befestigt. (DFWZ QLB)
Abb. 12 Trocknungsblockierende Spachtelmasse als Fugenfüllstoff verursacht bzw. fördert Feuchteschäden an den angrenzenden Hölzern. (DFWZ QLB)
Abb. 13 Feuchteschäden im Brüstungsbereiche konstruktiv bedingt, durch Spachtelmasse verstärkt (DFWZ QLB)
Abb. 14 Ungeschützte Fugenabdichtung mit Korkfüllmasse als vorerst optischer Mangel (DFWZ QLB)
Abb. 15 Bauschaum als Fugenfüllmasse zwischen Ausfachung und Fachwerk sowie zwischen den Konstruktionshölzern. (DFWZ QLB)
Abb. 16 Acrylhaltige Dichtmasse als provisorischer Verschluss breiter Risse in der Außenbekleidung eines Fachwerkhauses. (DFWZ QLB)
Abb. 17 Schlossberg 11 Sockelhöhe < 30 cm über Gelände (DFWZ QLB)
Abb. 18 Der Zementputz löst sich scheibenförmig von den Sandsteinen ab, die mit Algen und Moosen bewachsen sind (DFWZ QLB)
Abb.19: Nachträgliches Abschrägen eines Natursteinsockels (DFWZ QLB)
Abb. 20 Historisches Lehmflechtwerk, Breite Str. 49, Quedlinburg (DFWZ QLB)
Abb. 21 Giebelwand mit unterschiedlichen Ausfachungen: aus Natursteinen, Zierausfachung und Ziegeln hochkant, Steinweg 74, Quedlinburg (DFWZ QLB)
Abb. 22 Nachträglich verputzte Fachwerkfassade, (DFWZ QLB)
Abb. 23 Fassade Steinweg 74 ohne Streben (DFWZ QLB)
Abb. 24 Ausfachung mit YTONG (Foto privat Bauherr)
Abb. 25 Spannungsrisse im Gefach (roter Pfeil) und herausstehende Gefachecke (weißer Pfeil) (DFWZ QLB)
Abb. 26 Herstellung von Lehmflechtwerk (DFWZ QLB)
Abb. 27 Ausfachung mit Lehmsteinen (DFWZ QLB)
Abb. 28 Ausfachung mit Altziegeln (DFWZ QLB)
Tabelle 1: Bindemittel Auswahl nach Scholz/Knoblauch 37
Bild 29: Fachwerksichtiger Giebel mit abgewaschenem Anstrich (DFWZ QLB)
Bild 30: Fehlstellen in Lehmputz und Ausfachung durch fehlenden Wetterschutz (DFWZ QLB)
Bild 31: Rissbildung im Außenputz durch fehlende Gewebeumfassung der Eckbereiche (DFWZ QLB)
Bild 32: Aufnahme Ende der 80er Jahre nach Teilabnahme der Schieferbekleidung (Foto: Stadtmuseum Osterwieck)
Bild 33: Ausfachung erfolgte ohne Trapezleisten (Foto: privat Bauherr)
Bild 34: Dauerelastische Fugenmasse oberhalb des Fensters (DFWZ QLB)
Bild 35: Verstärkung der Schäden durch nicht haltbare dauerelastische Fugenabdichtung (DFWZ QLB)
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