|
Rahmenbedingungen
Ausschlaggebend für eine Sanierungsmaßnahme
sind die Rahmenbedingungen,
die flankierend erörtert
und beachtet werden müssen.
Während es bei einem Neubau vergleichsweise
einfach ist, Nutzungswünschen,
ästhetischen Vorstellungen
an den Bau sowie öffentlichen
Anforderungen gerecht zu werden,
muss bei der Sanierungsplanung
der Bestand eines Hauses mit einbezogen
werden. Folglich sollte man sich zunächst intensiv
mit dem Objekt auseinandersetzen,
die vorhandene Ausgangssituation
(Bestands-/Schadenserfassung)
untersuchen und bewerten.
Parallel dazu müssen die
Öffentlichen Rahmenbedingungen
abgesteckt werden. Aus diesen Konstanten
ergibt sich dann die Möglichkeit
der Nutzung und der bauwerksspezifische
Sanierungsumfang. Sanierungsmaßnahmen können
durchaus an einem falsch oder unzureichend
aufgestellten Sanierungskonzept
scheitern bzw. die Kosten
der Maßnahme erheblich
steigen lassen. Ein auf den Bestand abgestimmtes
Sanierungskonzept kann in jedem
Fall dazu beitragen, die geplante
Nutzung in einem grob abgesteckten
Kostenrahmen umzusetzen. Ist
das Haus ein Denkmal sind alle geplanten
Maßnahmen mit der Denkmalschutzbehörde
abzustimmen.
Grundlagenermittlung und Vorplanung
Die Grundlagen für die Aufstellung
eines Substanz verträglichen und
nachhaltigen Sanierungskonzeptes
ist die Bau- und Schadensaufnahme
sowie die Erfassung des historischen
Bestandes bei Baudenkmalen.
Dazu zählen konkret:
genaue Aufmaße (mgl. verformungsgerecht),
Schadenskartierungen,
Untersuchungen durch einen
Holzschutzgutachter, erste
Einschätzungen eines Statikers hinsichtlich
der Tragfähigkeit der bestehenden
Konstruktion sowie bauforscherische
und restauratorische
Untersuchen. Abhängig vom Umfang
des geplanten Eingriffs werden
auch Baugrunduntersuchungen
und die Beratung durch einen
Bauphysiker und einen Brandschutzgutachter
in die Erarbeitung
der Bestandsunterlagen einbezogen.
Von der Bestandssituation ausgehend
müssen die öffentlichen Anforderungen
und denkmalpflegerischen
Belange im Bezug auf das
Objekt zusammengefasst werden.
Dabei hat sich eine rechtzeitige Zusammenarbeit
mit Bauherrn, Architekten, Fachplanern und Behörden bewährt. In dieser Phase können die Vorplanung
und die Suche nach einer geeigneten
Nutzung für das Objekt
bzw. die Art und Weise der notwendigen
Maßnahmen eines bereits
genutzten Fachwerkgebäudes erfolgen. Unabhängig vom Umfang der geplanten
Maßnahme, ob Komplettoder
Teilsanierung, Modernisierung
oder Umnutzung eines Gebäudes,
hat sich eine Vorplanung unter Abwägung
aller Alternativen bewährt.
Im Rahmen der Vorplanung werden
die Möglichkeiten und Grenzen in
Bezug auf die Anforderungen an
die Baumaßnahme unter Beachtung
der zuvor beschriebenen
Grundlagen aufgezeigt.
In einem Maßnahmekatalog wird
das jeweilige Bauteil (Sockel, Außenwand,
Decke usw.) gemäß
Schadens- und Bestandsaufnahme
beschrieben (Zustand, Schaden, historische
Wertigkeit, Erhaltungswürdigkeit).
Dem gegenüber steht die
vorzunehmende Maßnahme in Bezug
auf die zukünftige Anforderung
an das jeweilige Bauteil.
Bei der Suche nach den für das
Fachwerkgebäude geeigneten Nutzungsvarianten
oder Modernisierungsmöglichkeiten
sollte jedoch
primär der Erhalt der historischen
Konstruktion und die Ertüchtigung
des Bestandes im Vordergrund stehen.
Je größer und umfangreicher
der Eingriff, desto höher die Kosten.
Zusätzlich zu den zuvor erarbeiteten
baulichen Bestandsunterlagen, der
Schadensdokumentation und dem
Maßnahmekatalog sollten ausgewählte
Fragestellungen für die Sanierungsplanung
und –konzeption
sein: Wieviel Veränderung ist einem historischen Fachwerkbau zuzumuten? Wieviel Veränderung ist einem historischen
Fachwerkbau zuzumuten?
Welche Nutzung lässt sich mit dem
gegebenen Bestand unter Einhaltung
der öffentlichen Anforderungen
(Gesetzte, Verordnungen, Satzungen
usw.) vereinbaren? Welche Ertüchtigungsmaßnahmen
im Bezug auf Wärme-, Schall-,
Brandschutz und Statik sind erforderlich
und vor allem durchführbar?
Wie hoch werden die Sanierungsund
Folgekosten (Betriebs- und Unterhaltskosten)
sein?
Ist für das jeweilige Fachwerkhaus
eine geeignete Nutzung gefunden,
die einerseits Bezug auf den Bestand
nimmt und andererseits annähernd
mit den heutigen Anforderungen
an das Gebäude zu
vereinbaren ist, wird die Entwurfsplanung
als Grundlage für die Genehmigungsplanung
erarbeitet.
Erfahrungen haben gezeigt, dass
bei der Modernisierung von Fachwerkbauten
nicht alle Baustoffe als
unbedenklich im Zusammenhang
mit der alten Konstruktion und den
alten vorhandenen Baustoffen gelten.
Gleichwohl können auch moderne
Baumaterialien in geeigneter
Kombination mit dem Bestand
annähernd die heutigen Anforderungen
an den Wärme-, Schall und
Brandschutz erfüllen.
Die vorbenannten Leistungen bis
hin zur Genehmigungsplanung werden
in der Regel im Rahmen der
ersten vier Leistungsphasen der
HOAI erarbeitet. Je nach Größe und
Umfang der Baumaßnahme ist es
von Vorteil einen in der Altbausanierung
erfahrenen Architekten
oder Ingenieur für die Planung und
Erarbeitung eines geeigneten Sanierungskonzeptes
zu beauftragen.
Dieser wird weitere notwendige
Fachplaner in seine Arbeit einbinden
und koordinieren, Bauherren
unabhängig beraten, Fördermöglichkeiten
und steuerliche Vergünstigungen
für die jeweilige Maßnahme
ausloten und vor allem den
Rahmen für die öffentlichen Belange
(Ausnahmen, Befreiungen)
abstecken. 1 Die Möglichkeiten, gesetzeskonforme
Abweichungen in
Anspruch zu nehmen sind beim
Bauen im Bestand relativ groß. Das
betrifft insbesondere die Anforderungen
an den Wärmeschutz und
die Einhaltung brandschutztechnischer
Forderungen Fazit: Im Rahmen der Erarbeitung eines
geeigneten Sanierungskonzeptes
für historische Gebäude steht vor
allem der Bestand im Vordergrund.
Sekundär kann die Frage nach der
möglichen Nutzung und den dazugehörigen
Anforderungen gestellt
und Möglichkeiten zur Umsetzung
evaluiert werden. Ziel der Sanierungsplanung
ist, sämtliche das Projekt
beeinflussende Faktoren zusammenzutragen,
auszuwerten, auf
die Sanierung oder Modernisierung
abzustimmen und kostenmäßig einzuordnen.
Dass bei einer fachgerechten, gut
geplanten Sanierungsmaßnahme
nicht jedem Wunsch und jeder Anforderung
entsprochen werden
kann, aber das Ergebnis dennoch
sehr positiv zu bewerten ist, zeigen
nachfolgende Beispiele für umfassende
Sanierungen an Fachwerkgebäuden.
Markt 7, Helmstedt
Die Häuser Markt 7 und 8 sind Teil
der östlichen Häuserzeile, die den
Marktplatz der Stadt Helmstedt säumen.
Beide Gebäude wurden von der Stadtverwaltung Helmstedt erworben
und 2002 umfassend saniert.
Problem und Ziel der Sanierung war
vor allem, dem Fachwerkhaus Nr. 7
eine adäquate Nutzung zuzufügen
und dennoch die historisch wertvolle
Bausubstanz im Innern unter
Erfüllung der öffentlich-rechtlichen
Belange zu erhalten.
Im Rahmen der Baumaßnahme
2002 erfolgten zunächst bauhistorische
sowie restauratorische Untersuchungen
des Bestandes.
Das 5 Gebinde breite Haus Markt 7
gilt als ältestes datiertes Fachwerkwohngebäude
der Stadt Helmstedt.
Grundlage der Datierung bildet ein
um ca. 1250 datierter Deckenbalken
als Bestandteil einer früheren
Holzbalkendecke über dem sandsteinernen
Kellergeschoss. Der Kernbau des Hauses, welcher
sich heute hinter der neu aufgestellten
Außenfassade verbirgt,
wurde um 1491 auf dem Keller des
Vorgängerbaus errichtet. Dieser
spätgotische Teil des Hauses verfügt
unter anderem über einen auskragenden
Speicherstock zum Markt
hin und ist noch heute mit all seinen
konstruktiven Motiven und teilweise
70 Farbfassungen erhalten. Die ehemalige
Außenfassade ist mit typischen
Details der mittelalterlichen
Fachwerkornamentik wie dem Treppenfries
und den Fußstreben in den
Brüstungsfeldern im Obergeschoss
verziert. 2
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde
das kleine Fachwerkhaus jeweils an
den Traufwänden erweitert. Dadurch
veränderte sich nicht nur die
innere Raumaufteilung sondern
auch die Kubatur des Hauses. Im
Bereich des heutigen Eingangs befand
sich wohl der Arkadengang
des 16. Jahrhunderts mit einer Ornamentik,
die eine Datierung in die
Renaissance rechtfertigt.
Auch die Putzgestaltung an Decke
und Wänden ist für diese Zeit einmalig
und spiegelt den repräsentativen
Charakter des Hauses wider.
Die mit einem Holzmodell bearbeitete,
feine Kalkputzschicht zeigt im
Erdgeschoss Jagdmotive. Die hofseitigen
Räume weisen vorwiegend
fachwerksichtige Fassungen mit hellen
Gefachen und 1-2 Begleitern als
Bemalung auf. 3
Gravierende Eingriffe in die vorhandene,
gewachsene Bausubstanz erfolgten
im letzten Viertel des vorigen
Jahrhunderts. So war über das gesamte
Erdgeschoss eine großzügige
Schaufensterzone angelegt.
Während es vergleichsweise einfach
war, das Haus Markt Nr. 8 als
Touristinformation mit Einzelbüros
umzubauen, lag der Schwerpunkt
bei der Sanierung des Hauses Markt
7 primär in der Konservierung und
Reparatur der wertvollen Substanz
sowie der Festigung und Ergänzung
der restauratorischen Befunde. Der
hohe Anspruch im Bezug auf die
Planung und Bauleitung lag in der
speziellen Kenntnis der alten Materialien und Techniken, um bei der
Sanierungsmaßnahme möglichst
Substanz schonend vorgehen zu
können. Die hohe Wertigkeit der Befunde
machte eine enge, baubegleitende
Zusammenarbeit mit der Restauratorin
notwendig. Noch während der
Bauarbeiten zeigte sich eine Fülle
von Befunden vor allem im Erdgeschoss.
Die relativ stabilen Farbschichten
ließen sich lückenlos dokumentieren
und sind noch heute
als ablesbare Befunde sichtbar.
Als beispielhaft ist der sehr zurückhaltende
Umgang zugunsten der
vorhandenen Substanz zu betrachten.
So wurden vor allem Kompromisse
im Bezug auf die Tragfähigkeit
der Decken, die schiefen Holzböden,
Gipsestriche, die niedrigen
Räume und vor allem die Oberflächen
eingegangen. Konstruktive
und Substanz zerstörende Eingriffe
konnten somit vermieden werden.
Putze und Bemalungen blieben ungestört
erhalten und wurden restauratorisch
bearbeitet bzw. konserviert.
Schilder im Haus weisen den
Besucher darauf hin, dass sich im
Obergeschoss maximal 12 Menschen
gleichzeitig aufhalten dürfen.
Auf der Marktseite wurde bei der
Sanierung 2002 im Erdgeschoss des
Hauses Markt 7 eine neue Fachwerkfassade
gestellt. Teile der Holzkonstruktion
im 1. Obergeschoss
mussten saniert werden. 4 Aus den jüngeren Bauakten lässt
sich ablesen, dass sich die Stadt
Helmstedt noch während der Bauphase
mit dem schwierigen Thema
der Nutzungsfindung beschäftigt
hat. 5 Während nun im Markt 8, links,
die Touristinformation mit Publikumsverkehr
untergebracht ist, dient
der Markt 7 heute vorrangig als Besprechungsraum
für Mitarbeiter der
Stadt und als Museum. Hier hat man
insbesondere bei der Planung berücksichtigt,
dass für die Nutzung
wichtige Fluchtwege, sanitäre Einrichtung,
Haustechnik und brandschutzrelevante
Einbauten im Nebengebäude
Markt 8 untergebracht
sind. Das Haus Markt 7 funktioniert
somit nur mit dem Markt 8 zusammen.
Da bei diesem Bauvorhaben
vor allem der Erhalt der
historischen Substanz im Vordergrund
der Sanierung stand, konnte
der hohe Stellenwert als Einzeldenkmal
erhalten werden.
Edelhöfe 4–6, Helmstedt
Die Häuserzeile Edelhöfe 4-6, östlich
vom Marktplatz gelegen, befindet
sich in Privateigentum. Das Gebäudeensemble besteht
aus drei traufständigen Fachwerkhäusern
und zwei hofseitigen Anbauten.
Die Gebäudeteile sind in UForm
angeordnet.
Das rechts gelegene, zweistöckige
Fachwerkhaus Edelhöfe 4 mit Fußwinkelhölzern
in den Brüstungsgefachen
des Obergeschosses wird
auf Grund eines dendrochronologischen
Gutachtens in das 17. Jahrhundert
datiert. (Giebelständer zu
Haus Nr. 5 1658/59 Eiche, DG Sparren
1659/60 Eiche). 6 Hofseitig schließt
ein eingeschossiger Seitenflügel aus
Fachwerk an. Die dendrochronologischen
Untersuchungen blieben
bei dem Gebäudeteil Edelhöfe 5 ergebnislos.
Der schmale Fachwerkbau
mit mittig angeordnetem
Zwerchgiebel kann dennoch barock
eingestuft werden. 7 Die Fachwerkständer
der Fassaden sind im
Ständerrhythmus, einem Wechsel
von schmalen Wand- und breiteren
Fensterfeldern, angeordnet. Der
zweigeschossige Fachwerkbau
Edelhöfe 6 könnte Ende des 17. Jahrhundert
errichtet worden sein. 8 Das
hofseitige Nebengebäude aus
Fachwerk, welches in dieser Häusergruppe
den ältesten Gebäudeteil
darstellt, zeigt noch eine Geschossbauweise
mit Zapfenschlössern.
Die dendrochronologischen
Untersuchungen an einem Unterzug
aus Eichenholz im 1. OG datieren
das Gefüge um 1440. 9
Die für die Siedlungsgeschichte
Helmstedts wichtigen Gebäude waren
bis in die 1990er Jahre im Besitz
der Stadt Helmstedt. Diese veranlasste
die umfassende Schadensdokumentation
der Häuser durch
ein Architekturbüro. Zunächst wurde
1994/1995 ein verformungsgerechtes
Aufmaß angefertigt und Untersuchungen
zum baulichen Zustand
durchgeführt. Die Ergebnisse wurden
in einer sehr umfassenden Fotodokumentation
und in einer Schadenskartierung
festgehalten. Dabei
hat man unterschieden in Schäden
durch konstruktive Eingriffe und Veränderungen,
Schäden durch falsche
Sanierungstechniken und
durch mangelnde Instandhaltung.
In diesem Zusammenhang gab das
beauftragte Architekturbüro zugleich
Empfehlungen zur Instandsetzung.
In den Plänen wurden
Feuchte-, Salzschäden, Pilze, Algen,
Moose, undichte Dachhaut, Wasserund
konstruktive Schäden und Setzungen
gekennzeichnet. 10
Im Verlauf der Baumaßnahmen
führte das Niedersächsische Landesamt
stichprobenartige Untersuchungen
zur Fassadenfarbigkeit
durch. Zusätzlich dokumentierten Studenten
im Rahmen einer Diplomarbeit
der FH Hildesheim/Holzminden
den Fensterbestand. Die historischen
Fenster wurden beschrieben, datiert
und in erhaltenswert und reparaturbedürftig
eingestuft. 11
Die Stadt Helmstedt veräußerte die
drei Häuser 1997 mit Auflagen. So
musste sich der neue Besitzer verpflichten,
innerhalb von zwei Jahren
mit der Instandsetzung der Häuser
zu beginnen. Vertraglich wurde
geregelt, dass die Bausubstanz prinzipiell
zu erhalten ist. Das fachgerechte
Auswechseln und Beseitigen
einzelner Bauteile war nur bei Schädigung
zulässig. Eine Totalentkernung
hat man ausgeschlossen. Des
Weitern enthielt die Vereinbarung
Angaben zur Gestaltung, indem
Krempziegel als Dacheindeckung,
dem Bestand entsprechende Holzfenster
mit Sprossenteilung und die
Fassade als Sichtfachwerk ausgeführt
werden sollten. 12 Der neue Eigentümer zeichnet sich
für die Planung, Bauleitung und Statik
der drei Gebäude verantwortlich
und hatte zuvor im Rahmen des Seminars
Architekten in der Denkmalpflege
zusätzlich Kenntnisse bei der
Fachwerksanierung erlangt.
Im Rahmen der beabsichtigten Instandsetzung
wurde mit der Denkmalbehörde
der Stadt Helmstedt
vereinbart, dass in unregelmäßigen
Abständen Ortsbegehungen zur
Abstimmung über die baulichen
Maßnahmen stattfinden sollen und
die Besprechungsprotokolle sowie
Leistungsverzeichnisse einzelner Gewerke
(z.B. Fassadenarbeiten) Bestandteil
der denkmalrechtlichen
Genehmigung werden. 13 Hierzu hat
der Bauherr das Angebot mit dem
Leistungstext als Nachtrag zur Denkmalrechtlichen
Genehmigung vorgelegt.
Die zu verwendenden Materialen
und die Vorgehensweise,
die im LV beschrieben waren, wurden
somit genehmigt. 14 Grundsätzliche Kernpunkte der Sanierungsmaßnahme
waren bereits
durch den Bauherrn im Antrag auf
Denkmalrechtliche Genehmigung
formuliert. Zugunsten der historischen
Bausubstanz und um auf unnötige
Wandverschiebungen zu verzichten,
wurden die drei Gebäude
zu einem Einfamilienhaus zusammengefasst.
Die Baumaßnahmen sollten möglichst
unter Einsatz historischer Baustoffe
und Techniken durchgeführt
werden. Notwendige Wanddurchbrüche
erfolgten nur in jüngeren
oder geschädigten Bereichen, erforderliche
Installationen wurde auf
Putz verlegt. Zur Erhaltung der historischen
Wandaufbauten erfolgte
eine nachträgliche Innendämmung
der Außenwände mit einer Leichtlehmstein-
Vorsatzschale. Der Bauherr
erstellte im Bauverlauf eine begleitende
Fotodokumentation,
anhand derer die Einzelmaßnahmen
nachvollzogen werden können. 15
Die Fachwerkhäuser Edelhöfe 4 -6
waren zum Teil sehr geschädigt. Insbesondere
im Bereich des unteren
Stockwerkes musste das Fachwerk
umfangreich ausgetauscht werden.
Den Bauakten war zu entnehmen,
dass der Erdgeschossbereich des
Hauses Edelhöfe 6 auf Grund von
Schäden durch Echten Hausschwamm
umfassend erneuert werden
musste.
Bei der Sanierung der Holzkonstruktion
kamen ausschließlich traditionelle, zimmermannsmäßige Verbindungen zum Einsatz. Das statische
Gefüge konnte beibehalten und ergänzt
werden. Entfernt wurden nur
nachträglich errichtete, trennende
Wände ohne statische Funktion. Aus
diesem Grund blieb im Inneren
nicht nur die historische Raumstruktur,
sondern auch der alte Treppenaufgang
erhalten. Dieser dient
heute aber nicht mehr der Erschließung
der oberen Etage, sondern
wird als Bücherregal genutzt.
Für die Erschließung des nun als Einfamilienhaus
genutzten Fachwerkensembles
ist die Hauseingangstür
der Nr. 4 relevant. Räume wie Küche,
Esszimmer, Wohnzimmer, WC
und die Geschosstreppe gruppieren
sich um die Diele und den Flur.
Untergeordnete Nutzungseinheiten
wie das Büro oder die Werkstatt sind
abseits im Haus Nr. 6 gelegen.
Vom Flur aus sichtbar ist ein Gefach
der Giebelwand von Haus Nr. 4 mit
Bemalung, welches vermutlich aus
dem 17. Jahrhundert stammt. Die Sicherung
der Farbschichten hat ein
Restaurator übernommen. 16
Schlossberg 11
Mit der Übernahme der Lyonel-Feininger-
Galerie in Quedlinburg
durch die Stiftung Moritzburg, dem
Kunstmuseum des Landes Sachsen-
Anhalt, im Dezember 2006 wurde
dem Vorderhaus und dem noch unsanierten
Nebengebäude eine
mögliche adäquate Nutzung zugeschrieben.
Bei dem Objekt Schlossberg
11 handelt es sich um ein Einzeldenkmal,
bestehend aus einem
Haupt- und einem Nebengebäude.
Es liegt im Denkmalbereich der Welterbestadt
Quedlinburg an städtebaulich
bedeutender Position unterhalb
des Schlossberges und dient
als Hauptzugang zur Lyonel-Feininger-
Galerie. Die Feininger-Galerie wird im Anschluss
an die Sanierungsarbeiten
des Schlossberges 11 und dem Neubau
des Seitenflügels ein Künstlerhaus
als Ort des kreativen Arbeitens
und internationaler Begegnungen
einrichten. Es ist vorgesehen, die
Wohnungen und Ateliers an internationale
Stipendiaten der Sparten
Bildende Künste und Literatur zu vermieten
sowie die neuen Ausstellungsräume
für Präsentationen zeitgenössischer
Kunst zu nutzen. Das Haus mit Nebengebäude bietet
auf ca. 1000 qm Nettogrundfläche
genügend Platz für die vorgesehene
Nutzung als Stipendiatenhaus
mit Ateliers und einer Ausstellungserweiterung
des Kunstmuseums. Das Bauvorhaben soll vorrangig mit
Jugendlichen des Freiwilligen Jahres
in der Denkmalpflege und Auszubildenden
umgesetzt werden und
wird ebenso wie die Sanierung der
Goldstraße 25 und des Klopstock’schen
Gartenhauses als Praxisprojekt
der Weiter- und Ausbildung
junger Menschen dienen.
Unterstützt wird das Praxisprojekt für
Jugendliche im Bauverlauf von
Fachfirmen, die z. Bsp. in den Bereichen
mit statischer Relevanz, Haustechnik
sowie der Erstellung des
Neubaus arbeiten. Die Gesamtmaßnahme
bedarf unter diesem
Aspekt eines Umsetzungszeitraums
von ca. 5 Jahren und soll im Jahr
2012 abgeschlossen werden
Eine bauforscherische Untersuchung
der zu sanierenden Gebäudeteile
wurde bereits 2006 im Rahmen
eines Studentenseminars unter
fachlicher Anleitung durch das
Deutsche Fachwerkzentrum und ergänzend
2007 durchgeführt. Errichtet wurde das zweigeschossige
Fachwerkgebäude in der Mitte
des 17. Jahrhunderts mit den zeittypischen
Pyramidenbalkenköpfen
an der Fassade. Im Erdgeschoss befindet
sich die zweiflüglige barocke
Eingangstür mit einem jüngeren
Oberlicht und am östlichen Ende
des Hauses die breite Toreinfahrt
zum Hof, die gleichzeitig das Entree
zur Feininger Galerie bildet. Die
Fenster des Erdgeschosses mit profiliertem
Blendrahmen werden durch
hölzerne Fensterläden geschlossen.
Die zweiflügligen Fenster des Obergeschosses
mit Kämpfer und Oberlicht
stammen aus dem 19. Jahrhundert. An der Hoffassade lassen sich die
vielen Umbauphasen besonders im
Erdgeschoss deutlich ablesen. Türöffnungen
wurden nachträglich in
die Fassade eingebrochen oder ältere
Öffnungen geschlossen. Reste einer Vorgängerbebauung
finden sich im südwestlichen Bereich
des Erdgeschosses im Vorderhaus.
Dort besteht das Mauerwerk
aus Sandstein. Anhand eines erhaltenen
gefasten Fenstergewändes
kann der Raum, als offene Feuerstelle im 17. Jahrhundert genutzt,
möglicherweise dem 15. oder
16. Jahrhundert zugehörig datiert
werden. Konstruktiv zeichnet sich der Fachwerkbau
des 17. Jahrhunderts im Innern
durch eine klare Grundrissstruktur
mit drei Querwänden, in
jedem fünften Gebinde angeordnet,
sowohl im unteren als auch im
oberen Stock aus. Weitere Trennwände
stellte man im 19. und
20. Jahrhundert. Die L-förmige Diele
des Hauses wurde durch ein nachträglich
eingefügtes Zwischengeschoss
mit niedrigen Raumhöhen
geschaffen.
Die bauzeitliche Erschließung des
Hauses blieb nicht erhalten. Die
heutigen Treppen im Gebäude entstanden
im 18. und 19. Jahrhundert.
Gegenüber dem Türeingang führt
eine steile Treppe zum 1.Obergeschoss.
Unterhalb dieses Treppenaufgangs
befindet sich die Tür zum
in der Barockzeit angelegt Kellerbereich
des Vorderhauses. Im nordwestlichen
Gebäudeteil liegt der
zweite Treppenaufgang mit einem
zum Teil noch aus der Barockzeit
stammenden Treppengeländer. Das 1. Obergeschoss gliedert sich
in große helle Räume. Das bauzeitliche
Fachwerkgefüge, hier deutlich
ablesbar mit in Schwell und Rähm
eingezapften Ständern, Streben,
Riegeln sowie Kopfbändern, erscheint
noch gut erhalten.
Das Kehlbalkendach verfügte ursprünglich
über einen liegenden
Stuhl, dessen Spannriegel nachträglich
für den Einbau eines mittig
stehenden Stuhles herausgetrennt
wurden.
Das Sanierungskonzept
Für das Vorderhaus und den Seitenflügel
wurden bereits 2007 ein Holzschutzgutachten
sowie ein Statisches
Gutachten erstellt. Diese
Ergebnisse wurden, ergänzt durch
eine weiterführende Schadenserfassung
im Objekt, in einer Schadens-
u. Maßnahmenkartierung dargestellt. Der Seitenflügel im nordwestlichen
Bereich an den Hauptbau angrenzend,
diente als Stall und Wirtschaftsgebäude
und wurde im 19.
Jahrhundert für Wohnzwecke umgebaut.
Aufgrund des jahrelangen
Leerstands, den dadurch ungünstigen
bauklimatischen Rand bedingungen,
dem ungestörten Eindringen
von Feuchtigkeit sowie
unkontrollierter bzw. unfachmännischer
Eingriffe in das statische Gefüge
im Erdgeschoss zeigte die Bausubstanz
des Seitenflügels starke
Schäden, welche die Standsicherheit
gefährdeten. Bereits im Vorfeld
wurden Stützkonstruktionen als Notsicherungsmaßnahmen
erforderlich.
Zudem forderte ein Bodengutachten eine Tiefengründung von bis
zu 5 Metern, um tragfähigen Baugrund
zu erreichen. In einem gemeinsamen
Abstimmungsprozess
mit den Denkmalbehörden und
Fachgutachtern wurde der Abtrag
des Seitenflügels beschlossen. Der
Neubau wird im Erdgeschoss einen
zusätzlichen Ausstellungsraum der
Feininger-Galerie und im Obergeschoss
drei Ateliers für Stipendiaten
aufnehmen. Das Nutzungskonzept zur Sanierung
des Vorderhauses Schlossberg 11
vereint die Erkenntnisse der vorangegangenen
bauhistorischen, baukonstruktiven
und holzschutztechnischen
Untersuchung des Gebäudes
Schlossberg 11. Die Grundrisssituation
mit Zugängen und Erschließungswegen
wird erhalten. Das Erdgeschoss des Vorderhauses
wird zum öffentlich zugänglichen
Bereich umgenutzt. Hier finden eine
Druckerwerkstatt mit zugeordnetem
Ausstellungsraum im Bereich der
ehemaligen Schwarzen Küche sowie
Toiletten- und Abstellräume
Platz. Neu geschaffen wird der Zugang
zum Grundstück des Klopstock-
Gartenhauses, welches in die
Nutzung mit einbezogen werden
soll. Die Erschließung des Zwischengeschosses
im Vorderhaus erfolgt über
die vorhandene barocke Treppe.
Von hier aus werden die Räume der
Wechselausstellung bzw. Museumspädagogik
erreicht. Zusätzlich wird
vom Zwischengeschoss aus das
Obergeschoss des Seitenflügels erschlossen.
Eine weitere Möglichkeit,
zu den drei Ateliers im Seitenflügel
zu gelangen, besteht über einen
Laubengang mit Außentreppe, der
gleichzeitig als zweiter Fluchtweg
fungiert. Das Obergeschoss des Vorderhauses
gliedert sich zukünftig in drei
Künstlerapartments für Stipendiaten.
Erschlossen werden die Unterkünfte
zum Einen über die bereits vorhandene
Treppe vom Ende des 19. Jahrhunderts,
zum Anderen über eine
wohnungsinterne Treppe am Westgiebel
vom Zwischengeschoss. Die Raumstruktur und deren Nutzung
orientiert sich an den bestehenden
Wänden und den vorhandenen
Tür- und Fensteröffnungen.
Ergänzt wurden statisch notwendige
Wände. Das Planungskonzept greift die bauzeitliche
Grundrissstruktur im Obergeschoss
wieder auf. Im nördlichen
Teil des Hauses sind die großzügigen
Wohnräume mit Küchenzeile
angeordnet. In den kleinteiligen Bereichen
nach Süden befinden sich
die Schlaf- und Badezimmer. Der
Entwurf nimmt demnach nicht nur
Bezug auf das ursprüngliche Gefüge,
sondern auch auf die umliegende
Bebauung, die südlich angrenzend,
die Belichtung der
dahinterliegenden Räume beeinträchtigt.
Das Dachgeschoss mit dem barocken
Dachwerk bleibt nach der Sanierungsmaßnahme
ungenutzt. Der
nachträglich eingebaute, mittig stehende
Stuhl wird entfernt und das
statische System der liegenden Konstruktion
wieder ergänzt. Auf zusätzliche
Verstärkungen der Sparren
und Deckenbalken kann verzichtet
werden. Das Gebäude konnte durch den
nichtausgebauten Dachraum gemäß
BauO LSA in Gebäudeklasse 3
eingeordnet werden. Der Vorteil
hierbei besteht insbesondere in der
Umsetzung brandschutztechnisch
notwendiger Maßnahmen wie die
Ausbildung von Decken, Wänden
und Dächern. Die Anforderungen
an Gebäude der Gebäudeklasse 4
wären in einem Fachwerkbau unter
Bewahrung der historischen Substanz
nur unter sehr schwierigen Bedingungen
bzw. überhaupt nicht
umsetzbar.
In der Entwurfsphase wurden bereits
Möglichkeiten zur Ertüchtigung einzelner
Bauteile aufgezeigt. So erhalten
die Fachwerkaußenwände
eine Innendämmung aus Wärmedämmlehm.
Der Vorteil dieses ökologischen
Baustoffs besteht zunächst
in der einfachen
Verarbeitung. Hinter eine Brettschalung
wird der als knetbare Masse
gelieferte Wärmedämmlehm lagenweise
eingeschüttet und anschließend
verdichtet. Nach der Abtrocknung
des Dämmmaterials
bespannt man die Schalung mit
Schilfrohrmatten als Putzträger, um
darauf den zweilagigen Lehminnenputz
aufzutragen. Ein weiterer
Vorzug dieses Systems ist, dass die
für einen Fachwerkbau typisch
schief stehenden Wände mit inhomogener
Oberfläche vorab nicht
begradigt werden müssen.
Um die mehrlagigen, historischen
Deckenputze zu halten, wird der
Fußboden direkt auf den alten
Lehmwickeln aufgebaut.
1 Ansorge, Dieter,; Pfusch am Bau, Band 5, Stuttgart 2006, S. 217
2 Burkhardt & Schumacher Architekten – Ingenieure, Anja Stadler, Restauratorin, Plakat zum Preis für Denkmalpflege
3 ebenda
4 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zum Haus Markt 7
5 ebenda
6 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Dendrochronologisches Gutachten
7 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Stichprobenartige Untersuchungen zur ursprünglichen Fassadenfarbigkeit durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege / Ref. Restaurierung vom 22.12.1998
8 ebenda
9 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Dendrochronologisches Gutachten
10 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Bericht zur Bau- und Schadensaufnahme, Architekturbüro Thumm, Walshausen, Bad Salzdetfurth, 1994-1995
11 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Diplomarbeit SS 1995, FH Hildesheim / Holzminden, Sanierung und Umnutzung Denkmalgeschützter Fachwerkbauten
12 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Grundstückskaufvertrag der Häuser Edelhöfe 4, 5 und 6 vom 08.04.1998
13 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6,Denkmalrechtliche Genehmigung vom 23.06.1998
14 Olaf Küpper, Bauherr, Planungsunterlagen, Nachtrag zur Denkmalrechtlichen Genehmigung, Fassadenarbeiten vom 22.10.1999
15 Dipl.-Ing. Olaf Küpper, Bauherr, Planungsunterlagen zur Sanierung und Rekonstruktion der Fachwerkhäuser 4-6, Antrag auf Denkmalrechtliche Genehmigung vom 26.05.1998
16 Archiv, Stadt Helmstedt, Bauunterlagen zu den Häusern Edelhöfe 4-6, Kurzbericht Sicherung einer mehrfach bemalten Gefachfüllung des 16. Jh. im Objekt „An den Edelhöfen 4“ in Helmstedt vom 25.11.- 29.11.1999
|