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  "Leitfaden zur Fachwerksanierung für Bauherren und am Fachwerk Interessierte"    
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5. Schadenserfassung

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Schlossberg 11 – QLB 

Bedingt durch den jahrelangen Leerstand, durch ungestörtes Eindringen von Feuchtigkeit sowie vorangegangene Umbauten mit Eingriffen in das statische Gefüge zeichneten sich schon bei der ersten Besichtigung des Objektes konstruktive und holzschutzrelevante Schäden ab. Aus diesem Grund wurden schon zu Beginn der Bestandsaufnahme ein Holzschutzgutachten sowie ein Statik-Gutachten beauftragt.
Die Fachwerkaußenwände waren z.B. durch Nass- und Moderfäulepilze in großen Teilen zerstört. Besonders betroffen waren die Ostfassade des Seitenflügels, der Westgiebel des Haupthauses und dessen Nordfassade im westlichen Bereich. An den zugänglichen Stellen der Traufbereiche war ebenfalls Nass- und Braunfäule zu erkennen. Teile der historischen Sandsteinwände waren abgefroren und heraus gefallen. Problematisch war auch der Lasteintrag auf die Kellertonne des Vorderhauses durch die Flurwand, die auf dem Gewölbe aufsteht.
Den Ergebnissen aus den Fachgutachten wurden eine ergänzende Schadensaufnahme der Entwurfsverfasser und eine fotografische Übersicht vom Objekt hinzugefügt. Der zum Zeitpunkt der Begutachtung sichtbare Schädigungsgrad wurde somit bauteilbezogen übertragen, um daraus einen Maßnahmekatalog als Grundlage für die nachfolgende Sanierungsplanung zu formulieren. In der Maßnahmekartierung sind parallel zur Benennung der Schäden auch die geplanten Maßnahmen je nach Bauteil grafisch hinterlegt, z.B. Schädlingsbefall; Sanierung/Teilaustausch; Schädlingsbefall-Komplettersatz; Reparatur; Aufarbeitung Fenster/Türen; Ersatzneubau Fenster/ Türen; Freilegung-Nachuntersuchung, etc (Abb. 3).
Das bedeutete jedoch noch keinen endgültigen Schadensstand. Zusätzliche Nachuntersuchungen und Kartierungen erfolgten in Zusammenarbeit mit den externen Gutachtern bei partiell notwendigen Freilegungs- und Rückbauarbeiten.

Hühnerbrücke 4, Grudenberg 8 – HBS 

Bei dem 1697 errichteten Schulgebäude Hühnerbrücke 4, dem ehemaligen Johanneum, handelt es sich um den ältesten erhaltenen Schulbau in Halberstadt. Der Fachwerkbau erstreckt sich mit der östlichen Gebäudelangseite an der Straße Grudenberg und rahmt mit der nördlichen Giebelseite die Platzsituation an der Hühnerbrücke. Der Südgiebel des Gebäudes ist gleichzeitig der Nordgiebel des Fachwerkbaus Grudenberg 8. Beide Bauten sind zeitgleich entstanden.

Entlang der nach Westen führenden Straße „An der Hühnerbrücke“ wurden im 18. Jahrhundert kleinere zweigeschossige Reihenhäuser mit zentralem Eingang errichtet. Das unmittelbar an Hühnerbrücke 4 angrenzende Haus Hühnerbrücke 3 besitzt keinen eigenen Giebel, sondern wurde an den Schulbau angefügt. Zwischen den beiden Häusern führt ein kleiner Durchgang zum Hofbereich.

Verursacht durch jahrelangen Leerstand sind an allen drei Gebäudeteilen massive konstruktive und feuchtebedingte Schäden zu verzeichnen.

Im Rahmen der Sanierung der drei Gebäudekomplexe wurde parallel zu der Schuttberäumung in den Gebäuden zunächst der Bestand hinsichtlich der verschiedenen Bauphasen und Schäden kartiert. In diesem Arbeitsschritt erfolgte die Freilegung einzelner Wandabschnitte von Seiten der Bauforschung in Zusammenarbeit mit einem Holzschutzgutachter. Die freigelegten Befunde wurden in einem Raumbuch und in einem Plan kartiert sowie fotografisch erfasst. Die Ergebnisse aus den Fachgutachten fließen in die Schadenskartierung ein. Der Maßnahmekatalog für die nachfolgende Sanierung im Abgleich mit den Ergebnissen der Bauforschung definiert bauteilbezogen die einzelnen Ertüchtigungsschritte.

Der östliche Fassadenabschnitt im Erdgeschoss und das gesamte Obergeschoss von Hühnerbrücke 3 zeigten einen geschlossenen Abbund des 18. Jahrhunderts. An der Fassade waren im Erdgeschoss ab dem 5. Gebinde Ständer und Riegel ausgetauscht worden. Der östliche Bereich der Hoffassade und der daran angrenzende Küchenraum von Hühnerbrücke 3 waren bis zu der in der Hausmitte liegenden Diele eingestürzt.

Besonders im Übergangsbereich zwischen den Häusern und den Fachwerkwänden im Durchgangsbereich konnten massive Schäden festgestellt und kartiert werden. Das Schwell im Fassadenbereich zeigte Nass- und Moderfäulepilze, im Obergeschoss war das Schwell gebrochen. An der Giebelwand im Erdgeschoss zum Durchgang zwischen Hühnerbrücke 3 und 4 waren Braunfäule, der gewöhnliche Nagekäfer sowie Echter Hausschwamm zu verzeichnen 1. Das gleiche Schadensbild zeichnete sich im Obergeschoss ab. In Abstimmung zwischen dem Bauforscher, der Architektin und dem Holzschutzgutachter wurden Bereiche des Rückbaus unter Verwendung der historischen Holzbauteile und der Ertüchtigung des Bestandes definiert. So wurden im Erdgeschoss und Obergeschoss von Hühnerbrücke 3 die ersten vier Gebinde ab dem Durchgang bis zur ersten bauzeitlichen Bundwand zurückgebaut, da in diesem Bereich keine Sicherung des Bestandes aufgrund eingestürzter Wände, Decken und Dächer mehr möglich war.

Das Eckgebäude Hühnerbrücke 4 ist auf einem Sandsteinsockel in Stockwerksbauweise mit leicht auskragendem, oberem Stockwerk und abschließendem Krüppelwalmdach erbaut. Alle bauzeitlichen Wände und Decken bestehen aus Nadelholz. Der regelmäßige Abbund an der Straßenfassade zeigt in den unteren Gefachfeldern beider Geschosse Fußstreben und kleine Stiele in Art der Thüringer Leiter.

Die Rückfassade von Grudenberg 8 und Hühnerbrücke 4 zeigt einen durchlaufenden Abbund mit Ständern und Riegeln unterhalb der Deckenbalken. In den Eckgefachen verliefen in beiden Geschossen Streben sowie eine Fußstrebe. Das Erdgeschoss von Hühnerbrücke 4 besaß bauzeitlich, ablesbar an den Sturzriegeln und freigelegten Zapfenlöchern vier große Fenster, die den ursprünglich ungeteilten dahinter liegenden Raum erhellten. Grudenberg 8 besaß im Erdgeschoss ursprünglich zwei Fensterachsen, im Obergeschoss insgesamt drei. Das bauzeitliche Gefachmaterial besteht aus Stakenhölzern mit Strohlehmputz.

Die Hoffassade und die angrenzenden Räume von Hühnerbrücke 4 waren durch jahrelangen Leerstand und fehlende Instandhaltungsmaßnahmen Wind und Regen ausgesetzt, was zum Teileinsturz der Dächer führte. Die Fruchtkörper des Echten Hausschwamms waren an mehreren Riegeln und Ständern zu verzeichnen, der Schwamm sowie Nassfäulepilze führten in großen Teilen zum Einsturz der Fassade und den angrenzenden Räumen. Das gleiche Schadensbild zeichnete sich im Obergeschoss ab. Der Maßnahmekatalog für die nachfolgende Sanierung im Abgleich mit den Ergebnissen der Bauforschung ergab, dass die Fassade entsprechend der bauzeitlichen Substanz mit auf gleicher Höhe durchlaufenden Riegelketten vollständig rekonstruiert wird.

Die Fachwerkaußenwände von Grudenberg 8 waren durch Nass und Moderfäulepilze, den gewöhnlichen Nagekäfer und Echtem Hausschwamm zerstört. In diesem Bereich wird die Fassade durch Rückschnitt und Ergänzung der Holzbauteile ertüchtigt.

Als weiteres Hilfsmittel zur Erstaufnahme von Schadensbildern steht ein Fragebogen zur schnellen Bestandsaufnahme (Checkliste als Multiple-Choice-Verfahren) zur Verfügung (siehe Anhang).
Neben der Registrierung allgemeiner Daten zum Objekt wird in diesem Fragebogen weiterführend nach dem Schadensort und der Materialschädigung (innen oder außen liegend, Wandkonstruktion, Putze und Mörtel, Anstriche, Abdichtung, etc.) untergliedert, das Schadensbild beschrieben, der Schadensauslöser und die Ursache eingegrenzt. Abschließend werden die vorgefundenen Schäden definierten Kategorien zugeordnet, die zwischen harmloser Baubeeinträchtigung, leichtem Schaden, mittelschwerer Schädigung sowie akuter Schadstelle unterscheiden.

Der Fragebogen kann weiterhin zu statistischen Zwecken, für die laufende Bauunterhaltung oder als Grundlage zur Erstellung von Wertgutachten eingesetzt werden.

Die Konkretisierung der Schadensbefunde sollte in einem Raumbuch in differenzierbarer Bearbeitungstiefe bzw. unter Hinzuziehung weiterer Experten erfolgen. In einem solchen Templait werden alle relevanten Daten und Befunde bis hin zu Detailzeichnungen konstruktionsbezogen und übersichtlich dargestellt. (Abb. 7) Ergänzt werden die dort enthaltenen Angaben durch die Gutachterlichen Stellungnahmen des Holzschutzsachverständigen und des Statikers, so dass in der Folge sämtliche Schadensbilder in den zuvor erarbeiteten Bestandsplänen als grafische Übersicht aufbereitet werden können. Aus diesen kann anschließend – wie am Beispiel des Bauvorhabens Schlossberg 11, Abb. 3 – ein detaillierter bauteilbezogener Maßnahmekatalog entwickelt werden.

1 Gutachterliche Stellungnahme Nr.: 038-2009, Hühnerbrücke 4, 38820 Halberstadt, Dipl. Bauing.: Ulrich Ellenberg

 


Abb. 1 Fotografische Übersicht der Schadenspunkte Vorderhaus Schlossberg11, rechter Teilbereich, Obergeschoss (DFWZ QLB)


Abb. 2 Fotografische Übersicht der Schadenspunkte Vorderhaus Schlossberg11, rechter Teilbereich, Erdgeschoss (DFWZ QLB)


Abb. 3 Maßnahmekartierung Vorderhaus Schlossberg11 (DFWZ QLB)


Abb. 4 Hühnerbrücke 4, Anfang 20. Jahrhundert (Stadtarchiv Halberstadt)


Abb. 5 Blick in die Hühnerbrücke (Städtisches Museum Halberstadt)


Abb. 6 Straßenfassade von Hühnerbrücke 3, rot kennzeichnet den bauzeitlichen Bestand (DFWZ QLB)


Abb. 7 Östlicher Raum von Hühnerbrücke 3 im Obergeschoss und freigelegte Giebelwand (Ständer und Riegel sichtbar) von Hühnerbrücke 4 (DFWZ QLB)


Abb. 8 Hoffassade von Hühnerbrücke 4 und Grudenberg 8 (DFWZ QLB)


Abb. 9 Rekonstruktion der Rückfassade, Aufmaß von Büro aring 1994 (Reko DFWZ QLB)


Abb. 10 Raumbuch zur Konkretisierung der Schadensbefunde (DFWZ QLB)