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Schlossberg 11 – QLB
Bedingt durch den jahrelangen
Leerstand, durch ungestörtes Eindringen
von Feuchtigkeit sowie vorangegangene
Umbauten mit Eingriffen
in das statische Gefüge
zeichneten sich schon bei der ersten
Besichtigung des Objektes konstruktive
und holzschutzrelevante
Schäden ab. Aus diesem Grund
wurden schon zu Beginn der Bestandsaufnahme
ein Holzschutzgutachten
sowie ein Statik-Gutachten
beauftragt.
Die Fachwerkaußenwände waren
z.B. durch Nass- und Moderfäulepilze
in großen Teilen zerstört. Besonders
betroffen waren die Ostfassade
des Seitenflügels, der
Westgiebel des Haupthauses und
dessen Nordfassade im westlichen
Bereich. An den zugänglichen Stellen
der Traufbereiche war ebenfalls
Nass- und Braunfäule zu erkennen.
Teile der historischen Sandsteinwände
waren abgefroren und
heraus gefallen. Problematisch war
auch der Lasteintrag auf die Kellertonne
des Vorderhauses durch die
Flurwand, die auf dem Gewölbe
aufsteht.
Den Ergebnissen aus den Fachgutachten
wurden eine ergänzende
Schadensaufnahme der Entwurfsverfasser
und eine fotografische
Übersicht vom Objekt hinzugefügt.
Der zum Zeitpunkt der Begutachtung
sichtbare Schädigungsgrad
wurde somit bauteilbezogen übertragen,
um daraus einen Maßnahmekatalog
als Grundlage für die
nachfolgende Sanierungsplanung
zu formulieren. In der Maßnahmekartierung
sind parallel zur Benennung
der Schäden auch die geplanten
Maßnahmen je nach
Bauteil grafisch hinterlegt, z.B.
Schädlingsbefall; Sanierung/Teilaustausch;
Schädlingsbefall-Komplettersatz;
Reparatur; Aufarbeitung
Fenster/Türen; Ersatzneubau Fenster/
Türen; Freilegung-Nachuntersuchung,
etc (Abb. 3).
Das bedeutete jedoch noch keinen
endgültigen Schadensstand. Zusätzliche
Nachuntersuchungen und
Kartierungen erfolgten in Zusammenarbeit
mit den externen Gutachtern
bei partiell notwendigen
Freilegungs- und Rückbauarbeiten.
Hühnerbrücke 4, Grudenberg 8 – HBS
Bei dem 1697 errichteten Schulgebäude
Hühnerbrücke 4, dem ehemaligen Johanneum, handelt es
sich um den ältesten erhaltenen
Schulbau in Halberstadt. Der Fachwerkbau
erstreckt sich mit der östlichen
Gebäudelangseite an der
Straße Grudenberg und rahmt mit
der nördlichen Giebelseite die Platzsituation
an der Hühnerbrücke. Der
Südgiebel des Gebäudes ist gleichzeitig
der Nordgiebel des Fachwerkbaus
Grudenberg 8. Beide Bauten
sind zeitgleich entstanden.
Entlang der nach Westen führenden
Straße „An der Hühnerbrücke“
wurden im 18. Jahrhundert kleinere
zweigeschossige Reihenhäuser mit
zentralem Eingang errichtet. Das unmittelbar
an Hühnerbrücke 4 angrenzende
Haus Hühnerbrücke 3
besitzt keinen eigenen Giebel, sondern
wurde an den Schulbau angefügt.
Zwischen den beiden Häusern
führt ein kleiner Durchgang
zum Hofbereich.
Verursacht durch jahrelangen Leerstand
sind an allen drei Gebäudeteilen
massive konstruktive und
feuchtebedingte Schäden zu verzeichnen.
Im Rahmen der Sanierung der drei
Gebäudekomplexe wurde parallel
zu der Schuttberäumung in den Gebäuden
zunächst der Bestand hinsichtlich
der verschiedenen Bauphasen
und Schäden kartiert. In diesem
Arbeitsschritt erfolgte die Freilegung
einzelner Wandabschnitte
von Seiten der Bauforschung in Zusammenarbeit
mit einem Holzschutzgutachter.
Die freigelegten
Befunde wurden in einem Raumbuch
und in einem Plan kartiert sowie
fotografisch erfasst. Die Ergebnisse
aus den Fachgutachten
fließen in die Schadenskartierung
ein. Der Maßnahmekatalog für die
nachfolgende Sanierung im Abgleich
mit den Ergebnissen der Bauforschung
definiert bauteilbezogen
die einzelnen Ertüchtigungsschritte.
Der östliche Fassadenabschnitt im
Erdgeschoss und das gesamte
Obergeschoss von Hühnerbrücke 3
zeigten einen geschlossenen Abbund des 18. Jahrhunderts. An der
Fassade waren im Erdgeschoss ab
dem 5. Gebinde Ständer und Riegel
ausgetauscht worden. Der östliche
Bereich der Hoffassade und der daran
angrenzende Küchenraum von
Hühnerbrücke 3 waren bis zu der in
der Hausmitte liegenden Diele eingestürzt.
Besonders im Übergangsbereich
zwischen den Häusern und den
Fachwerkwänden im Durchgangsbereich
konnten massive Schäden
festgestellt und kartiert werden. Das
Schwell im Fassadenbereich zeigte
Nass- und Moderfäulepilze, im
Obergeschoss war das Schwell gebrochen.
An der Giebelwand im
Erdgeschoss zum Durchgang zwischen
Hühnerbrücke 3 und 4 waren
Braunfäule, der gewöhnliche
Nagekäfer sowie Echter Hausschwamm
zu verzeichnen 1. Das gleiche
Schadensbild zeichnete sich im
Obergeschoss ab. In Abstimmung
zwischen dem Bauforscher, der Architektin
und dem Holzschutzgutachter
wurden Bereiche des Rückbaus
unter Verwendung der
historischen Holzbauteile und der Ertüchtigung
des Bestandes definiert.
So wurden im Erdgeschoss und
Obergeschoss von Hühnerbrücke 3
die ersten vier Gebinde ab dem
Durchgang bis zur ersten bauzeitlichen
Bundwand zurückgebaut, da
in diesem Bereich keine Sicherung
des Bestandes aufgrund eingestürzter
Wände, Decken und Dächer
mehr möglich war.
Das Eckgebäude Hühnerbrücke 4
ist auf einem Sandsteinsockel in
Stockwerksbauweise mit leicht auskragendem,
oberem Stockwerk und
abschließendem Krüppelwalmdach
erbaut. Alle bauzeitlichen
Wände und Decken bestehen aus
Nadelholz. Der regelmäßige Abbund
an der Straßenfassade zeigt in
den unteren Gefachfeldern beider
Geschosse Fußstreben und kleine
Stiele in Art der Thüringer Leiter.
Die Rückfassade von Grudenberg 8
und Hühnerbrücke 4 zeigt einen
durchlaufenden Abbund mit Ständern
und Riegeln unterhalb der Deckenbalken.
In den Eckgefachen
verliefen in beiden Geschossen Streben
sowie eine Fußstrebe. Das Erdgeschoss
von Hühnerbrücke 4 besaß
bauzeitlich, ablesbar an den
Sturzriegeln und freigelegten Zapfenlöchern
vier große Fenster, die
den ursprünglich ungeteilten dahinter
liegenden Raum erhellten.
Grudenberg 8 besaß im Erdgeschoss
ursprünglich zwei Fensterachsen,
im Obergeschoss insgesamt
drei. Das bauzeitliche Gefachmaterial
besteht aus Stakenhölzern
mit Strohlehmputz.
Die Hoffassade und die angrenzenden
Räume von Hühnerbrücke 4
waren durch jahrelangen Leerstand
und fehlende Instandhaltungsmaßnahmen
Wind und Regen ausgesetzt,
was zum Teileinsturz der Dächer
führte. Die Fruchtkörper des
Echten Hausschwamms waren an
mehreren Riegeln und Ständern zu
verzeichnen, der Schwamm sowie
Nassfäulepilze führten in großen Teilen zum Einsturz der Fassade und
den angrenzenden Räumen. Das
gleiche Schadensbild zeichnete
sich im Obergeschoss ab. Der Maßnahmekatalog
für die nachfolgende
Sanierung im Abgleich mit
den Ergebnissen der Bauforschung
ergab, dass die Fassade entsprechend
der bauzeitlichen Substanz
mit auf gleicher Höhe durchlaufenden
Riegelketten vollständig rekonstruiert
wird.
Die Fachwerkaußenwände von Grudenberg
8 waren durch Nass und
Moderfäulepilze, den gewöhnlichen
Nagekäfer und Echtem Hausschwamm
zerstört. In diesem Bereich
wird die Fassade durch Rückschnitt
und Ergänzung der Holzbauteile
ertüchtigt.
Als weiteres Hilfsmittel zur Erstaufnahme
von Schadensbildern steht
ein Fragebogen zur schnellen Bestandsaufnahme
(Checkliste als
Multiple-Choice-Verfahren) zur Verfügung
(siehe Anhang).
Neben der Registrierung allgemeiner
Daten zum Objekt wird in diesem
Fragebogen weiterführend
nach dem Schadensort und der
Materialschädigung (innen oder
außen liegend, Wandkonstruktion,
Putze und Mörtel, Anstriche, Abdichtung,
etc.) untergliedert, das
Schadensbild beschrieben, der
Schadensauslöser und die Ursache
eingegrenzt. Abschließend werden
die vorgefundenen Schäden definierten
Kategorien zugeordnet, die
zwischen harmloser Baubeeinträchtigung,
leichtem Schaden, mittelschwerer
Schädigung sowie akuter
Schadstelle unterscheiden.
Der Fragebogen kann weiterhin zu
statistischen Zwecken, für die laufende
Bauunterhaltung oder als
Grundlage zur Erstellung von Wertgutachten
eingesetzt werden.
Die Konkretisierung der Schadensbefunde
sollte in einem Raumbuch
in differenzierbarer Bearbeitungstiefe
bzw. unter Hinzuziehung weiterer
Experten erfolgen. In einem solchen
Templait werden alle
relevanten Daten und Befunde bis
hin zu Detailzeichnungen konstruktionsbezogen
und übersichtlich dargestellt.
(Abb. 7) Ergänzt werden die
dort enthaltenen Angaben durch
die Gutachterlichen Stellungnahmen
des Holzschutzsachverständigen
und des Statikers, so dass in der
Folge sämtliche Schadensbilder in
den zuvor erarbeiteten Bestandsplänen
als grafische Übersicht aufbereitet
werden können. Aus diesen
kann anschließend – wie am Beispiel
des Bauvorhabens Schlossberg
11, Abb. 3 – ein detaillierter bauteilbezogener
Maßnahmekatalog entwickelt
werden.
1 Gutachterliche Stellungnahme Nr.: 038-2009, Hühnerbrücke 4, 38820 Halberstadt, Dipl. Bauing.: Ulrich Ellenberg
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