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Allein in Deutschland wurden bis
1996 etwa zwei Millionen zum Teil
äußerst hochwertige Fachwerkgebäude
bewahrt. 1 Diese sind zwangsläufig
nicht mehr in ihrer ursprünglichen
und reinen Konstruktion
vorhanden, konnten aber je nach
Art der Bewirtschaftung und Bauunterhaltung
mehr oder weniger
gut erhalten werden.
Jeder Versuch die Lebensdauer historischer
Bausubstanz zu verlängern,
ist mit der Veränderung des Vorhandenen
verbunden. Nicht nur
umfangreiche Modernisierungsund
Sanierungsmaßnahmen sondern
auch einfachste Reparaturund
Erhaltungsarbeiten sowie die
alltäglichen Umwelteinflüsse führen
zu fortwährendem Verschleiß und
Veränderung des historischen Originals.
Der heutige Zustand gibt Auskunft
über die technische Entwicklung,
die Ansprüche und gesellschaftliche
Stellung unserer Vorfahren
über mehrere Jahrhunderte.
Eine zunehmende Sanierungstätigkeit
und gleichzeitige Übernahme
von Neubaustandards 2, lässt sich
gegen Ende des 20. Jahrhunderts
auch in einen politischen Zusammenhang
bringen.Mit demZiel, die
energetischen Verluste zu reduzieren,
erließ die Bundesregierung 1976
das Energieeinspargesetz (EnEG)
und im Jahr 1977 die erste Wärmeschutzverordnung.
Die anschließenden,
staatlich geförderten Programme
für Zukunftsinvestitionen
„Verbesserung der Lebensqualität
in Städten und Gemeinden“ eröffneten
eine erste große Sanierungswelle
in den alten Bundesländern,
gefolgt von einer deutlichen Steigerung
der Sanierungstätigkeit in
den neuen Bundesländern, die zu
Beginn der 1990er Jahre einsetzte.
Die kontinuierlich gestiegenen Anforderungen
aus den verschiedenen
Stufen der Wärmeschutzverordnung
und der Heizungsanlagenverordnung
vereinten sich im
Jahr 2002 in der heute maßgeblichen
Energieeinsparverordnung
(EnEV), die zusätzlich veränderte Berechnungsverfahren
und Bewertungsgrößen
beinhaltet. 3
Wie sowohl dem 3. Bauschadensbericht
(1996) des Bundesministeriums
für Bauwesen und Raumordnung
als auch dem 2.
Bauschadensbericht der DEKRA
(2008) zu entnehmen ist, sind parallel
zu den verschärften Energieeinsparforderungen
deutlich zunehmende
Verluste an historischen Altbaubeständen,
insbesondere
Fachwerkbeständen aufgetreten.
Dass historische Fachwerkbauten
mit ihrer fugenreichen Kombination
aus hölzernem Tragwerk und verschiedenartigen
Ausfachungsmaterialien
auf jegliche Veränderung
empfindlich reagieren und somit
stärker von Folgeschäden und Verfall
bedroht sind als alle anderen
Bauweisen, ist in der Fachwelt bekannt.
Dennoch stellte sich als Folge
meist mehrerer, zusammentreffender
Ursachen heraus, dass vorwiegend
elementare, bauphysikalische
Grundregeln leichtfertig verletzt wurden,
wodurch der Feuchtehaushalt
des Gesamtgefüges aus dem
Gleichgewicht gebracht und erhebliche
Schäden hervorgerufen
wurden.
Die vom Bundesamt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR), der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (DBU),
dem Land Sachsen-Anhalt, Ministerium
für Landesentwicklung und
Verkehr und der BauBeCon Sanierungsträger
GmbH geförderte Forschungsarbeit
des Deutschen Fachwerkzentrums
Quedlinburg e.V.
„Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen
an ausgewählten
Bauten“ beschäftigt sich mit Fachwerkbauten,
die nach einer umfassenden
Sanierung wiederum Schäden
aufweisen. Neben der Dokumentation
der Bauschäden erfolgte
eine Eingrenzung und Konkretisierung
der Ursachen.
Die Auswertung dieses Projektes
zeigte, dass übermäßige Feuchtebelastung
die Hauptursache Nr. 1
für das Auftreten vieler Bauschäden
darstellt. Neben der Dokumentation
der Schäden haben wir uns intensiv
mit den planerischen, produktspezifischen,
ausführungstechnischen
und nutzungsbedingten Ursachen,
welche die Entstehung der übermäßigen
Feuchtebelastung und somit
das anhaltend hohe Schadenspotential
bei sanierten Fachwerkhäusern
hervorrufen, beschäftigt.
Ausdrücklich sei betont, dass nie
eine Ursache allein zu einem Schaden
geführt hat, sondern grundsätzlich
das Zusammentreffenmehrerer
ungünstiger Faktoren schadensauslösend
war.
Mit der Auswahl und Kombination
von Baustoffen und Dämmsystemen,
die in Abhängigkeit der späteren
Nutzung bauphysikalisch oder
bautechnisch nicht harmonieren
bzw. funktionieren, wurde bei etwa
zwei Drittel der untersuchten Objekte
die Voraussetzung zum Entstehen
einer lang anhaltenden, erhöhten
Bauteilfeuchte geschaffen.
Hinzu kommen Handwerkerleistungen,
die als nicht fachgerecht einzustufen
sind und die Art der Nutzung
und demdamit verbundenen,
typischen Nutzerverhalten. In welcher
zeitlichen AbfolgeMängel und
Schäden erkannt und behoben
werden, ist in engen Zusammenhang
mit den finanziellen Möglichkeiten
des Eigentümers und dem
Geschmack der Mieter (bei Schönheitsreparaturen)
zu bringen.
Der Bauherr als Eigentümer und in
der Regel Hauptfinancier der Baumaßnahme
soll durch diesen „Leitfaden“
einen Einblick in die planerischen
Erfordernisse, äußeren
Rahmenbedingungen, aber auch
Unerlässlichkeiten bei der Bauüberwachung
und Dokumentation erhalten.
Er soll motiviert werden, Planungsansätze
kritisch zu hinterfragen
und in die Lage versetzt werden,
den Umfang der notwendigen
Voruntersuchungen, Strategien und
Überwachungsmechanismen besser
beurteilen zu können.
Keinesfalls soll aber aus dem Bauherrn
ein Planer oder Handwerker
gemacht werden. Die Broschüre soll
Hinweise für eine nachhaltige Sanierung
der historischen Fachwerkhäuser
geben.
Sie ist nicht als Empfehlung zum „Selbermachen“
oder als Ausschreibungsvorlage
gedacht.
1 Gemäß 3. Bauschadensbericht (1996) des Bundesministeriums
für Bauwesen und Raumordnung
2 z.B. der Versuch den Wärmedurchgangskoeffizienten
(U-Wert) lt. EnEV für jedes Bauteil mit
modernsten Baustoffen einzuhalten.
3 Eßmann, F., Gänßelmann, J., Geburtig, G.; Energetische
Sanierung von Fachwerkhäusern, Die
richtige Anwendung der EnEV, Fraunhofer IRB
Verlag, 2005, S. 31 ff.
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