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Auf Initiative des Ministeriums für
Wohnungswesen, Städtebau und
Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt,
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
der NORD/LB Landesbank
für Sachsen-Anhalt, des Landesamtes
für Denkmalpflege in Halle und
unter Einbeziehung verschiedener
Handwerkskammern, Institute und
der BauBeCon Sanierungsträger
GmbH sowie der Stadt Quedlinburg
wurde das Deutsche Fachwerkzentrum
Quedlinburg in der UNESCO –
Welterbestadt in Trägerschaft des
Zentrums für Handwerk- und Denkmalpflege
gegründet. Seitens der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt
wurde für zwei Jahre eine Anschubsfinanzierung
gewährt.
Als geeigneter Standort wurde der
barocke Kaufmannshof in der Blasiistraße
11 im Eigentum der NORD/LB
Landesbank für Sachsen-Anhalt gefunden,
die seit 1998 das Vorderhaus
mit dem angrenzenden Seitenflügel
und dem Hinterhofgebäude
den Aufgabengebieten entsprechend
rekonstruiert und umgebaut
hat. Im Hauptgebäude befindet
sich der Verwaltungsbereich.
Die Seitengebäude beherbergen
Ausstellungsräume undWerkstätten,
welche für Praxisseminare wie auch
für die Projektarbeit genutzt werden.
Das Haus, seit 2008 im Besitz der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
wurde dem Zentrum mietfrei für
seine Arbeit im Bereich der denkmalgerechten
Instandsetzung von
historischen Gebäuden in Verbindung
mit dem Heranführen junger
Menschen an dieses Tätigkeitsfeld
zur Verfügung gestellt.
Nachdem das Fachwerkzentrum
durch die Insolvenz des damaligen
Mutterhauses in Fulda im Jahr 2001
vorübergehend durch die Deutsche
Stiftung Denkmalschutz übernommen
wurde, erfolgte im November
2002 die Gründung des gemeinnützigen
Vereins Deutsches Fachwerkzentrum
Quedlinburg e.V. unter
anderem mit Unterstützung des
Landes Sachsen-Anhalt, der Stadt
Quedlinburg und der Deutschen
Stiftung Denkmalschutz.
Seit der Neugründung kann der Verein
in seinem Werdegang auf eine
anschauliche Zahl vonMitarbeitern,
zur Zeit zehn Festangestellte, zwei
Auszubildende sowie sechs Teilnehmer
der Jugendbauhütte Quedlinburg,
eine fortschreitende Ausstattung
und Modernisierung der Büround
Werkstatträume sowie auf eine
große Anzahl erfolgreich bearbeiteter
und noch zu bearbeitender
Projekte in Zusammenarbeitmit verschiedenen
Ministerien auf Landesund
Bundesebene, Stiftungen und
Sanierungsträgern blicken. Dabei
stehen die drei Arbeitsschwerpunkte:
Bauprojekte, Grundlagenforschung
und Bauforschung im
Vordergrund der Arbeiten.
Die Bauprojekte sind der barocke
Kaufmannshof, Goldstraße 25 in
Quedlinburg, imEigentumder Deutschen
Stiftung Denkmalschutz, der
mit 42 jungen Menschen aus der
Bundesrepublik aber auch Frankreich,
England, Russland, Australien
und Japan ökologisch und denkmalgerecht
saniert wurde. Das
Nachfolgeprojekt bildete das Klopstock-
Gartenhaus der Stiftung Moritzburg.
Auch hier führten Jugendliche
aus Deutschland, Frankreich
und Japan die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten
unter Leitung
des Fachwerkzentrums durch. Dazu
gehörten die Instandsetzung der
sandsteinernen Einfriedung, Putzarbeiten
im Haus, die Restaurierung
der Fenster und Türen und die Aufarbeitung
des historischen Kastenofens.
Parallel begannen erste Sanierungsarbeiten
im „Gelben Haus“
in Wörlitz im Auftrag und in Kooperation
der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.
Nach Aufmaß und Bauforschung
erfolgte auch hier die
Restaurierung erster Ausstattungsdetails,
die zum Teil in Kompaktseminaren
auch vor Ort durchgeführt
wurde. Das Fachwerkzentrum kooperiert
zudem mit den internationalen
Jugendgemeinschaftsdiensten
innerhalb der Bildungsseminare
für die Jugendbauhütte.
Die in der Grundlagenforschung bearbeiteten
Projekte liefern Aufschlüsse
über Baugeschichte, Baukonstruktionen,
Bauveränderungen
und Bauschäden. Die Ergebnisse
stehen für die Erarbeitung von nachfolgenden Sanierungskonzepten zur
Verfügung. Das Projekt „Baugeschichtliche
Begleitdokumentation
von denkmalpflegerisch bedeutsamen
Gebäuden in Quedlinburg“
wurde im Dezember 2001 begonnen
und bis 2008 insgesamt 56 Bauobjekte
von der Erfassung der historischen
Bausubstanz bis zur
Kartierung der Bauphasen und konstruktiven
Eigenheiten bearbeitet. So
wurden zumBeispiel in demältesten
profanen Steinbau der Stadt, der
„Hölle 11“ aus dem 12. Jahrhundert
während der Untersuchungstätigkeit
ein gotisches Fenstergewände, eine
romanische Säule sowie Renaissancegewände
freigelegt. Bei der
Bauforschung am Schlossberg 11,
dem Vorderhaus der Lyonel-Feininger-
Galerie konnte der bauzeitliche
Grundriss aus der Barockzeit erforscht
werden.
Weiterhin wurde imJahr 2003 ein internationales
Kompaktseminar im
Kloster Jerichow, der Stiftung Kloster
Jerichow durchgeführt. Teilnehmer
aus Bolivien, China, Japan, Frankreich
und den Niederlanden erlernten
in dem Seminar das Aufmaß im
Bereich des Dachstuhls des Klosters.
In den folgenden Jahren wurde die
Bauforschung am Westflügel der
Stiftsklausur weitergeführt.
Weitere herausragende Denkmalobjekte
wurden baubegleitend zur
Sanierung untersucht. Im Schloss
Stolberg begann das Aufmaß und
die Bauforschung im Jahr 2002,
nachdem die Deutschen Stiftung
Denkmalschutz das Schloss übernahm.
Beim Schloss Friedenstein in
Gotha, der Stiftung Thüringer Schlösser
und Gärten, bildeten den
Schwerpunkt der Projektarbeit das
Bauaufmaß unterschiedlicher Gebäudeabschnitte
und die Fensterkartierung.
Für die Jahre 2006/07 wurde als
neues Projekt der Fachwerklehrpfad
durch die Welterbestadt Quedlinburg
für Erwachsene und Kinder erarbeitet
und das Projekt Folgeschäden
nach Sanierungsmaßnahmen
an ausgewählten Bauten begonnen.
2008 wurde unter anderemdie Bauforschung
an einem bedeutenden
Gebäude in Osterwieck durchgeführt.
Als eines der ersten Fachwerkbauten
wird der so genannte „Bunte
Hof“, ein ehemaliger Adelssitz aus
dem 16. Jahrhundert untersucht.
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