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  Schloss Friedenstein in Gotha    
     


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Bauschadensprojekt
  Das Schloss Friedenstein in Gotha mit seinem U-förmigen Grundriss wurde nach den Plänen des Architekten Andreas Rudolph in den Jahren 1643 bis 1654 für Herzog Ernst den Frommen (1601 bis 1675) errichtet. Es befindet sich auf dem höchsten Punkt südlich der Altstadt, an der Stelle der 1567 zerstörten Burg Grimmenstein. Im Sommer 2004 wurde auf Veranlassung des Bauherrn, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, mit der Bauaufnahme und Bestandserfassung im Schloss Friedenstein in Gotha begonnen. Bis zum Jahr 2006 wurden u.a. das verformungsgetreue Aufmaß und die Fensterkartierung des dreiflügligen Schlosskomplexes umgesetzt. Darüber hinaus wurde das Deutsche Fachwerkzentrum im Rahmen der stattfindenden Baumaßnahmen durch den Bauherren mit weiteren Aufgaben betreut. Beauftragt wurden die Farbfassungsuntersuchung der Haupttreppenhäuser, die Risskartierung der Decke im Spiegelsaal sowie ergänzende Vermessungsarbeiten.

Aufmaß mittels Tachymeter

Grundrisse und Schnitte der zu vermessenden Bereiche des Schlosses Friedenstein wurden mittels Tachymeter aufgenommen (Abb. 19). Dieses Messgerät ermöglicht die gleichzeitige Erfassung von Winkeln und Strecken, welche automatisch in 3D-Koordinaten umgewandelt werden. Die gemessenen Koordinaten können auf einem angeschlossenen Laptop unmittelbar zu einer CAD-Zeichnung vervollständigt werden. Auf diese Weise wurden im Jahr 2004 am Pagenhaus, Wachthaus und dem Ostturm des Schlosses Grundrisse und Schnitte gemessen. Im Jahr 2005 erfolgte die Bearbeitung des Westflügels. Alle erstellten Zeichnungen sind auf einen Polygonzug im Hof des Schlosses bezogen. Dadurch lassen sich die Einzelaufmaße lagerichtig zusammenfügen.

Vektorisierung von Bestandsplänen

Für Teilbereiche des Schlosses lagen bereits sehr detaillierte, verformungsgetreue Handaufmaße vor, die nach einer Prüfung der Genauigkeit in das zu erstellende Gesamtaufmaß einbezogen werden konnten. Dazu mussten diese Pläne zunächst digitalisiert werden. Anschließend erfolgte eine so genannte Plankorrektur, um Verzerrungen zu beseitigen. Die so erzeugten Pixelgrafiken wurden danach vektorisiert, also in CAD-Zeichnungen umgewandelt, wodurch sich die Datenmenge erheblich reduziert und die Weiterbearbeitung sowie der Datenaustausch wesentlich erleichtert oder zum Teil erst ermöglicht wird.

Fensterkartierung

Abgeschlossen wurde im Jahr 2006 die Kartierung aller etwa 850 Fenster des Schlosses, die in ihren konstruktiven Merkmalen beschrieben und zeitlich eingeordnet wurden. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Fenstern älterer Bauphasen, die zu Teil noch im Schloss anzutreffen sind. Zudem sind Teile wie Flügel und Rahmen in Zustandskategorien von unbeschädigt bis stark beschädigt erfasst worden. Die Schadenskartierung bietet eine Entscheidungshilfe für anstehende Reparaturarbeiten in Bezug auf Dringlichkeit und erforderliche Maßnahmen. Da von Seiten des Bauherren beabsichtigt ist, Maßnahmen an Fenstern nur entsprechend der Notwendigkeit auszuführen, wäre ein statisches Kataster in Papierform durch ständige Veränderungen an den Fenstern schnell veraltet. Deshalb beauftragte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Schaffung einer Datenbank, in der neben der derzeitigen Bestandserfassung auch alle zukünftigen Veränderungen eingetragen werden sollen und so immer der aktuelle Datenbestand abgerufen werden kann. Am Aufbau dieser Datenbank war das Deutsche Fachwerkzentrum inhaltlich maßgeblich beteiligt.