Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.

Bauforschung

Ein Schwerpunkt des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e.V. bildet die baugeschichtliche Untersuchung und Dokumentation bedeutender Baudenkmäler des Landes Sachsen-Anhalt.

Ziel der Forschung ist es, für denkmalrelevante Häuser eine Dokumentation anzulegen, welche die Geschichte eines Hauses - die ursprüngliche Konstruktion und spätere bauliche Veränderungen erfasst sowie Bauschäden und Nutzungsmängel diagnostiziert, um Verluste der historischen Bausubstanz in Folge von Sanierungsarbeiten zu reduzieren.

Auszug aus den Bauforschungsprojekten der letzten Jahre

Quedlinburg, Hölle 11

In der UNESCO Weltkulturerbestadt Quedlinburg, dem größten Flächendenkmal Deutschlands wurde seit Januar 2002 vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg - Abteilung Bauforschung der älteste profane Steinbau der Stadt, die Hölle 11 baugeschichtlich untersucht. Das Projekt in Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, wird finanziert vom Kultusministerium, dem Europäischen Sozialfond und dem Arbeitsamt

Baubeschreibung

Das Gebäude, ein 2-geschossiger, traufständiger Sandsteinbau, dessen älteste Bauteile bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen, ist nach bisherigen Kenntnissen der älteste erhaltene Steinbau Quedlinburgs außerhalb des Stiftgebietes mit Schloss und Wipertikirche. Die wehrhafte Anlage, vermutlich ursprünglich ein Immunitätsbau, wurde wohl noch vor Errichtung der endgültigen Stadtmauer erbaut.

Der heutige Bau untergliedert sich in drei Gebäudeabschnitte. Der älteste südliche Teil wurde ursprünglich vollständig von sandsteinernen Umfassungsmauern umgeben. Die Südfassade besitzt einen, von heute angrenzenden Nachbarbauten verdeckten, romanischen Sandsteingiebel mit Giebelfenster.

Nutzungsgeschichte

Im 17. sowie 18. Jahrhundert diente der Bau Stadtschreibern und Kämmerern der Stadt Quedlinburg als Wohnsitz, zu Beginn des 16. Jahrhunderts beherbergte er eine Bruderschaft. Im 19. Jahrhundert wurde der Bau als Wohnhaus und Gaststätte genutzt und schließlich ein Lichtspielsaal auf dem rückwärtigem Hofbereich errichtet.

Durch den späteren Einbau einer Schwarzen Küche, einer offenen Feuerstelle mit Schlot, der sich bis zum Dachraum erstreckte und der Zusammenlegung der einzelnen Gebäude im frühen 14. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Raumaufteilung im Innern verändert. Lediglich die rückwärtigen Räume zeigen noch die ursprüngliche Struktur. Umlaufende, auf der Sandsteinwand aufliegende Holzbalken bilden das Auflager der handbebeilten Deckenbalken mit Waldkante.

Der nördliche Gebäudetrakt, dessen Fassade heute durch einfache rechteckige Fenster des 19. Jahrhunderts gegliedert ist, zeigte nach Freilegungsarbeiten des Zementputzes seitlich der Fensterrahmen Renaissancegewände mit mehreren Farbfassungen und schwarzem Beistrich. Unmittelbar an die Renaissancegewände anschließend und durch deren Einbau stark zerstört, wurden ältere Fenstergewände sichtbar, vermutlich mit Dreipass (Kleeblattfenster), wie sie in der 1. Hälfte des 13. Jh. üblich waren.

Im mittleren Gebäudeabschnitt konnte ebenfalls infolge der Untersuchungen ein gotisches Gewände mit Spitzbogen mit eingeschriebenem Dreipass freigelegt werden - ein Befund, der in Quedlinburg nur noch an einem Bau in der Breite Strasse 18 nachgewiesen werden konnte.

Infolge der Abrissarbeiten des Lichtspielsaals trat noch ein besonderes Fundstück zu Tage. Zwischen die zweischalige Sandsteinmauer wurde als Füllung der Wand neben Bruchsteinen in Lehmmörtel gebettet, eine romanische Sandsteinsäule, deren Basis und Säulenschaft noch gut erhalten ist, vermauert. Sie diente vermutlich als Mittelsäule der Biforien- oder Triforienfenster des nördlichen Gebäudeteils. Auf der unteren Seite der Basis sind der Zirkelschlag und die Diagonalen des Steinmetzes zur Bestimmung der Dimension noch erhalten.

Im Zuge der Untersuchungen durch das Bauforscherteam konnten in diesem Gebäudeabschnitt romanische Gewände, bauzeitliche Nischen und Quaderfugen, die als glatt verstrichene Kalkmörtelfüllungen ausgeführt wurden, auf der Innenseite der Außenwände freigelegt werden.

Quedlinburg, Wordgasse 4

Baugeschichte des Westflügels auf dem Hof Wordgasse 4 (Fleischhof) in Quedlinburg

Der Westflügel des Fleischhofs ist betreffend seiner Kubatur Im Wesentlichen ein Gebäude aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Dies betrifft den südlichen, gratgewölbten Keller, die Umfassungsmauern und das Dachwerk. Die beiden Inschriften, im Eingangsportal "1567", sowie am überbauten Giebelfeld des südöstlichen Zwerchhauses "1566, ermöglichen eine Datierung der Fertigstellung des Kernbaus in das Jahr 1567. In den folgenden Zeiten fanden jedoch eine Reihe z. T. erheblicher Umbauten statt, die eine fast vollständige Veränderung der Binnenstruktur zur Folge hatten. An der Westgiebelseite des Gebäudes wurde die im Kern mittelalterliche Stadtmauer überbaut.

Raumaufteilung und Ausstattung im Jahr 1566/67

Im Jahr 1566/67 wird den Wappen und Inschriften des Portals zu Folge H. V. W. [Hans von Wulfen] und M – E. v. P. [Elisabeth von Plotho] ein repräsentativer Wohnbau errichtet. Dieses Gebäude entspricht dem noch erhaltenen rechteckigen, zweistöckigen Bau, der allerdings nur im südlichen Bereich unterkellert war. Kennzeichen dieses ursprünglichen Baus war eine dreizonige Untergliederung im Erd- und Obergeschoss. Im Erdgeschoss befand sich in der Mitte, wie auch heute noch, eine weit angelegte Flurzone zur Erschließung der seitlichen Räumlichkeiten. Südlich der Flurzone befand sich eine geräumige, gebäudetiefe Küche mit einem weiten Rauchfang. Dieser hatte seinen Abzug als weiten Schornstein, der durch den darüber liegenden großen Saal bis über den Dachfirst des südöstlichen Zwerchhauses führte.

Von dem mittigen Flur gelangte man auch über eine abgewinkelte Treppe, deren Lage heute noch belegt wird, in das Dachgeschoss. Dieses wurde räumlich durch das Dachwerk mit einem liegenden Stuhl und drei Zwerchhäusern gebildet. Es besaß zwei Ebenen. Den eigentlichen Dachboden und den auf der Kehlbalkenlage angeordneten Spitzboden.

1. Umbauphase gegen Ende des 16. Jahrhunderts

Die erste große Welle an Umbauten wurde durch den Anbau des Südflügels Ende des 16. Jahrhunderts ausgelöst. Der Anbau fand im Zeitraum von 1580 bis 1595 statt. Dadurch wurden im Binnenraum des Westflügels eine Reihe räumlicher Veränderungen vorgenommen.

Umbauphase 17. Jahrhunderts (um 1662/63)

Eine in diese Zeit zu datierende sehr umfassende Umbauphase wurde durch eine Gebäudeinstabilität unbekannter Ursache ausgelöst. So wurde das damals noch vorhandene mittige Zwerchhaus entfernt, die Dachbalken in diesem Bereich ausgetauscht und die Fassaden sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite erneuert. Die Umbauten werden durch Dendroproben datiert. Aus dieser Zeit stammen auch die vor der Innenseite der Ost- und Westwand und mit Eckständer abgestützte Streichbalken. Hier erhoffte man sich eine Stabilisierung des Anschlusspunktes von Dachbalkenlage auf die Außenwandständer, die den Abbruch des mittigen Zwerchhauses notwendig gemacht hatten. Auch der im Treppenraum des Obergeschosses unter den Mittellängsunterzug gestellte Ständer mit profilierten Kopfbändern (unterseitiger Eselsrücken) und mit Pyramidenköpfen versehenem Sattelholz kann stilistisch in diese Zeit eingeordnet werden.

Umbauphase um 1728

Zu diesem Zeitpunkt kommt es zum Einbau des mittigen Ständers mit Beschlagwerk im Erdgeschossflur sowie der elfteiligen Textiltapete im Raum 1.15. Während der Ständer mit der Inschrift "1728" am Fußpunkt versehen ist, kann die Textiltapete, die heute fast vollständig in der Burg Falkenstein ausgestellt ist, aufgrund ähnlicher Motive und der dargestellten Mode in diese Zeit zugeordnet werden. So finden sich sowohl auf dem Ständer als auch auf der Tapete Papageien wieder. Typisch für die Herrenmode der Zeit sind Kniehose (Culotte) mit Strümpfen, der Rock und der Dreispitz.

Umbauten aus der Jahrhundertwende um 1900

Einige bauliche Veränderungen lassen sich etwas genauer dem späten 19. Jahrhunderts zuweisen. Wichtigste Umbauten sind das Einziehen neuer Trennwände. Neben den Umbauten im Obergeschoss wurde auch die Treppe im Erdgeschoss erneuert.

Bauliche Veränderungen in der Nachkriegszeit

Ein sehr umfassender Umbau fand in der Zeit nach dem 1. WK und vor 1938 statt. Dieser könnte von dem Samenhändler Carl Sperling nach der Übernahme des Hofs von seinem Vater Walter Sperling zwischen den Jahren 1925 und vor 1935 veranlasst worden sein. Bei diesem Umbau wurde im Erdgeschoss der gesamte nördliche Gebäudeteil abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde durch massive Querwände in etwa gleich große Räume unterteilt. Den Kelleraum überbaute man dabei mit einer Stahlkonstruktion. Der Keller selbst wurde um 30 cm eingetieft. Auch mauerte man die beiden Schildwände vollständig neu auf. Spätestens in dieser Bauphase dürften die beiden noch vorhandenen Schornsteinzüge aus dem 16. Jh. abgebrochen worden sein.

Stolberg, Schloss Stolberg

Das Schloss Stolberg, auf dem Berg zwischen dem "Ludetal" und dem "Kalten Tal" gelegen, diente seit dem 13. Jahrhundert bis 1945 das Schloss als Sitz des Grafengeschlechts von Stolberg bzw. der Fürsten zu Stolberg-Stolberg.

Das heutige Areal umfasst eine dreiflüglige Anlage mit dem Küchenflügel im Osten, dem so genannten Fürstenflügel im Süden und dem Torhaus im Westen. An den Torhausflügel schließt ein wirtschaftlich genutztes Gebäude an. Der Hof des Schlossareals wird im Norden von einem aus der Barockzeit stammenden Fachwerkbau, dem Windfang, abgeschlossen.

Die ältesten mittelalterlichen Gebäude lassen sich erst seit dem 15. Jahrhundert erfassen. Spätere Umbauten und eine Erweiterung der Schlossanlage erfolgten im 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance. Von 1690 –1720 entstanden die repräsentativen Säle, wie der große Tafelsaal im Torhausflügel oder der große Empfangssaal im Fürstenflügel. Ab 1948 wurde das Schloss zum Erholungsheim der Lehrergewerkschaft umgebaut. Seit 1994 stand das Schloss leer und war somit dem Verfall preisgegeben. Das Schloss wurde 2002 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übernommen, um es vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Unmittelbar nach der Übernahme begannen die ersten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten und die Bauforschung von Seiten des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburgs gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt.

Nach bisherigem Kenntnisstand der Bauforschung wurden die spätmittelalterlichen Gebäudeteile im 16. Jahrhundert in die dreiflüglige Gesamtanlage des Renaissanceschlosses mit einbezogen. Die baulichen Befunde wie zugemauerte Tür- und Fensteröffnungen zeigen, dass das spätmittelalterliche Gebäude zweigeschossig war. Es erstreckte sich im Erdgeschoss vom Küchenflügel bis zum heutigen zentralen Treppenhaus im Fürstenflügel.

Laut archivalischen Quellen präsentierte sich der Bau mit zumindest einem Turm und einem im Inventar von 1499 erwähnten Erker am "Neuen Haus" zur Stadt. Die großen Fensteröffnungen besaßen kleinteilige, in Blei gesetzte Scheiben und verschließbare Riegelläden. Die Außenmauern waren jedoch keineswegs farblos gestaltet. Im Jahre 1500 zur Ankunft der Braut Bothos wurde die Außenfassade zunächst mit Leimwasser grundiert und anschließend mit brauner, schwarzer, gelber und grauer Farbe gestrichen.

Die baulichen Befunde für das 15. Jahrhundert

Das südöstliche Rondell wurde zeitgleich mit dem angrenzenden südlichen Bau errichtet. Die ein Meter starken Außenmauern sind im Verband aufgemauert. Oberhalb des auf Fels gegründeten Verlieses, das bereits 1521 in den Renteirechnungen des Schlosses erwähnt wird, befindet sich der Gefechtsraum. Die sechs Nischenöffnungen in dem kreisförmigen Raum wurden als Schießscharten genutzt. Die einzelnen Nischen sind mit einem Gewölbe aus Schieferplatten in Gipsmörtel überspannt. Die eigentliche Öffnung ist mit einem eichenen Holzbrett, vermutlich zum Anlehnen der Gewehrbüchsen abgeschlossen. Die eichenen Holzbretter konnten auf das Jahr 1455(d) datiert werden. Die Prellhölzer waren bauzeitlich in die Nischen eingelassen worden. Inwieweit sich dieses Baudatum auf den gesamten südlichen Keller bezieht, muss derzeit noch offen bleiben. Eine Abschlusswand des mittelalterlichen Baus konnte in der Lage bisher nicht exakt ermittelt werden. Das Baudatum 1455 steht mit einem Regierungswechsel in Zusammenhang. Am 15. März 1455 übernahm Heinrich "der Ältere" die Regierung von seinem Vater Botho II.

Der Fürstenflügel

Im Zuge der Sanierungsarbeiten konnte im Rahmen der Bauforschung vom Fachwerkzentrum im Südflügel, bzw. Fürstenflügel weitere Raumstrukturen freigelegt werden, die bereits vor dem Umbau der Renaissance um 1540 bestanden.

Der südöstlich an die Kapelle angrenzende Raum besaß im Mittelalter zwischen Erd- und Obergeschoss eine Balkendecke. Ein Konsolstein der Balkendecke war, in gleicher Höhe mit dem Konsolstein im Flur, in dem in der Barockzeit ausgeführten Kaminschacht erhalten geblieben. Das Tonnengewölbe aus Schiefer- und Bruchsteinen mit Kalkmörtel wurde nachträglich mittels einer Bretterschalung eingezogen.

Im Wesentlichen wurde die Raumaufteilung des Erdgeschosses auch im Obergeschoss fortgeführt. Im Bereich des heutigen fürstlichen Schlafzimmers befand sich ebenfalls ein langrechteckiger schmaler Raum. Den Deckenabschluss des Raumes bildete ein steil verlaufendes Kreuzgratgewölbe, dessen Gewölbezwickel an der östlichen und westlichen Wand noch erhalten sind. Der Raum wurde im Mittelalter von einer großen Fensteröffnung in der südlichen Außenwand belichtet. Erst durch Umbauten in der Barockzeit wurde ein Teil des Fensters abgerissen bzw. zugesetzt.

Der Bodenbelag bestand aus einem Gipsestrich mit Ziegelsteinen und Schieferplatten, die in den Randbereichen deutlich abgetreten sind. Im südlichen Bereich des Raumes wurde zeitgleich mit Bau des Gewölbes ein Schornsteinschacht aufgemauert, der im Erdgeschoss im östlichen Fensternischengewände fortgeführt wird. Ebenfalls in der Renaissance wurde der langrechteckige Raum mit einer Trennwand, in Höhe der im Erdgeschoss verlaufenden Mittellängswand unterteilt.

Die baulichen Veränderungen bedingte offensichtlich ein Nutzungswechsel, der in Zusammenhang mit einer Feuerstätte stand. In einem Inventar des 17. Jahrhunderts wird ein Langer Gang erwähnt, "in welchem man zu benannter Hofkapelle" gelangte. Der Gang war laut Inventar gepflastert, die Deckenbalken mit einem Kalkputz versehen. Am Ende des Ganges waren einige Räume gewölbt, eine Türöffnung führte zur Kirche, eine weitere Öffnung zu einem Laboratorium, auch Brenngewölbe genannt. Die Nutzung des Raumes als Laboratorium im Erdgeschoss wird auch durch den Fund von Glasscherben zwischen dem Gewölbeschutt bekräftigt.

Der Umbau zum Renaissanceschloss im 16. Jahrhundert

Die wesentlichen Umbauten zum Renaissanceschloss wurden von dem aus Komotau in Böhmen stammenden Baumeister Andreas Günther durchgeführt. Im Erdgeschoss des Küchenbaus wurden weit gespannte Kreuzgratgewölbe auf freistehenden Pfeilern eingezogen. Die Kapelle erhielt ein in der Formensprache eher spätgotisches Netzrippen- und Sternrippengewölbe. Ebenso wurden der Küchenbau, der Fürstenflügel und der westliche Flügel mit einem weiteren Geschoss in Fachwerkbauweise aufgestockt und mit Zwerchhäusern geschmückt. Nach dem Renaissanceumbau unter den vier Söhnen Bothos III. von 1538–1547 war das Schloss in drei Wohntrakte aufgeteilt.

Die Dachkonstruktion über dem Küchenflügel, auf 1540(d) datiert, wurde als Sparrendach mit zwei Kehlbalkenlagen ausgebildet. Die in Höhe der Traufe in Deckenbalken einbindenden Sparren lassen im Wechsel zu den Sparren, die in die Deckenbalkenlage des ersten Obergeschosses eingezapft sind, die Anzahl der in dem Baukontrakt und dem Inventar von 1684 bereits erwähnten Zwerchhäuser erkennen. Zum Kalten Tal befanden sich drei Zwerchhäuser, zum Innenhof war lediglich ein Zwerchhaus mittig angelegt worden.

Bereits im 17. Jahrhundert begannen Umbauarbeiten am Küchenflügel, die Zwerchhäuser wurden zurückgebaut und eine bis zur Dachkonstruktion ragende Fachwerkwand errichtet.66 Auch der südöstlichen Bereich des Fürstenflügels, der über alle Dachgeschosse emporragt, ist der Dachgeschossebene der Renaissance zuzuweisen. Laut dem Inventar von 1684 war das Dach mit zehn Zwerchhäusern und insgesamt 58 Gespärren ausgestattet. Ein Fragment dieser Zwerchhausaufbauten befindet sich noch in Höhe des südöstlichen Turmrondells. Die Dachkonstruktion, eine liegende Stuhlkonstruktion mit einem Hängewerk im achten Gespärre, ist noch in neun mit Abbundzeichen versehenen Gespärren erhalten.

Im Innern wurde in der Renaissance wurde in der Kapelle, das Netzrippengewölbe im großen Raum und das Sterngewölbe im Turmrondell eingezogen Die heutige Ausstattung, den steinernen Altar und den Aufsatz mit zwei Säulen mit Kapitellen und seitlichem Schleierwerk aus Alabaster stiftete laut Inschrift Graf Johann Martin im Jahre 1667. Die weitere Ausstattung der Schlosskapelle: die Orgel, die zweigeschossige Empore und die Fürstenloge folgte um 1700. Der Altaraufsatz erhielt 1708 zwei Skulpturen, Johannes und Moses, als Symbole für das Alte und das Neue Testament. Zur selben Zeit vervollständigte eine Engelsfigur das protestantische Programm des Altares. Ebenfalls zu sehen ist eine hebräische Inschrift "Jahwe", mit Wolken und Strahlenkranz umgeben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde eine Kanzel an der Ostwand eingebaut und gleichzeitig Änderungen an der Oberfläche der Ausstattung vorgenommen.

Das 18. Jahrhundert

Im 18.Jahrhundert wurde dem Schloss ein auf einem massiven Untergeschoss aus Bruchstein errichtetes Torhaus vorgelagert. Das dreiflüglige Hauptschloss wurde im Norden durch einen mit dem Westflügel in Verbindung stehenden Laubengang und dem Windfang abgeschlossen. Das hofseitige Portal des Fürstenflügels ergänzte man im Verlauf der Umbaumaßnahmen mit dem Stolberg-Hessischen Allianzwappen und zwei vergoldeten Löwen als Wappenhalter. Betritt der Besucher heute das Schloss durch das Hauptportal im Fürstenflügel, so gelangt er in das Vestibül, um anschließend über eine große zweiläufige Treppe in das erste Obergeschoss empor zu schreiten. Die Haupttreppe in der Mitte des Fürstenflügels wurde vornehmlich in den Jahren 1708/09 erbaut. Ein nahezu wörtlich umgesetzter, in 12 Punkten gegliederter Kontrakt zwischen dem regierenden Grafen Christoph Friedrich und dem Baumeister Buchau (auch Büchau) legte die Ausführung der Treppe und die Ausstattung mit Skulpturen genau fest. Die Postamente und die Baluster sollten aus einem roten Stein, alle weiteren architektonischen Glieder in einem schwarzen Stein, einem Anhydrit, gefertigt werden.

Auf den Postamenten waren Pallas Athene, Herkules sowie kindliche Skulpturen gewünscht. In der gegenüberliegenden Fensterfassade in einer Nischenarchitektur sollten zwei überlebensgroße Statuen Juno mit ihrem Pfau und Jupiter, ihr Gemahl mit seinem Adler, aufgestellt werden. Die Steigung und das Schrittmaß der Treppe wurden im Kontrakt mit 13 Stufen zu den beiden Podesten festgelegt. Historische Aufnahmen von 1917 zeigen Athene mit Speer und Eule auf dem untersten Podest stehend. Herkules mitLöwenfell auf dem oberen Podest ist von zwei an den Treppenhauswänden stehenden kindlichen Skulpturen umgeben. Die Skulpturen wurden 1950 zerstört. Nur noch Reste der Skulpturen, wie der Torso von Pallas Athene oder ein Teil des Beines von Jupiter konnten bei Aufräumarbeiten geborgen werden.

Ein weiterer Kontrakt zwischen dem Grafen und einem Maler umfasste einen Umfang von 70 Gemälden in Freskotechnik. Der Künstler mit seinem Handlanger und Kalksetzer ritzten die Malerei zunächst in den nassen Putz ein, um sie anschließend farbig zu fassen. Der unterzeichnende Künstler, Francisco Aprill, übernahm bereits die Ausmalung des Großen Tafelsaals nach dem Tod von Samuel Blättner. So wurden die Plafonds an der Decke und auch die Wände, so im Saal, in den Vorgemächern, dem gräflichen Kabinett sowie im Treppenhaus und dem angrenzenden Großen Gang ausgemalt. Die Skulpturen der römischen Götter standen inmitten eines gemalten Pavillons, dessen drei Pilaster mit Kapitellen auf jeder Wandseite mit großen steinernen Arkadenbögen überspannt werden.

Der Blick des Betrachters wird aus dem Pavillon heraus in eine weite Landschaft mit Bäumen, Blumen und einem kleinen Flusslauf geführt. Im Bildvordergrund liegt eine junge schwangere und schlafende Frau auf einem Felsplateau in Höhe des Brüstungsgeländers. Auf der gegenüberliegenden Seite inmitten von einer Palme, einer Zeder, drei Zypressen und einem Lorbeerbaum ein in die Nacht davonfliegender Engel mit Flügeln zu sehen. Der abgewandte Engel mit dem nach oben gerutschten Gewand hält in jeder Hand eine brennende Fackel. In dem unteren Bereich der westlichen Wandhälfte wird die Malerei. Ein im römischen Gewand und roter Tunika gekleideter Feldherr schreitet auf Höhe des Treppengeländers in eine weitergeführtfelsige, grottenähnliche Landschaft nach unten, scheinbar um die Besucher des Schlosses zu empfangen. Erscheint die Malerei mit der schlafenden Frau als eine Allegorie des Lebens, ist der in die Dunkelheit auf eine Baumgruppe zufliegende Engel als Gegenüberstellung des Lebens zu sehen. Der Putto bringt das Licht in die Dunkelheit und verweist wegweisend auf die sechs immergrünen Gewächse als Symbole des ewigen Lebens oder des himmlischen Paradieses.

Jerichow, Stiftskirche

Bauforschung am Westflügel der ehemaligen Stiftsklausur Jerichow

Der ehemalige Klausurbereich des einstigen Prämonstratenserstiftes entstand während und nach der Erbauung der romanischen Backsteinkirche. Die Kirche wie auch Klausur zählen in Nordeuropa zu den ältesten Backsteinbauten der Romanik. Der Baubeginn der Kirche darf wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts liegen, wahrscheinlich um 1147, als die bereits angesiedelten Prämonstratenser vom Ortskern Jerichow in abseits liegendes sumpfiges Gebiet außerhalb des Ortes zogen. Die Stiftsklausur schließt mit dem Ostflügel südwärts an das südliche Querhaus an. Dieser Ostflügel ist in seinem Erscheinungsbild durch Umbauten aus den letzten 100 Jahren stark überformt worden. Die Stiftsklausur, besonders der Ost– und Südflügel, wurde in den 1980er Jahren von Reinhard Schmitt bauarchäologisch und bauhistorisch genauer untersucht.

Der Westflügel stößt mit seinem Verbindungsaufbau an die Südwand der Zweiturmfassade der Kirche. Sehr wahrscheinlich gab es im 12. und im 13. Jahrhundert eine schließende Verbindungswand zwischen Kreuzgang und Kirche.

Spätgotischer Giebelschmuck am Südgiebel wie auch Reste vom Maßwerk im Kreuzgang belegen größere Umbauarbeiten in der ausgehenden gotischen Zeit. Eine Inschrift "1504" auf dem Putzband an der Ostfassade zwischen Erd– und Obergeschoss könnte möglicherweise eine Fertigstellung der Umbauarbeiten des Westflügels angeben. Die wohl ältesten Wandbestandteile der Westflügelklausur befinden sich vorwiegend im Kreuzgangbereich, im gewölbten Kellerbereich sowie im Erdgeschoss. Zu den einzelnen Umbauarbeiten bietet eine Reihe an Archivalien unterschiedlich Auskunft. Nur für die eigentliche Stiftszeit gibt es keinerlei Unterlagen mehr.

Für die bauforscherische Befunderhebung ging es um die Gesamtheit der historischen Veränderungen am Gebäude. Besonders wesentlich sind die Fragestellung zur Entstehung der schwarzen Küche, zur ursprünglichen Raumdisposition im Erd– und Obergeschoss sowie die Verbindung zwischen Kreuzgang und Westflügelbau. Dabei spielten gerade auch die Niveauunterschiede vergangener Laufhorizonte eine Rolle und gaben Auskunft zu früheren Nutzungszeiten. Während der Untersuchungen konnten die romanische Epoche mit ihren Fensteröffnungen und zwei unterschiedliche Bauphasen für die späte gotische Zeit nachgewiesen werden. Weitere Veränderungen fanden im Barock sowie im 19. Jahrhundert statt.

Ostfassade

Die traufständige Ostfassade des Westflügels der romanischen Stiftsklausur in Jerichow grenzt an das südliche Klausurgebäude und mit dem Verbindungsbau an die Südwand der Zweiturmfassade der romanischen Klosterkirche. Mehrere Bauepochen lassen sich daran ablesen, mit den bereits im 18. und 19. Jahrhundert erfolgten Anbauten und deren Abriss 1970. Das Erdgeschoss der Ostfassade erhielt seine bauliche Prägung durch den Wechsel von großen, segmentförmigen Fenstern mit Profilsteinen im Gewände und im Sturzbereich sowie segmentbogenförmigen mit einfachen Bindersteinen gemauerten Fensteröffnungen. Die Fensteröffnungen wurden nachträglich zugemauert und das Brüstungsfeld erhöht. Die ursprünglich insgesamt vier Fensteröffnungen sind im südlichen und nördlichen Bereich von kleineren Fensteröffnungen gerahmt. Im Innenraum (R.0.26) ist die nördliche , kleinere Fensteröffnung mit abgerundeten Steinen und Ziegelstempeln noch erhalten. Im südlichen Bereich ist im Innenraum (R.0.15) die Fensteröffnung ebenfalls mit abgerundeter Fensternischenkante ausgebildet.

Die älteste bauliche Struktur bildet das romanische, eingeschossige Gebäude, das sich im Erdgeschoss durch die gleich bleibende Stärke und die im Verband stehenden Umfassungsmauern im nördlichen, südlichen und westlichen Bereich auszeichnet sowie der nach der Erweiterung des Gebäudes um 1503 zur Innenwand umfunktionierten ursprünglich östlichen Außenwand. Diese ehemalige, romanische Außenwand stand bauzeitlich mit der südlichen Außenwand im Verband. Aus der romanischen Bauepoche lassen sich keine Hinweise für innere Raumstrukturen registrieren. Lediglich an den Umfassungswänden konnten Wandöffnungen erfasst werden.

Bei dem im 19. Jahrhundert als Gerichtssaal genutzten Raum (R.0.10) war die massive Ziegelwand teilweise noch mit Kalkschlämmen überzogen. In diesem Bereich konnte in einer Höhe von 45 cm ab dem heutigen Fußbodenniveau eine romanische Öffnung freigelegt werden. Eine weitere romanische Öffnung konnte im Raum R.0.05 freigelegt werden.

Die heutige Geschosshöhe steht nachweislich mit der spätgotischen Erweiterung des Baus von 1503 / 1504 im Zusammenhang. Die eichenen Deckenbalken mit dazwischen liegenden Lehmstakenfeldern konnten dendrochronologisch dem entsprechenden Fälldatum zugeordnet werden.

In dem südöstlichen unmittelbar vor dem Verbindungsbau gelegenen Raum ist die Fassung der Deckenfelder noch erhalten. Die schwarze Fassung der Deckenbalken ragt in die mit weißen Kalkschlämmen gefassten Lehmstakenfelder, die nochmals mit einem dünnen Begleitstrich abgesetzt wurden. Die Deckenfelder im westlichen Gebäudebereich können teilweise auch im 18. oder 19. Jahrhundert ausgetauscht worden sein.

Der Bau einer "Schwarzen Künche", die zur Dezimierung der ehemaligen, romanischen Außenwand führte, läßt sich nicht eindeutig einer Bauphase zuordnen. Die einzelnen Bögen, beginnend auf Pfeilern, waren bauzeitlich mit Profilsteinen versehen, die vermutlich im 18. Jahrhundert zurückgeschlagen worden sind.

Lübeck, Kirche St. Jakobi

Vom Februar 2007 bis April 2008 wurde vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg im Auftrag der Kirchengemeinde St. Jakobi untersucht. Die Bauforschung, die ebenfalls die Digitalisierung eines bereits bestehenden Handaufmasses beinhaltete wurde von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert.

Die Häuser Jacobikirchhof 1+2 weisen eine Baugeschichte von mehr als 800 Jahren auf.

Die Gebäude dienten nach dem großen Umbau von 1602 unterschiedlichen Funktionen. Im westlichen Abschnitt, dem heutigen Jakobikirchhof Nr. 1, lag das Werkhaus, der Arbeitsort und die Wohnung des Organisten. Im angrenzenden, 1602 als Reihenhausanlage angelegten Renaissancebau mit den vier Eingängen, befand sich in dem heutigen Jakobikirchhof 2 die Jakobiknabenschule, die bis 1882 dort bestand. Der zweite Eingang der Häusergruppe diente als Wohnort für die Witwen der Kirchenbeamte und wurde nach einem längeren Leerstand der Schule zugeschlagen.

Als nächster Bauabschnitt folgte das Prediger-Witwenhaus und schließlich die Predigerwohnung. In dem Werkhaus und der Amtswohnung lebte laut Schossregisterakte von 1701-1709 der Organist Peter Hase und 1727 Johann Hornburg Krahms. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts arbeitete und lebte dort Johann Joachim Diedrich Stiehl und schließlich Carl Philipp Emanuel Kemper. Nach Schröder befand sich im 19. Jahrhundert in dem westlichen mit dem Giebel zur Engelsgrube gelegenen Gebäude nicht nur die Organistenwohnung sondern im Erdgeschoss des barocken Anbaus, im Bereich der heutigen Bücherei, ein Spritzenhaus. Die Eingangstore öffneten sich zum "Kufberge".

Im Laufe der Bauforschungsarbeiten konnten in beiden Gebäuden wertvolle Wandeinbauten und Malereien aus verschiedenen Jahrhunderten freigelegt werden. Im Haus Jakobikirchhof 2, das bis zum 19. Jahrhundert als Schulbau genutzt wurde, ist der Westgiebel aus dem 13. Jahrhundert mit vier gotischen Fensteröffnungen der mittelalterlichen Lateinschule am Koberg erhalten. Der Giebel besaß im Obergeschoß drei in gleichmäßigen Abständen zueinander angeordnete spitzbogige, nach Westen konisch zulaufende und sich öffnende Fenster. In einem der Fenster sind die Putzfassungen noch erhalten.

Weitere interessante Befunde bilden im Obergeschoss die eichernen Fachwerkinnenwände der Renaissance. Die Grundrissaufteilung zeigt, dass das Gebäude gemeinsam mit dem angrenzenden Haus Nr. 3 genutzt wurde. Zwei Türdurchgänge, getrennt durch eine Trennwand, führten zu den nördlich gelegenen großen Räumen zum Koberg. Die Deckenbalken und die mit hölzernen Bohlen geschlossenen Deckenfelder zeigen eine Ausmalung des 17. Jahrhunderts mit roten und weißen Blattranken auf ockergelbem Grund. Ein schwarzer Begleiter umzieht als imitierende Kassettenmalerei die Ranken. An den Wandflächen ließ sich sogar noch die bauzeitliche Fassung mit Diamantquadern von 1602 auffinden. Die beiden Räume trennt heute eine raumtrennende Bohlenwand aus dem 18. Jahrhundert, die nach Abnahme der jüngeren Wandbespannung, eine frühklassizistische imitierende Architekturgliederung, gemalte Kassettenfelder mit Marmorierung, zeigt. Oberhalb des Türfeldes gibt ein zur Seite gezogener Vorhang den Blick auf ein Kohlebecken mit Feuer frei.

In einem Raum zur Jakobikirche blieb ein Wandpaneel aus dem 17. Jahrhundert fast vollständig erhalten. Ein vergleichbares Paneel befindet sich im St. Annen Museum der Stadt Lübeck, hier noch mit Mauresken und stilisierten Blumenmotiven bemalt.

Weitere wertvolle Befunde traten auch in dem angrenzenden Nachbarhaus, der Wohnung des Organisten der St. Jakobigemeinde, zu Tage. Das Dachwerk des Hauses stammt aus dem Jahre 1361(d). Neben den aufgefundenen Fenster- und Türöffnungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert konnte eine Kassettendecke mit gemaltem Laubstab und Ranken um 1500 und eine Stuckdecke von 1655 feigelegt werden. In einem jüngst als Schlafraum genutzten Raum zur Jakobikirche waren in den mittelalterlichen Umfassungswänden in die bauzeitgleichen Fenster und Türöffnungen kleine Nischen eingebaut, zwei mit gefasten Gewände, eines mit hölzernem Sturz. Die jüngere Ausmalung der Nische zeigt barocke gelbe Blattranken auf einem blauen Fond. Die Nischen wurden vermutlich im 16. Jahrhundet eingebaut.

Weiterhin konnte eine hervorragend erhaltene Ausmalung in den einzelnen Deckenfeldern eines Wohnraumes aufgefunden werden. Dargestellt sind unterschiedliche Szenen eines Liebespaares, in Begleitung eines kleinen Hundes. Das erste Deckenfeld zeigt eine musikalische Darbietung des Mannes mit Flöte, im zweiten Feld watet der Mann durch das Wasser zu einem Boot, indem eine Frau ihn bereits erwartet. Das dritte und vierte Feld stellt eine Bootsfahrt bei stürmischem Wellengang dar und schließlich den Spaziergang durch eine Landschaft. Die Kleidung des Paares entspricht der holländisch-flämischen Mode der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Der Mann trägt schulterlanges Haar, einem breitkrempigen Hut, Oberlippenbärtchen, einen engem Wams und eine knielange Hose. Die Frau mit Spitzenkrause und ausgestelltem Rock bekleidet.

Gotha, Schloss Friedenstein

Das Schloss Friedenstein in Gotha mit seinem U-förmigen Grundriss wurde nach den Plänen des Architekten Andreas Rudolph in den Jahren 1643 bis 1654 für Herzog Ernst den Frommen (1601 bis 1675) errichtet. Es befindet sich auf dem höchsten Punkt südlich der Altstadt, an der Stelle der 1567 zerstörten Burg Grimmenstein. Im Sommer 2004 wurde auf Veranlassung des Bauherrn, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, mit der Bauaufnahme und Bestandserfassung im Schloss Friedenstein in Gotha begonnen. Bis zum Jahr 2006 wurden u.a. das verformungsgetreue Aufmaß und die Fensterkartierung des dreiflügligen Schlosskomplexes umgesetzt.

Forschungsprojekte

Als umfassende, wissenschaftliche Forschungsprojekte wurden vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg unter anderem folgende Projekte angelegt:

"Ökologisches Pilotprojekt" unter wissenschaftlicher Begleitung Lange Gasse 7, Quedlinburg

Baugeschichte

Die Lange Gasse 7 steht unterhalb des Burgberges im Westendorf von Quedlinburg und wurde um 1780 errichtet. Die siebenachsige zweigeschossige Fachwerkfassade ist als typische Barockfassade mit geringer Auskragung und vorgeblendeter Profilbohle in den Deckenbereichen gestaltet. Der Ständerrhythmus mit seiner auf flächige und strenge Axialität ausgerichteten Fassade, betont die horizontale Gliederung durch das Gesims der Profilbohle. Der Südwestgiebel und die Hoffassade waren nachweislich ziegelsichtig mit typisch barocker Zierausfachung angelegt. Das flach gewalmte Dach mit einem vollständig erhaltenen liegenden Dachstuhl komplettiert den Baukörper. Der Haupteingang zum Gebäude befindet sich linksseitig der dominierenden Toreinfahrt. Dahinter schließt sich unmittelbar das Treppenhaus an. Aufgrund der großen Höhe des massiven Sockelgeschosses waren im hinteren südwestlichen Bereich Kammern über zwei Ebenen angeordnet. Beide Obergeschosse wurden für Wohnzwecke errichtet. Das Dachgeschoss wurde als Abstellraum genutzt.

Ökologisches Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung

Mit dem Modellvorhaben: "Ökologisches Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung" - Lange Gasse 7 in Quedlinburg wurde vom Deutschen Fachwerkzentrum e.V. ein Projekt initiiert, welches Fragestellungen wie z.B.: "Sind Umwelt- und Denkmalschutz vereinbar?", "Ist der Einsatz neuer Materialien und Technologien im Denkmalbereich verträglich?", "Wie hoch sind die wirtschaftlichen und heizenergetischen Potentiale?" aufgreift und in der Auswertung übertragbare Antworten geben soll.

Die Gesamtmaßnahme wurde umgesetzt in den Jahren 2003 bis 2004 mit Förderung durch das Bauministerium des Landes Sachsen-Anhalt im Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz", der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der BauBeCon GmbH als Sanierungsträger der Stadt Quedlinburg sowie der Wohnungswirtschaftsgesellschaft mbH Quedlinburg als Bauherrn. Einen besonderen Anteil hatte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit der För-derung der wissenschaftlichen Begleitung im Modellvorhaben.

Ausgangspunkt des Projektes war der aufgrund des jahrelangen Leerstandes stark geschädigte Zustand der Bausubstanz, insbesondere im Bereich der Tragkonstruktion. Aufgrund seiner exponierten Lage, Kubatur und der geplanten Nutzung als Mietshaus eignete sich die Lange Gasse 7 besonders gut, um ein Gesamtkonzept aus ökologisch und bauphysikalisch verträglicher Innendämmung und jeweils angepassten Heiz- und Lüftungsmaßnahmen zu konzipieren. Die fachübergreifende Bewertung von Dauerhaftigkeit, Wohnqualität, Energieeffizienz sowie Bau- und Energiekosten soll nachvollziehbare und umsetzbare Folgerungen ermöglichen.

Neben der Ertüchtigung der stark geschädigten Bausubstanz und der denkmalgerechten Sanierung unter vorrangiger Verwendung ökologischer Baustoffe hatte das Projekt weitere Ziele: die Anwendung moderner Mess- und Prüfverfahren in einem Langzeitversuch zum bauphysikalischen Verhalten der eingesetzten Baustoffe und zum Einfluss des Nutzerverhaltens, ein Kostenvergleich zwischen ökologischem und konventionellem Sanieren unter Berücksichtigung der Unterhaltungskosten sowie die Qualifizierung regional ansässiger Firmen sowie Seminare für Fachplaner.

Die Sanierung des Holzgefüges erfolgte in traditionellen Zimmermannstechniken. Die Gefache der Obergeschosse erhielten historisch nachempfundene ziegelsichtige Zierausfachungen aus schmalen Altziegeln, verlegt in einem Kalkmörtel unter Zusatz von weißem Sand und Häßler Kalk. Bei den Ausbauarbeiten hatte die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, wie z.B. Holzparkett, Korkbeläge, Mineralfarben, Stopfdichtung aus Hanffasern etc. Vorrang. Alle Innen- und Außenwände erhielten Putzoberflächen.

Das Bauvorhaben bot mit fünf Wohnungen auf drei Geschossen die Chance, verschiedene Innendämm- und Heizlösungen, Schallschutzmaßnahmen und Fensterausführungen zu realisieren und die langfristigen Auswirkungen auf die Bausubstanz, den Energieverbrauch und das subjektive Nutzerbefinden zu beurteilen. Aufgrund der großen Raumhöhe wurde im Erdgeschoss eine Singlewohnung mit Schlafgalerie und ein Gewerberaum eingerichtet. In den beiden Obergeschossen ist jeweils eine Zwei- und eine Drei-Raumwohnung angeordnet. Auf diese in Raumstruktur und Nutzungsanforderung vergleichbaren Mietwohnungen konzentrieren sich die Untersuchungen. Die wiederkehrende Nord-Süd-Orientierung ermöglicht annähernd vergleichbare Außenklimabedingungen.

Zur Sicherung der Ausführungsqualität dienten baubegleitende Blower-Door-Messungen, Infrarotthermografie und Holzfeuchteprüfungen. Für die Langzeitprüfung werden seit November 2004 die Feuchte- und Temperaturverhältnisse der einzelnen Wandaufbauten sowie auch das Innen- und Außenklima vom BAUKLIMA Ingenieurbüro Eckermann kontinuierlich gemessen. Jede der vier verschiedenen Dämmvarianten verfügt über eine Messachse mit Temperatur- und Feuchtesensoren sowie eine Wärmestromplatte. Die Raumklimafühler so-wie die Bauteilmessachsen befinden sich jeweils in den nach Norden orientierten Schlaf-zimmern der vier Wohnungen. Die wartungsfreie Messwerterfassung erfolgt über zentral auslesbare Datalogger.

In jeder der fünf Wohnungen ist eine andere Innendämmung ausgeführt. In den Wohnungen des 1. Obergeschosses kamen eine Vormauerung aus 175 mm Holzleichtlehmsteinen mit einer Fußbodenheizung sowie eine Innendämmung aus ca. 80 mm Haacke-Cellco-Wärmedämmlehm (? = 0,08 W/[m²K]) und ebenfalls eine Fußbodenheizung zur Anwendung.

Im 2. Obergeschoss kamen Plattensysteme zum Einsatz: Die eine Wohnung erhielt eine Innendämmung mit 60 mm Calsitherm-Klimaplatten und Plattenheizkörper, die andere Wohnung eine Innendämmung mit 60 mm Unger-Diffutherm-Holzweichfaserplatten und eine raumhohe Wandheizung an allen Außenwänden.

Bei allen Dämmsystemen wurden in der Ausführung insbesondere die kritischen Anschlüsse an den Fenstern und an den einbindenden Wänden kontrolliert sowie auf das Vermeiden von Hohlräumen zwischen Fachwerkwand und Dämmung geachtet. Ziel war jeweils die Herstellung eines homogenen Wandaufbaus, der in Lage ist, nicht vermeidbare Auffeuchtungen schnell wieder abzugeben.

Die Untersuchungen zeigen teils erwartete, teils überraschende Ergebnisse. Erwartungsgemäß unterscheiden sich die eingesetzten Systeme zur Innendämmung in ihren bauphysikalischen und heizenergetischen Auswirkungen. Überraschend ist die messtechnisch begründete Erfahrung, dass die eingesetzten Dämmschalen aus den mineralischen Baustoffen Holzleichtlehm und Wärmedämmlehm gegenüber den in der Sanierung üblicherweise eingesetzten Dämmplatten durchaus Vorteile in der praktischen Bewährung besitzen. Dazu gehören sowohl die gegenüber den Vorab-Berechnungen geringeren U-Effektivwerte als auch die bessere Luftdichtheit in der Dämmschale und das reduzierte Risiko von Feuchtekonvektion in den Anschlussbereichen. Bei allen Maßnahmen erfolgt ein nicht unerheblicher Feuchteeintrag. Die Trocknungszeiten variieren allerdings in weitaus stärkerem Maße. Der hohe Stellenwert einer angepassten Baufolge mit ausreichender Lüftung der Räume und hinlänglichen Trocknungszeiten vor Aufbringen des Wandputzes wird hier deutlich.

Mietwohnungen müssen hinsichtlich eines eventuellen Nutzerwechsels und der Gebrauchstauglichkeit wesentlich robuster sein als Bauten zur Eigennutzung. Um die erhöhten Anforderungen für die Auswertung des Projektes zu nutzen, wurde ein Mieterfragebogen entwickelt, der mit den Mietern im Rahmen persönlicher Gespräche erläutert und ausgefüllt wurde. Von ihnen werden die Aufwendungen und Belastungen durch die messtechnischen Untersuchungen sowie Befragungen als durchaus positiv und informativ aufgenommen. Die Dämm- und Heizsysteme werden in allen Fällen akzeptiert und vielfach positiv bewertet. Die Mieter empfinden keine Einschränkungen der Gebrauchstauglichkeit durch die Innendämmung.

Modellhafte Sanierung des gotischen Dachstuhles der St. Stephanskirche zu Tangermünde

Die "St. Stephanskirche" in Tangermünde

Inhalt des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projektes ist die behutsame Sanierung des Dachstuhls der St. Stephanskirche, welche aufgrund ihrer qualitätvollen Architektur und der wertvollen Ausstattung europäischen Rang erreicht. Für den 1. Bauabschnitt wurde der Bereich des nördlichen Querhauses mit den unmittelbar angrenzenden Bauteilen gewählt, da durch die umfangreichen Fäulnisschäden am Dachfuß sowie durch gelöste bzw. gebrochene Holzverbindungen viele Balken aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben und für eine Lastableitung ausgefallen sind.

Baubeschreibung

Das Dachtragwerk zeigt noch heute seine alte gotische Konstruktion, wobei das Dach des nördlichen Querhauses aus einem schlichten binderlosen Sparrendach mit zwei Kehlbalkenlagen besteht und in der Dachachse durch ein durchlaufendes Rähm und mehrere Diagonalen in Längsrichtung ausgesteift wird. Auf der Ostseite wird diese Dachkonstruktion durch ein pultförmiges Schleppdach für den ca. 4,00 m tiefer liegenden Schülerchor ergänzt.

Modellhafte Sanierung des gotischen Dachstuhles der St. Stephanskirche zu Tangermünde Die Sanierung des Nördlichen und Südlichen Querhauses der Sankt Stephanskirche zu Tangermünde erfolgte im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen regional ansässiger Handwerksfirmen in hoher handwerklicher Qualität unter fachlicher Anleitung des Fachwerkzentrums bzw. weiterer Spezialisten. Die Konstruktionen konnten unter weitgehender Substanzerhaltung in Form und Funktion bewahrt werden.

Die Begleitung der Sanierung des 1. Bauabschnittes (Nördliches Querhaus) sowie die Erarbeitung einzelner Arbeitsfelder erfolgte seitens unseres Hauses in drei Hauptphasen:

1. Verformungsgetreues Aufmaß mittels Tachymetrie kombiniert mit einem Handaufmaß als Grundlage für die weitere Planung der Sanierung.

2. Begleitung der praktischen Sanierung, deren Ziel es war, im Rahmen einer Qualifizierung mittelständiger Betriebe das konstruktive Gefüge des mittelalterlichen Dachstuhls in traditioneller Zimmermannstechnik wieder herzustellen.

3. Prävention: Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der Mauerkronensanierung zum Verhindern des Salztransportes über die Fugenbereiche durch den Einsatz eines speziellen HAZ-Mörtelsystems.

Auffällig an verschiedenen Konstruktionshölzern ist die zum Teil starke Zerstörung der Holzoberfläche durch chemische Korrosion in Form von Mazeration. Durch eine vermutlich überdosierte Flammschutzmittelbehandlung kommt es beim Wechsel von Salzlösung und -kristallation - entsprechend der vorhandenen Luftfeuchtigkeit - zur Lockerung und zum Ablösen des Zellgefüges, was sich in Form von Faserbündeln an der Bauteiloberfläche zeigt.

Gegenwärtig werden in der Praxis mehrere Mittel und Methoden zur Mazerationssanierung angeboten und angewendet. Allerdings gibt es keine eindeutigen Aussagen über die Langzeitwirkung der Mittel bezüglich der Gesundheitsverträglichkeit und der Auswirkungen auf die behandelten Hölzer bzw. die chemischen Reaktionen mit den Inhaltsstoffen der eingetragenen Holzschutz– oder Flammschutzmittel. Deshalb war für den 2. Bauabschnitt (Südliches Querhaus) der St. Stephanskirche in einem von der DBU geförderten Modellprojekt die exemplarische Gegenüberstellung verschiedener Sanierungsmethoden sowie eine langfristige Beobachtung und Dokumentation der Auswirkungen geplant und durchgeführt. Es wurden zum Einen unterschiedliche Reinigungsmethoden (abbürsten, abstrahlen), zum Anderen die Wirkungen verschiedener Sanierungsmittel (AIDOL, KORASIT, HASIL) verglichen.

Publikationen

Auszug aus den Publikationen:

2008 - Fachwerklehrpfad Ein Rundgang durch Quedlinburg vom Mittelalter bis ins 19. Jh 2008 - Kinder Fachwerklehrpfad Ein Rundgang durch Quedlinburg vom Mittelalter bis ins 19. Jh 2011 - "Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V. 09/11" Arbeitsbericht der aktuellen Projekte 2011 - "Hilfe, ich habe ein Fachwerkhaus" Ein Leitfaden für Bauherren und am Fachwerk Interessierte online lesen 2012 - Energetische und substanzschonende Sanierung historischer Fachwerkbauten Praxisobjekte des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e.V. 2015 - Osterwieck. Entdecken- Bewahren – Erleben Ein Rundgang durch Osterwieck vom Mittelalter bis ins 19. Jh online lesen 2017 - Energieeffiziente und Substanz schonende Sanierung historischer Fachwerkbauten "Bunter Hof Osterwieck" Ein Arbeitsbericht online lesen
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