Das Zentrum Forschung Bildung Beratung
         
  "Dokumentation von Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen an ausgewählten Bauten"    
Leitfaden zur Fachwerksanierung für Bauherren und am Fachwerk Interessierte    


Hölle11
Stolberg/Harz
Wipertikirche
Wordgasse 4
Jerichow
Lübeck
Gotha



Goldstrasse 25
Klopstock-Gartenhaus
Das Gelbe Haus in Wörlitz
Schlossberg 11



Lange Gasse7
St.Stephanskirche
Bauschadensprojekt
 

Die Zerstörung historischer Bausubstanz erfolgt oftmals durch das „Kaputtsanieren“ infolge der Unkenntnis über die Entwicklung historischer Bauweisen, der Auswahl ungeeigneter Ma-terialien und Methoden, der falschen Beurteilung des Zusammenwirkens alter und neuer, industriell hergestellter Baustoffe sowie infolge der Missachtung bauphysikalischer Grundre-geln.

Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Ursachen der Zerstörung historischer Substanz bei be-reits abgeschlossenen Sanierungen und darin begründeter Folgeschäden zu ermitteln und unter Hinzunahme aktueller Forschungsergebnisse und Langzeiterfahrungen übertragbare Empfehlungen für eine nachhaltige, fachgerechte, Substanz schonende Sanierung aufzuzei-gen. Damit wird sowohl ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der aus städtebaulicher Sicht be-sonders wertvollen innerstädtischen Altbaubestände, als auch für den wirtschaftlichen und verantwortungsbewussten Umgang mit Fördermitteln geleistet.


In Zusammenarbeit mit den Unteren Denkmalschutzbehörden, der BauBeCon Sanierungs-träger GmbH und den Stadtbauämtern wurde eine erste Objektauswahl z.B. in Quedlinburg, Wernigerode, Helmstedt, Osterwieck und Northeim getroffen. Hierbei handelt es sich um Fachwerkgebäude, die vorwiegend in den 90-er Jahren saniert wurden und bei denen aktuell oder in absehbarer Zeit Nachsanierungen anstehen.

Aufgrund einer breiten Öffentlichkeitsarbeit wenden sich zwischenzeitlich auch Gemeinden und Hauseigentümer mit der Anfrage um Unterstützung und Beratung an unser Haus. So konnten wir im Februar 2008 kurzfristig bei der Ausschreibung der Revisionsarbeiten am Alten Rathaus in Limeshain-Himbach (Nähe Büdingen) korrigierend eingreifen. Nach der 1999 abgeschlossenen Komplettsanierung waren hier wieder Schäden aufgetreten, die nun erneut behoben werden sollten. Nach der Schadensaufnahme vor Ort und einer umfassen-den Akteneinsicht konnten sowohl damals verbaute Materialien und Baustoffe recherchiert als auch der Bauablauf weitestgehend nachvollzogen werden. Somit war eine Eingrenzung und Konkretisierung der Schadensursachen möglich.


Generell erfolgt zu Beginn der Objektbearbeitung eine behutsame Kontaktaufnahme mit den Bauherren, Nutzern bzw. Planern, um das Projekt vorzustellen, die Probleme zu lokalisieren bzw. die Schadensbilder fotografisch aufzunehmen. Solche Schadensbilder sind z.B. Feuch-te-, Salz- und Schwammschäden an Wänden und Decken, Auflösen von Korkabdichtungen an Fensteranschlüssen, Abplatzen und Blasenbildung von Farbschichten, Abscheren von Wandschalen, Rissbildung an Wand- und Deckenanschlüssen.

Im Verlauf der Bearbeitung der unterschiedlichen Objekte konnten wir unsere Vorgehens-weise immer besser strukturieren, indem wir zur Erstaufnahme einen Fragebogen zur schnellen Bestandsaufnahme (Checkliste als Multiple-Choise-Verfahren) entwickelten, der gleichzeitig die erste Bearbeitungsstufe darstellt. Neben der Registrierung allgemeiner Daten zum Objekt wird in diesem Fragebogen weiterführend nach dem Schadensort und der Mate-rialschädigung (innen oder außen liegend, Wandkonstruktion, Putze und Mörtel, Anstriche, Abdichtung, etc.) untergliedert, das Schadensbild beschrieben, der Schadensauslöser und die Ursache eingegrenzt. Abschließend werden die vorgefundenen Schäden definierten Ka-tegorien zugeordnet, die zwischen harmloser Baubeeinträchtigung, leichtem Schaden, mit-telschwerer Schädigung sowie akuter Schadstelle unterscheiden.



Mit zunehmender Objektanzahl konnte entsprechend der individuellen Gegebenheiten auch unser Raumbuch für die Schadensaufnahme in der Weiterentwicklung als ein Templait ges-taltet werden, welches alle relevanten Daten und Befunde bis hin zu Detailzeichnungen kon-struktionsbezogen und übersichtlich darstellt.

Für eine umfassende und fundierte Bewertung sämtlicher Schadstellen am Gebäude muss soweit wie möglich die Auswertung vorhandener Unterlagen zum Gebäude erfolgen. Dazu gehört, dass nach Akten, Vorgängen, Notizen, Rechnungen und Abbildungen wie Zeichnun-gen oder Fotos recherchiert wird. Es werden möglichst alle im Rahmen der letzten bzw. an-stehenden Sanierungsmaßnahme beteiligten Sachverständigen und vorliegenden Gutachten einbezogen. In diesem Zusammenhang soll genau geklärt werden, was und in welcher Wei-se saniert bzw. modernisiert worden ist. Zudem kann vermerkt werden, ob die Planung und Ausführung unter Einbeziehung eines Planungsbüros sowie durch Baufirmen oder in Eigen-leistung abgewickelt wurde.

Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt für jedes untersuchte Objekt auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Tatsachen und Erkenntnisse. Je nach Bedarf werden anstehende Reparatur- oder Sanierungsmaßnahmen durch Vorschläge bzw. Sanierungsempfehlungen unsererseits begleitet und dokumentiert. Die zusammenfassende Beurteilung soll zugleich Ansatz- und Ausgangspunkt für den Aufbau einer Datenbank und die Erarbeitung von Sanierungskonzep-ten bzw. einen „Leitfaden für die Altbausanierung“ bilden.

Bislang offenbaren sich in allen Orten, in denen wir Objekte bearbeiten, deutliche Probleme mit der Farbbeschichtung von Hölzern und unkontrollierter Rissbildung an den Gefachüber-gängen bis hin zum Ausbruch der Gefacheputze. In einigen Extremfällen sind massive Holz-schäden durch Schimmel, Moderfäule oder Schwammbefall bis hin zum Abgang ganzer Wandabschnitte zu verzeichnen, bei denen Anstriche und Dämmsysteme eine nicht unbe-deutende Rolle spielen. Oft ist das Zusammentreffen mehrerer Faktoren ursächlich für das Entstehen der Schäden, wobei das jeweilige Nutzerverhalten eine besondere Bedeutung einnimmt. Interessant bei der Auswertung von Bauakten ist auch der Vergleich von Detail-planung/Angebots-LV/ Vergabe-LV/tatsächlicher Ausführung und Rechnungslegung. Die Diskrepanzen sind mitunter so groß, dass schon jetzt konstatiert werden kann, dass eine häufige Schadensursache in ungenügender Bauüberwachung zu finden ist.

Die Auswertung und Aufbereitung der Untersuchungsergebnisse erfolgt nach dem Prinzip Bauteil - Schadensbild - Ursache. Dabei werden die Bauteile in Anlehnung an die im Bauwe-sen üblichen Kostengruppen 100-700 untergliedert. Durch eine Anonymisierung der betrof-fenen Objekte wird vermieden, dass die am Bau Beteiligten für Schäden verantwortlich ge-macht werden. Des Weiteren wird in der Arbeit auf das Zitieren gängiger Regelwerke, wie z. Bsp. der DIN verzichtet.

Neben der Auswertung der Einzelbeispiele bereiten wir derzeit die Grundkonzeption für den geplanten „Leitfaden für die Altbausanierung“ vor.

Leitfaden zur Fachwerksanierung für Bauherren und am Fachwerk Interessierte